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In seinem Element: Als leidenschaftlicher Skitourengeher fühlt sich Matthias Schmidlin auf seiner Oberen Maxlrainer Alm am Taubenstein wohl. 

Nach Ablehnung durch Bauauschuss

Unternehmer will Erlebnis-Zentrum bauen - hier erklärt er sich

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Nach der Kritik aus dem Schlierseer Bauausschuss erklärt Matthias Schmidlin seine Pläne für die Obere Maxlrainer Alm. Zur Entspannung sollen hier nicht nur Manager kommen.

Spitzingsee – Seine bisherige Karriere gleicht einem Überschallflug. Garniert mit Zwischenlandungen bei den größten Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche. Doch nach einem gesundheitlichen Rückschlag zog Matthias Schmidlin (51) die Reißleine. Seinen Fallschirm hatte der vierfache Familienvater in Form eines Start-ups im Bereich Regeneration und Gesundheit geknüpft. Gelandet ist Schmidlin nun auf der Oberen Maxlrainer Alm am Taubenstein. Dort möchte er ein Refugium für gestresste Manager schaffen, aber auch Schulen und Tagesgästen eine Auszeit in den Bergen bieten. Der Schlierseer Bauausschuss fürchtete hingegen eher einen Rummelplatz auf der Alm und lehnte Schmidlins Antrag ab (wir berichteten). Auch, weil das Gebiet derzeit nicht mit einer Straße erschlossen ist. Im Interview erklärt der Münchner, was er nun zu tun gedenkt.

Herr Schmidlin, wie oft haben Sie in Ihrem Leben schon ans Aufgeben gedacht?

Matthias Schmidlin: Schon öfter. Zum Beispiel, als ich mich mit Tourenski auf den 5642 Meter hohen Elbrus im Kaukasus gequält habe. Oder während der zehn Stunden, in denen ich den Zürichsee in Längsrichtung durchschwommen habe. Aber auch in diesen Momenten habe ich nicht aufgegeben. Das ist keine Option für mich, egal wie aussichtslos die Situation auch erscheinen mag.

Jetzt wollen Sie den Schlierseern zwei große Bergbauernhöfe schmackhaft machen. Wie aussichtslos ist das?

Matthias Schmidlin: Ich denke, nicht ganz so sehr. Ich habe den Bauern, die wie viele andere Generationen zuvor in diesen Höfen gelebt haben, versprochen, dass ihre Geburtshäuser an anderer Stelle weiterleben dürfen. Ich kann Ihnen versichern, dass da mehr als nur eine Träne geflossen ist. Umso wichtiger ist es mir nun, dass die Leute die Geschichte hinter dem Projekt kennen.

Erzählen Sie.

Matthias Schmidlin: Angefangen hat alles mit einem Fahrradunfall, dessen gesundheitliche Folgen bei mir fälschlicherweise als Burn-Out diagnostiziert wurden. Nach einer Odyssee durch Krankenhäuser bin ich dann zu Jürgen Krackow gekommen, der mich energetisch behandelt hat. Als mein Atlaswirbel wieder im Lot war, haben sich alle Symptome in Luft aufgelöst. Jürgen Krackow hat mir damit nicht nur geholfen, ins Leben zurückzufinden, sondern mir auch die Tür zu einer gemeinsamen beruflichen Neuorientierung geöffnet.

„Das ist ein perfektes Plateau mit unglaublich viel positiver Energie“

Sie sind ein Aussteiger?

Matthias Schmidlin: Ja und nein. Eher habe ich mich nach meiner Manager-Laufbahn auf meine Wurzeln besonnen. Ich bin in der Schwäbischen Alb sozusagen auf Skiern geboren und war jede freie Minute meines Lebens in den Bergen unterwegs. Deshalb bin ich nach meinem Abschied von Airbus nach Österreich in die Berge gegangen, wo ich im Zillertal Zirbenmöbel für meine Berghütte kaufen wollte. Tatsächlich wurde es dann ein ganzer Bauernhof aus dem Jahr 1809. Den habe ich abtragen lassen und so vor dem Abriss gerettet. Und es blieb nicht mein einziger.

Und die stehen jetzt bei Ihnen im Garten?

Matthias Schmidlin: Nein, das Holz des Hofs ist eingelagert. Aufbauen würde ich ihn gerne auf der Oberen Maxlrainer Alm, denn da passt er hin. Das ist ein perfektes Plateau mit unglaublich viel positiver Energie. Ich kann mir keinen besseren Platz vorstellen.

Der Schlierseer Bauausschuss aber schon.

Matthias Schmidlin: Leider ist da mein Ansinnen nicht richtig rübergekommen. Mir geht es nicht um einen Rummelplatz auf der Alm, sondern um das genaue Gegenteil. Ich will einen Ort der Ruhe schaffen. Ein Seminar- und Therapiezentrum, wo wir unser Angebot im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden von Mitarbeitern praktisch leben können. Ohne Mobilfunkempfang und auch ohne Zufahrtsmöglichkeit mit dem Auto.

Wie wollen Sie dann Ihre Höfe auf den Berg bringen? Zu Fuß?

Matthias Schmidlin: Es gibt Pläne für eine Baustraße auf der Lifttrasse am Telegraphenhang. Die wäre nur mit einem minimalen Eingriff in die Natur verbunden und würde unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten wieder begrünt. Damit wäre sie viel ökologischer als ein Transport per Hubschrauber.

„Meine Zielgruppe sind nicht nur Firmen, sondern auch Schulklassen“

Und wie sieht es dann mit der Versorgung im laufenden Betrieb aus?

Matthias Schmidlin: Die decken wir komplett mit der Materialseilbahn ab. Überhaupt wird sich der Zustand des Areals durch mein Vorhaben sogar verbessern. Wir werden die Altlasten bereinigen und vieles der jetzt zubetonierten Fläche wieder der Natur zurückgeben. Sogar den momentan brachliegenden Skilift werden wir wieder in Betrieb nehmen.

Alles nur, damit Manager abschalten können?

Matthias Schmidlin: Ganz und gar nicht. Meine Zielgruppe sind nicht nur Firmen, sondern auch Schulklassen. Kinder sind sogar noch mehr gefährdet vom Leistungsdruck und Social Media. Aber natürlich sind auch Gäste, die schon jetzt gerne Zeit auf der Maxlrainer Alm verbringen, in Zukunft herzlich willkommen.

Dafür müssen Sie aber die Gemeinderäte und Nachbarn erst noch begeistern.

Matthias Schmidlin: Ich bin nach wie vor optimistisch, dass mir das gelingt. Aus der Bauausschusssitzung habe ich den Eindruck mitgenommen, dass alle die Obere Maxlrainer Alm aus dem Dornröschenschlaf wecken wollen und ein Schmuckstück für die Gemeinde und den Landkreis wünschen. Und diesen Dialog haben wir jetzt gestartet. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

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