Im April 2021 soll es wieder losgehen: Dass das Schlierseer Bauerntheater den Neustart-Termin halten kann, will Vorsitzender Florian Reinthaler nicht garantieren. Es hänge von den Auflagen ab. Foto: Thomas Plettenberg
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Im April 2021 soll es wieder losgehen: Dass das Schlierseer Bauerntheater den Neustart-Termin halten kann, will Vorsitzender Florian Reinthaler nicht garantieren. Es hänge von den Auflagen ab.

„In Krisen brauchen wir Theater besonders“

Schlierseer Bauerntheater-Vorsitzender Florian Reinthaler über ein Jahr ohne Auftritte

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Wegen der Corona-Auflagen hatte Florian Reinthaler, Vorsitzender des Schlierseer Bauerntheaters, alle Auftritte des Theaters heuer abgesagt. Er hat das Jahr dennoch genutzt.

Schliersee – Eigentlich wollte Florian Reinthaler (45) derzeit im Kulturherbst auch auf der Bühne stehen. Wegen der Corona-Auflagen hatte der Vorsitzende des Schlierseer Bauerntheaters aber im April alle Auftritte des Theaters heuer abgesagt. Im Gespräch erzählt er, wie er die Zeit genutzt hat und was den Neustart-Termin Ostern 2021 gefährden könnte.

Herr Reinthaler, ein Jahr ohne Theater – wie ist das?

Langweilig. Es fehlt was. Man kann nicht proben, nicht spielen, aber auch nicht zusammen sein. Ein schöner Theaterabend, danach mit Gästen und Schauspielern beim Wirt zusammensitzen, gemeinsam lachen, über Dinge reden. Das Gesellschaftliche wäre gerade jetzt wichtig. In Krisen brauchen wir das Theater besonders.

Ist in der Krise den Menschen die Bedeutung des Theaters stärker bewusst geworden?

Ich denke, ja. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Die Leute haben gesagt: „Ihr packt das.“ Und: „Das Theater geht uns ab.“ Einige haben auch darauf verzichtet, das Geld für ihre Eintrittskarten zurückzuverlangen, um uns zu unterstützen. Das hat mich gefreut, aber es wäre mir natürlich lieber gewesen, wir hätten die Leute unterhalten können. Corona hat die Kulturschaffenden besonders hart getroffen. Darüber wird zu wenig gesprochen.

Wie sicher sind sie, 2021 wie geplant im April loslegen zu können?

Hinterher ist man immer schlauer. Heuer haben wir gedacht, wenn wir nicht Ostern anfangen, fangen wir eben Pfingsten an. Jetzt wissen wir, dass uns Corona noch eine Weile begleiten wird. Deswegen schwingt bei mir immer eine Portion Skepsis mit. Um Ostern anfangen zu können, müssen wir spätestens im Februar mit den Proben starten. Sollte es so sein wie jetzt, mit Auflagen und Infektionen, wird es wohl später werden. Wir haben schließlich auch 90-Jährige dabei.

Das ist Verantwortung.

Ja. Wir müssten selbst bei Proben viele Regeln beachten. Richtige Spielfreude kommt da nicht auf. Ich wünsche mir natürlich, dass wir möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren. Aber das liegt an vielen Faktoren und nicht nur an uns. Karten verkaufen wir deshalb vorerst nicht.

Haben Sie die Pause mit anderen Hobbys ausgeglichen?

Nein. Ich war beruflich gut eingespannt. Außerdem haben wir die Zeit genutzt, um für das 130-jährige Bestehen des Bauerntheaters 2022 Informationen für das Theaterarchiv zusammenzutragen. Wir haben eine Spende mit alten Plakaten, Plänen und Fotos bekommen. Ich war also genauso stark mit dem Bauerntheater beschäftigt, nur eben hinter den Kulissen.

Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Für mich ist die Erkenntnis der Corona-Krise, wie schnell man aus dem Alltag herausgerissen werden kann. Man muss für jeden Tag dankbar sein. Vorher hat man manchmal gedacht: „So viele Feste, wo soll ich noch überall hin?“ Jetzt weiß man, wie sehr man diese Dinge vermisst.

Gibt es ein Ereignis, auf das Sie sich besonders freuen?

Ich freue mich, dass wir den Jahrestag für die Verstorbenen des Schlierseer Bauerntheaters durchführen können. Den machen wir im Oktober trotz Corona, natürlich unter Beachtung der geltenden Hygieneregeln. Danach werden wir uns zusammensetzen, eine gemeinsame Brotzeit machen. Das wird mal wieder Zeit.

In der Reihe

„Wie geht’s..?“ fragen wir bei Persönlichkeiten im Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen CoronaZeiten erleben.

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