Erfordert Trittsicherheit und Aufmerksamkeit: Eine Wanderung über den Grat der Brecherspitz im Spitzinggebiet ist kein Spaziergang.
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Erfordert Trittsicherheit und Aufmerksamkeit: Eine Wanderung über den Grat der Brecherspitz im Spitzinggebiet ist kein Spaziergang.

Kritik nach neuerlichem Todessturz

Mehr Sicherheit an der Brecherspitz gefordert

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Fünf tödliche Abstürze an einer Stelle: Der Westgrat der Brecherspitz hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Unfallschwerpunkt für Bergwanderer entwickelt.

Im Schlierseer Hauptverwaltungs- und Werkausschuss wurde nun die Forderung nach mehr Sicherung laut. Der DAV arbeitet bereits daran.

Erfahrene Bergsportler sprechen gern von einer Schlüsselstelle. Als solche gilt der Westgrat der Brecherspitz im Spitzinggebiet. Vor allem das rund 40 Meter lange, von Felsrücken und schroffen Vorsprüngen durchzogene Steilstück. Auch wenn die ausgesetzte Stelle dort mit einem Drahtseil gesichert ist, hat die Passage in den vergangenen Jahren fünf Todesopfer gefordert. Zuletzt stürzte hier Mitte Mai ein 61-jähriger Unterföhringer vor den Augen seiner Familie rund 100 Meter in die Tiefe. Er war gestolpert.

„Dramatische Geschichte für alle Beteiligten“

Auch den Schlierseer Bergwachtlern sitzt der Einsatz noch in den Knochen, berichtete Karl Hiermeyer (PWG), selbst als Mitglied bei der Bergwacht, nun im Hauptverwaltungs- und Werkausschuss der Gemeinde. „Das sind dramatische Geschichten für alle Beteiligten“, sagte Hiermeyer. Damit es nicht zu weiteren tödlichen Unfällen an dieser Stelle kommt, forderte er zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Etwa ein Netz, um einen etwaigen Sturz abzufangen. „Im Straßenverkehr schaut man auch, dass man Unfallschwerpunkte entschärft“, meinte Hiermeyer. Die Beschilderung und Beschreibung der Route müsse man ebenfalls überarbeiten. „Im Internet wird sie als Familientour bezeichnet.“

Lesen Sie auch das Interview mit dem Gebietsbetreuer: „Die Brecherspitz ist zu leicht erreichbar“

Zumindest Letzteres könne die Gäste-Info selbst erledigen, meinte Astrid Leitner (CSU): „Auch bei uns steht die Strecke nur als mittelschwer drin.“ Ferner fehle ein Verweis auf die nötige Ausrüstung. Den brauche es aber, denn immer wieder seien Wanderer mit Turnschuhen an der Brecherspitz unterwegs. „Wir haben selbst einen ins Tal begleitet, der nicht mehr weitergekommen ist“, erzählte Leitner. Und das, obwohl das Hinweisschild am Berg eigentlich klar aussage, dass nur trittsichere Personen den Weg wählen sollten. Das sei wohl noch nicht abschreckend genug, fand Hiermeyer. „Vielleicht muss man die Toten explizit erwähnen.“

So weit will man bei der zuständigen Sektion Schliersee des Deutschen Alpenvereins (DAV) nicht gehen. Und doch zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem: Was bedeutet an dieser Stelle Sicherheit?

DAV-Wegereferent beschreibt Zwickmühle

Aus Sicht der Sektion sei es keine Lösung, den Weg – überspitzt ausgedrückt – zu einer Autobahn auszubauen, gibt Tourenwart Robert Viehweger zu bdenken: „Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die Wege in Ordnung sind, aber im Rahmen ihrer Eigenart.“ Das bedeute nicht, dass sämtliches Gefahrenpotenzial behoben werde. Für den Schwierigkeitsgrad Rot sei die vorhandene Seilsicherung ausreichend, um sich im Fall der Fälle festhalten zu können.

Klassifikation soll beschreiben, nicht abschrecken

Auch den Weg mit einer schwierigeren Einstufung auszustatten ist für Viehweger keine Lösung. „Ich glaube nicht, dass das etwas bringt.“ Zumal man damit das Anforderungsprofil im Verhältnis zu anderen Routen verzerre. Die Klassifikation in Blau (einfach), Rot (mittelschwer) und Schwarz (schwer) diene ja dazu, dass Wanderer die Strecke nach üblichen Kriterien einschätzen können – und nicht um Ungeübte abzuschrecken. Wobei auch schon Routinierte abgestürzt seien, wie Viehweger ergänzt: „Der Weg wird zum Teil unterschätzt.“

Die Aufgabe des Alpenvereins sei es nicht, Wege zu bauen, sondern in Ordnung zu halten – auch damit Wanderer keine Alternativrouten durch die Natur schlagen. Der Berggeher soll aber auch gefordert werden. „Wenn man dort einen bequemen Weg will“, sagt Viehweger, „ist die Gemeinde gefordert.“ Dennoch soll die Seilführung verbessert werden. Ob das aber etwas bringt, weiß auch Viehweger nicht.

sg/ddy

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