+
Bei dem Unfall starb ein Haushamer. Der Fahrer des blauen Opels war unter Alkoholeinfluss gefahren und wurde jetzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Schlimmer Unfall am 23. Dezember

Schlierseer (26) verurteilt: Durch seine Alkoholfahrt starb ein Mann

  • schließen

Eine Weihnachtsfeier, viel Alkohol. Weil ein Schlierseer (26) betrunken einen Unfall baute, musste ein Haushamer (48) sterben. Gestern stand er vor Gericht - und bekam sein Urteil.

Schliersee/Agatharied – Der Angeklagte, ein 26-Jähriger aus Schliersee mit weißem Kapuzenpulli und gegelten Haaren, sitzt mit versteinerter Miene da, als Richter Walter Leitner das Urteil verkündet. Die Mutter weint. Ihr Sohn wird für ein Jahr und zwei Monate ins Gefängnis gehen, weil er einer anderen Mutter den Sohn genommen hat. „Dessen Leben ist beendet“, sagt Leitner. „Ihres dagegen wird nach der Haft weitergehen.“

Die Verhandlung am Miesbacher Amtsgericht dreht sich um einen Unfall, der einen Tag vor Heiligabend für Entsetzen sorgte. Es war ein Freitagmorgen, gegen 5.10 Uhr. Ein Opel-Fahrer aus Miesbach kommend, kam von der Fahrbahn ab und stieß auf der B 307 nahe des Krankenhauses frontal mit einem Chevrolet zusammen, der durch die Kollision auf die angrenzende Wiese geschleudert wurde. Der Fahrer, ein 48-jähriger Haushamer, befand sich auf dem Weg zur Arbeit. Durch den Aufprall erlitt er innere Verletzungen, denen er im Krankenhaus erlag. Der Opel-Fahrer aus Schliersee soll 1,63 Promille Alkohol intus gehabt haben.

Die Stimme des Angeklagten stockt. „Nach der Beerdigung habe ich der Mama des Mannes einen Brief geschrieben.“ Er schluckt, fährt sich mit der Hand übers Gesicht. Als er die Stunden vor dem Unfall schildert, ist seine Stimme gefasster. Er habe den ganzen Tag gearbeitet, sein neues Auto zugelassen und sei damit am Abend zur Weihnachtsfeier seiner Firma gefahren. Wie viel er dort getrunken hatte – daran könne er sich nicht erinnern. „Ich bin mir sicher, die Erinnerung ist durch den Unfall weg“, sagt er. „Ich trinke nicht so viel, dass ich mich nicht mehr erinnern kann.“ Fakt ist: Bei der Blutentnahme rund zwei Stunden nach dem Unfall hatte er 1,56 Promille.

Erst die Minuten, als die Feuerwehr ihn aus dem Auto schnitt, seien ihm wieder im Gedächtnis. In der Notaufnahme habe er dann vom Tod des anderen Fahrers erfahren. Als die Beteiligten an den Richtertisch treten, um die Fotos des Unfalls zu betrachten, kann der Angeklagte kaum hinsehen. Er zuckt zusammen, wendet sich ab. Zweimal Totalschaden, beim Fahrzeug des Opfers ist das Fenster an der Fahrerseite herausgebrochen. Eine Rechtsmedizinerin geht davon aus, dass der Mann durch dieses Fenster aus dem Wagen geschleudert worden war.

Der Haushamer war aus seinem Wagen geschleudert worden.

Alles deutet darauf hin, dass der Mann nicht angeschnallt war. „Es ist nicht sicher, ob er überlebt hätte, wäre er angeschnallt gewesen“, sagt die Rechtsmedizinerin. Den Umstand könne Richter Leitner nur in geringem Umfang beim Strafmaß berücksichtigen.

Der Angeklagte hat keine Vorstrafen, zeigt Reue und scheint sozial eingebunden. Die Strafe wird aber nicht zur Bewährung ausgesetzt. Bei fahrlässiger Tötung durch Alkoholeinfluss im Straßenverkehr gebe es nur wenig Spielraum, begründet Leitner. „Ich habe so viel Leid über zwei Familien gebracht“, sagt der Schlierseer, der sich seit dem Unfall in psychologischer Behandlung befindet. Er weint. „Könnte ich es rückgängig machen, würde ich mit dem Mann tauschen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Slyrs feiert Jubiläum - und die Fans stehen Schlange
Wenn es bei Slyrs was zu Feiern gibt, kommen die Gratulanten in Scharen. Auch beim Sommerfest zum zehnjährigen Bestehen der Destillerie in Neuhaus standen die Besucher …
Slyrs feiert Jubiläum - und die Fans stehen Schlange
Vox-Show „Kitchen Impossible“ macht in Miesbach Station
Der Fernsehsender Vox hat eine Folge der Sendung „Kitchen Impossible“ im Pasta Vino in Miesbach gedreht. Dabei brachte Inhaber Giuseppe Messina Sterneköchin Maria Groß …
Vox-Show „Kitchen Impossible“ macht in Miesbach Station
Miesbacher (19) weicht einem Fuchs aus und überschlägt sich fast
Ein 19-Jähriger aus Miesbach wich mit seinem Pkw in der Nacht auf Montag einem Fuchs aus und krachte dabei gegen den Randstein. Verletzt wurde der junge Mann dabei …
Miesbacher (19) weicht einem Fuchs aus und überschlägt sich fast
Radexperte: Auch Mountainbiker wollen intakte Natur
Die sportlichen Radler im Landkreis zieht es vermehrt ins Gelände. Konflikte mit Förstern, Jägern und Wanderern sind da nur eine Frage der Zeit. Wir haben ATS-Radexperte …
Radexperte: Auch Mountainbiker wollen intakte Natur

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion