Feuerwerk über dem nächtlichen Schliersee.
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Feuerwerke - hier beim Seefest in Schliersee - sind einigen ein Dorn im Auge. Vor allem aber die bei privaten Feiern

Nach neuerlichem Ärger

Schliersee will die Feuerwerks-Diskussion am Köcheln halten

Die Diskussion um Feuerwerke in Schliersee ist wieder aufgeflammt. Gut so, findet Gemeinderätin Astrid Leitner. Sie hatte zuletzt ungute Erfahrungen gemacht und will das Thema am Köcheln halten. Ob’s was bewirkt, steht derweil in den Sternen.

  • Nachdem zuletzt nach einem Feuerwerk fünf Kalbinnen verschwunden waren, kam die Feuerwerks-Diskussion nun in der Lokalpolitik auf.
  • Gemeinderätin Astrid Leitner hat im August ebenfalls ungute Erfahrungen gemacht.
  • Womöglich lässt sich über das Thema Landschaftsschutz Einfluss nehmen.

Schliersee – Ein privates Feuerwerk hatte am Wochenende dazu geführt, dass dem Schlierseer Landwirt Kaspar Hirtreiter fünf Kalbinnen abhanden kamen (wir berichteten). Trotz coronabedingter Flaute auf dem Hochzeits- und Veranstaltungsmarkt war es nicht der einzige Vorfall dieser Art. Im Hauptverwaltungsausschuss berichtete nun Astrid Leitner (CSU), Landwirtin und Vermieterin, von einem Feuerwerk im August. „Um halb zehn hat es einen Knall getan wie von einer Kanone.“ Dann noch einen und noch einen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches: „Wir sind das in Fischhausen gewohnt“, sagt Leitner. „Wir hatten jedes Wochenende Halligalli“ – jedenfalls vor Corona. Doch dieses Feuerwerk war besonders laut.

Rinder nach Feuerwerk in Schliersee „völlig verstört“

Leitners Rinder auf der Weide gerieten in Panik, nahmen Reißaus und durchbrachen Zäune. Auch die Tiere des Nachbarn brannten durch. Bis in die Nähe des Bahngleises flüchteten sie. „Wir haben alle zusammenhelfen müssen, um die Viecher wieder einzusammeln.“ Als die Rinder dann endlich „völlig verstört“ (Leitner) im Stall standen, berichteten Feriengäste der Vermieterin, dass sich auch ihre Pferde auf und davon gemacht hatten. Anders als Hirtreiter hat sie alle wieder einsammeln können. Aber: Was wäre passiert, wenn ein Zug gekommen wäre? Und wer zahlt dann den Schaden?

Leitner findet, dass Thema muss dringend wieder auf die Agenda der Lokalpolitik. Auch Karl Hiermeyer (PWG) sieht das so: „Kann man denen nicht ein paar Prügel zwischen die Beine schmeißen? Ich weiß nicht, warum man nicht mehr ohne Feuerwerk heiraten kann.“ Beim Geballer im August war eine Feier auf der Insel. Gezündet wurde das Feuerwerk am Seeufer unweit der Rixner Alm. „Da hätte er gar nicht hinfahren dürfen“, sagte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Ansonsten konnte er wenig Hoffnung machen. Man könne professionelle Feuerwerker nur schwer in ihrer Berufsausübung einschränken. Das Landratsamt bestätigt auf Anfrage, es habe „kaum rechtliche Möglichkeiten, steuernd einzugreifen“.

Gemeinderätin empört: „Alle reden vom Tierschutz, aber bei Feuerwerken ist es dann wurscht.“

Bleibt momentan nur, an die Vernunft derer zu appellieren, die die Feuerwerke bestellen. Leitner: „Alle reden vom Tierwohl, aber beim Feuerwerk ist es dann wurscht.“ Hiermeyer: „Alle wollen die schöne Umgebung haben und arbeiten dann komplett dagegen.“ Es gelte, den Hebel bei den Anbietern anzusetzen und die Feiernden schon vorab darüber zu informieren, „dass Feuerwerke hier problematisch gesehen werden“. Zumindest im Rathaus – im Vorfeld von Hochzeiten – geschehe dies, bekräftigte Schnitzenbaumer.

Eine ähnliche Diskussion hatte Schliersee schon einmal geführt. Sieben Jahre ist das her. Nach Beschwerden, Unterschriftensammlung und Runden Tischen stand eine Vereinbarung, der zufolge sich alle Beteiligten Zurückhaltung auferlegen – die Gemeinde selbst beim Seefestfeuerwerk und auch die Wirte, in deren Häusern damals die meisten Feuerwerke stattfanden. Der Betreiber der Inselgastronomie hat inzwischen aber gewechselt.

Vielleicht geht was über die Landschaftsschutzgebiete

Zumindest für Astrid Leitner ist es höchste Zeit, beim Thema Feuerwerke die Hände wieder aus dem Schoß zu nehmen. „Wir sollten da schon mal tätig werden.“ Zumindest den Versuch deutete Schnitzenbaumer an. Auf Landkreis-Ebene bestehe der Ansatz, vielleicht über den Landschaftsschutz wenigstens eine Genehmigungspflicht zu erwirken. Das wird dann wohl Aufgabe der just gestern wiedergegründeten „Arbeitsgruppe Landschaftsschutz“ des Kreistags sein.

Hier die Geschichte, die den Anstoß zur neuerlichen Diskussion gab.

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