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Schlierseer (37) muss wegen Vergewaltigung in Haft

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Strafgesetzbuch.
Ein Schlierseer wurde vor Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt (Symbolfoto). © Symbolfoto / Sebastian Gollnow

Ein Schlierseer (37) muss für zwei Jahre und vier Monate in Haft. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im August 2020 eine Minderjährige vergewaltigt hat.

Schliersee – Bereits im September hatte sich das Schöffengericht – ergebnislos – mit dem Fall beschäftigt. Damals waren noch einige Fragen offen. Der Schlierseer soll im August 2020 in einer Wohnung in Neuhaus sexuelle Handlungen an einer 15 Jahre alten Landshuterin vorgenommen haben. Das wehrlose Mädchen soll dabei immer wieder eingeschlafen sein, da es auf der Geburtstagsparty ihrer Halbschwester zu viel Alkohol erwischt und auch an einem Marihuana-Joint gezogen hatte. Während der Angeklagte im September noch geschwiegen hatte, räumte er nun über seinen Verteidiger Werner Kränzlein die Tat ein. Seinem Mandanten sei auch nicht bewusst gewesen, „dass das Mädchen eingeschränkt war“. Über das Alter der Minderjährigen, sagte der Schlierseer selbst, wurde nicht gesprochen.

Angeklagter: „Ich trinke eigentlich jeden Tag eine Kiste Bier und Schnaps.“

Auf die Nachfrage von Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid nach dem Zustand des 37-Jährigen antwortete dieser: „Ich trinke eigentlich jeden Tag eine Kiste Bier und Schnaps.“ Auch am Tattag. Angetrunken sei er schon zum Seeufer des Schliersees gekommen, wo die Party begann. Als die sich in die Wohnung der Mutter des Geburtstagskindes verlagerte, war auch der 37-Jährige noch dabei – ebenso die 15-Jährige. Die schlief auf einer Matratze. Er hätte auf einer Couch schlafen sollen, legte sich allerdings zur Minderjährigen. Dass sich das Mädchen wegen des Mischkonsums aus Alkohol und Drogen zuvor schon mehrmals übergeben hatte, will der 37-Jährige, der auf der Party selbst auch Drogen genommen hatte, nicht mitbekommen haben.

Umarmungen des betrunkenen Mädchens motivieren 37-Jährigen

Vor der Tat hatte das Mädchen den Mann mehrmals umarmt. Das hatte ihn nach eigenen Worten animiert, sexuellen Kontakt zu suchen. „Ich umarme aber ehrlich gesagt jeden, wenn ich betrunken bin“, sagte die Landshuterin in ihrer Zeugenaussage, die per Video im Gerichtssaal abgespielt wurde. Dass der 37-Jährige sich zu ihr auf die Matratze legte, bemerkte die Jugendliche. „Ich wurde wach und bekam mit, wie er mich immer wieder anfasste“, sagte sie. Dass er auch in sie eindrang, „konnte ich aber irgendwie verhindern“. Dem Schlierseer wurde nach eigenen Worten schließlich selbst bewusst, „dass ich das nicht machen sollte“. Also habe er aufgehört. Eines hielt das Mädchen seinem Peiniger zugute: „Ich glaube nicht, dass er wusste, wie alt ich bin, denn darüber haben wir nicht geredet.“

Kein Hinweis auf eingeschränkte Handlungsfähigkeit

Die alles entscheidende Frage war aber, inwiefern und ob der Schlierseer tatsächlich schuldfähig war. Eine Oberärztin (48) eines Münchner Klinikums war dazu als Sachverständige geladen. „Für ihn war es ein üblicher Tag, was den Konsum von Drogen und Alkohol anging“, meinte die Expertin. „Er war zwar alkoholisiert, aber nicht stockbesoffen.“ Ein konkreter Hinweis auf eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit gebe es speziell aus diesem Grund nicht.

Für die Staatsanwältin war die Sache daher klar: Der Schlierseer sei wegen Vergewaltigung zu verurteilen – und zudem wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. „Aufgrund des Mischkonsums hat die Jugendliche es nicht geschafft, sich zu wehren“, so die Juristin. „Sie konnte bei der Tat ihren eigenen Willen nicht mehr äußern.“ Zwei Jahre und zehn Monate Freiheitsstrafe lautete ihr Plädoyer.

Anwalt Kränzlein bezeichnete die Tat als „unglückliches Ende eines feuchtfröhlichen Abends“. Sein Mandant habe sich in seinem Zustand keine Gedanken gemacht, „aber durch einen Geistesblitz mit der Aktion aufgehört“, so der Verteidiger. Auch seien weder Gewalt noch eine Gefahr der Schwangerschaft im Spiel gewesen. Kränzlein bat daher um Milde und forderte eine zweijährige Bewährungsstrafe inklusive einer Therapie.

Späte Reue kommt für Angeklagten zu spät

„Ich würde auch eine stationäre Therapie machen, das Ganze tut mir echt leid“, entschuldigte sich der Schlierseer in seinem Schlusswort. Die gezeigte Einsicht half dem 37-Jährigen aber nicht mehr. Er muss ins Gefängnis – und zwar für zwei Jahre und vier Monate. So lautete das Urteil von Richter Schmid. „Sie haben die Lage ausgenutzt“, konstatierte er. Bei einer Vergewaltigung sei eine Person nicht mehr in der Lage, „einen entgegenstehenden Willen zu bilden“. Und das, so ergänzte der Amtsgerichtsdirektor, sei hier der Fall gewesen.

Philip Hamm

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