Strafgesetzbuch.
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Weil er eine Frau jahrelang terrorisiert hatte, musste sich ein Schlierseer nun vor Gericht verantworten (Symbolbild).

Opfer leidet an Angstzuständen

Schlierseer (61) vor Gericht: Frau mit anonymen Mails terrorisiert

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Weil er einer Fischbachauerin (43) massiv nachgestellt hatte, musste sich nun ein Schlierseer (61) vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten. Das Opfer litt schwer unter den anonymen Belästigungen.

Schliersee – Verteidiger Andreas Leicher gab eingangs eine Erklärung ab. Sein Mandant räume die Vorwürfe vollumfänglich ein. 2015 habe die Geschädigte im Geschäft der Ehefrau seines Mandanten gearbeitet. Damals habe es Pläne gegeben, ihr den Laden gegen Ablöse zu übergeben. Doch dann habe die Angestellte im Dezember 2015 ein eigenes Geschäft in derselben Branche eröffnet, unweit des Ladens ihrer Chefin. Dafür habe sie dieser drei Kolleginnen abgeworben. Auch ein Großteil des Kundenstammes sei übergewechselt. Die Ehefrau habe sowohl menschlich als auch wirtschaftlich schwer darunter gelitten.

Der anonyme Terror begann 2016 und hielt jahrelang an

Im November 2016 begann dann der anonyme Terror. Die 43-Jährige erhielt Nachrichten, die sich anfangs auf geschäftliche Diffamierungen beschränkten. Der Verfasser unterstellte Schwarzarbeit und stichelte, ob Steuerfahndung und Gewerbeaufsicht schon angeklopft hätten. Dann wurden die Inhalte immer massiver. Der Peiniger erklärte, sie jederzeit von seinem Fenster aus zu beobachten, gab Kommentare zu ihrer Kleidung ab und drohte, sie nach Feierabend in der Tiefgarage abzupassen.

2019 sei die Sache „wirklich brutal“ geworden, erinnerte sich ein Ermittler. Das Opfer wurde nun auf unterstem Sprachniveau zu Treffen und verschiedensten Sexualpraktiken aufgefordert. Mehrfach waren Links auf Pornoseiten angehängt. Der Peiniger kommentierte außerdem Fotos der Geschädigten auf deren Facebook-Profil mit sarkastischen Fragen, etwa ob der Grund für ihr schlechtes Aussehen eine Aids-Infektion sei.

Frau leidet an Angstzuständen und Panikattacken

Seit Beginn des Stalkings leide sie an Angstzuständen und Panikattacken, erklärte die 43-Jährige, die auch als Nebenklägerin auftrat. Sie habe sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren können, schließlich sogar Kunden und Freunden misstraut und sich sozial völlig isoliert. Auch ihr Familienleben habe massiv unter der Situation gelitten. Schließlich sei die Ehe zerbrochen. Der Grund für das Zerwürfnis mit ihrer ehemaligen Chefin sei allerdings gewesen, dass diese ihr gekündigt habe.

Fast wöchentlich sei die 43-Jährige völlig verstört bei der Polizei erschienen und habe mehrfach Anzeige erstattet, sagte der Ermittler. Schließlich habe der Täter über ein Facebook-Profil ermittelt werden können. Bei einer Hausdurchsuchung habe er sofort freiwillig ein Geständnis abgelegt. Er habe aus Hass gehandelt. Das drastische Abgleiten in die Sexualsphäre habe er sich rückblickend selbst nicht erklären können. Seine Frau habe von seinen Aktivitäten nichts gewusst.

Peiniger kommt mit einer Bewährungsstrafe davon

Der Schlierseer folgte sichtlich bedrückt der Verhandlung. Eine persönliche Entschuldigung lehnte sein Opfer ab. 5000 Euro Bargeld hatte er als Wiedergutmachung mitgebracht. Der Anwalt der Nebenklage, Max-Josef Hösl, erklärte, der Betrag werde als Anzahlung auf ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro akzeptiert. Schließlich kam der 61-Jährige mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten davon. Er sei, bis dahin völlig unbescholten, auf einmal „völlig ausgerastet“ und habe unglaubliches Elend gesät, hieß es in der Urteilsbegründung des Gerichts.

Stefan Gernböck

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