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Die Anfänge 1984: Die Kapelle Fürchterlich bei ihrem Auftritt auf dem Hubschrauberstützpunkt des spanischen Militärs.

Sie spielen sogar Rocksongs

Schlierseer Blasmusik wird 25: Darum hieß sie früher „Fürchterlich“

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Wenn sie so geklungen hätte wie ihr Name, wäre die Kapelle Fürchterlich wohl bald wieder verstummt. Doch sie wurde zur Schlierseer Blasmusik - und feiert jetzt ein Jubiläum.

Schliersee – Wenn sie so geklungen hätte wie ihr Name, wäre die Kapelle Fürchterlich wohl bald wieder verstummt. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Was mit Auftritten beim Firstalmfasching begann, gipfelte 1988 in der musikalischen Begleitung des 100-jährigen Jubiläums des Schlierseer Trachtenvereins – und schließlich 1993 in der Gründung der Schlierseer Blasmusik als Verein. Heuer feiert die längst etablierte Kapelle um Dirigent Wolfgang Mundel ihren 25. Geburtstag – selbstverständlich klangvoll und vor großem Publikum auf dem Schlierseer Waldfest.

Die Wurzeln der Blasmusik in der Marktgemeinde reichen über die Ledersberg Musi und später über die Kurkapelle bis Ende des 19. Jahrhunderts zurück. „Fürchterlich“ wurde es aber erst in den 1970er-Jahren. Der spätere Dirigent Hermann Leitner formte aus seinen Turnerfreunden eine Blasmusik für einen lautstarken Einmarsch der Schlierseer Delegation beim Deutschen Turnfest – und legte so den Grundstein für die Kapelle Fürchterlich.

Seit 2002 Dirigent: Wolfgang Mundel spielt auch selbst am Alphorn. 

Auch wenn der Name nicht Programm war: Profis waren die sportlichen Musiker nicht. „Wir haben anfangs ohne Noten gespielt“, erinnert sich Wolfgang Mundel. Das Material der Kurkapelle sei zu schwer gewesen. Jeden Donnerstag trafen sich die 15 bis 20 Männer in der Schmiede am Weinberg zur Probe auf Gartenstühlen. Doch darauf blieben sie nicht kleben.

Über ihr Mitglied Robert Holzmüller, der beim Luftfahrtunternehmen Messerschmitt Bölkow Blohm (MBB) beschäftigt war, kamen die „Fürchterlichen“ 1984 an einen Auftritt bei der Eröffnung einer Hubschrauberbasis des spanischen Militärs in Almagro – und von dort aus zu einem Gastspiel beim Karneval in Ciudad Real. „Da war das Motto Oktoberfest“, erinnert sich Mundel. „Und wir haben den ersten Preis gewonnen.“

Der musikalische Ritterschlag in der Heimat folgte auf dem Fuß. Der Schlierseer Trachtenverein klopfte bei der Kapelle Fürchterlich an, ob diese nicht beim großen Fest zum 100-jährigen Bestehen aufspielen würden. „Da haben wir schon erst mal geschluckt und uns gefragt, ob wir das drauf haben“, erzählt Mundel. Sie hatten es – und waren fortan fest im Ort etabliert. Die Gründung des Vereins Schlierseer Blasmusik 1993 half, das 1300 Stücke umfassende Archiv der später aufgelösten Kurkapelle zu erhalten. Deren damaligen Leiter Hermann Reil sei es wichtig gewesen, die Werke in gute Hände zu legen. „Da sind viele Originale dabei, die es sonst nicht mehr geben würde“, sagt Mundel.

Dieses Erbe lebendig zu halten, hat sich der Dirigent zur Aufgabe gemacht. 2002 übernahm er den Taktstock von Hermann Leitner. Bei aller Begeisterung für die Tradition schaffte es Mundel auch, seine Musiker an neue Facetten heranzuführen. Aushängeschild ist das Format „Schlierseer Blasmusik goes Rock“, mit dem die Kapelle mit Unterstützung von E-Gitarre, E-Bass, Keyboard und Schlagzeug auch Meilensteine von Deep Purple, Tina Turner oder Bon Jovi anstimmt. „Blasmusik kann eine irrsinnige Dynamik entwickeln“, schwärmt der Dirigent. Anders als bei einer klassischen Rockband würde sich bei einem 40-köpfigen Ensemble eine einzigartige „Klangwolke“ bilden.

Gewollter Nebeneffekt der Ausflüge in die Welt des Rock: Die Bläserklasse ist mittlerweile auf stolze 13 Nachwuchsmusiker angewachsen. Zwischen 4500 und 5000 Euro pro Jahr steckt der Verein mit seinem Vorsitzendem Thomas Mühlbauer in die Ausbildung. Dass das Geld gut angelegt ist, zeigen zahlreiche Leistungsabzeichen, die sich die jungen Musiker erspielt haben. Und die Luft ist noch lange nicht raus. Der Dirigent plant bereits, künftig vermehrt Swing-Stücke auf die Notenständer zu klemmen. Wie das klingt? Auf jeden Fall ganz und gar nicht fürchterlich.

Ihr 25-jähriges Bestehen

feiert die Schlierseer Blasmusik gleich doppelt. Am Mittwoch, 15. August, ab 20 Uhr gibt sie bei „Schlierseer Blasmusik goes Rock“ im Waldfestzelt Hits von AC/DC, den Rolling Stones, Queen, Kiss oder Status Quo zum Besten. Karten gibt’s zu Preisen ab 14 Euro bei der Gäste-Info Schliersee und bei München Ticket. Am Sonntag, 19. August, folgt ab 8.30 Uhr der offizielle Festakt mit Gottesdienst am See und musikalischer Unterhaltung im Festzelt.

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