Steht unverändert: Das Holzplateau, das am Schlierseer Hof zum besonderen See-Erlebnis einlädt, sollte eigentlich unverzüglich abgebaut werden.
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Steht unverändert: Das Holzplateau, das am Schlierseer Hof zum besonderen See-Erlebnis einlädt, sollte eigentlich unverzüglich abgebaut werden.

Ungenehmigte Bauwerke am Schlierseer Hof

Erst Baumhaus, jetzt Liegenetze - allmählich wird der Bauausschuss sauer

Das Baumhaus sollte längst weg sein, stattdessen sind schöne Liegenetze über dem Wasser hinzugekommen. Der Gestaltungseifer am Schlierseer Hof war nun erneut Thema im Bauauschuss.

Schliersee – Walter de Alwis ist ein Mann mit Tatendrang. Seit er vor 14 Jahren das Hotel Schlierseer Hof übernahm, hat er viel Arbeit in das Haus direkt am See gesteckt, nicht nur einmal das Konzept geändert und immer wieder baulichen Veränderungen vorgenommen. Mit Letzteren stieß und stößt er allerdings immer wieder an Grenzen. Im Frühjahr murrte der Schlierseer Bauausschuss laut über das vergangene Jahr errichtete Baumhaus, und jetzt geriet de Alwis erneut mit den örtlichen Vorschriften in Konflikt.

Baumhaus steht entgegen der Absprache immer noch

Am Seeufer hatte er eine Steganlage mit Netzen (7,40 mal fünf Meter), die 2,50 Meter in den See hinein ragen, errichtet. Darin können die Gäste über dem Wasser liegen. Wiederum erfolgte der Bauantrag erst auf den Hinweis, dass dies genehmigungspflichtig ist. Und erneut winkte der Bauausschuss ab – diesmal mit dem deutlichen Ausdruck des Missfallens. Die Wortmeldungen reichten von „fader Beigegeschmack“ (Astrid Leitner, CSU) bis „wir lassen uns nicht verarschen“ (Peter Sprenger, Die Schlierseer). Das harte Urteil beruhte insbesondere darauf, dass das Baumhaus mit einem Holzplateau auf etwa drei Metern Höhe immer noch steht. Die sofortige Beseitigung war der Darstellung von Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) im März fest vereinbart. Beim Landratsamt eine Abrissverfügung zu erwirken, darauf hat die Gemeinde verzichtet – bisher.

Walter de Alwis verteidigt sich: „Müssen was tun, um zu überleben.“

Die Bauten stellen einen Verstoß gegen die Festsetzungen des Bebauungsplans dar. Der soll, wie es beim Sachvortrag im Bauausschuss hieß, „die Betriebe auch davor schützen, dass das Seeufer durch unkontrollierte und übermäßige Flächennutzung und Bebauung für Gäste und Touristen unattraktiv wird“. Auf diesen „Schutz“ würde de Alwis gerne verzichten. „Ich habe bestimmt nicht alles richtig gemacht“, räumt er ein. Aber: „Wir müssen was tun, um zu überleben.“ Und der Überlebenskampf im Tourismus ist hart – nicht nur wegen der Corona-Pandemie. „Wir sind komplett angewiesen auf die Sommersaison“, sagt de Alwis. In diesen Monaten müsse das Geld verdient werden, um über den Winter zu kommen. Und beim Werben um Gäste muss man eben auch kreativ werden.

Hotelier kündigt „großes Projekt“ an

Die Voraussetzungen im Schlierseer Hof sind speziell. Mit 46 Zimmern nicht gerade groß und noch dazu ohne eigenen Wellnessbereich. Das fahren sie im nahen Österreich ganz andere Geschütze auf. „Was früher Luxus war, ist heute Standard“, sagt de Alwis. Wegen des fehlenden Ruhebereichs habe er auch das Ayurveda-Konzept, das er acht Jahre lang verfolgt hat, wieder aufgegeben. Um den Schlierseer Hof zukunftssicher aufzustellen, brauche es aber mehr. Ein „großes Projekt“. An dem werde er als nächstes feilen, so de Alwis.

Eigentümer hofft auf Entgegenkommen der Gemeinde

Einstweilen müsse er auf andere Weise attraktiv für Gäste sein. Daher das Baumhaus, das Lounge „Walters am See“ gehört und abends auch für Nicht-Hotelgäste öffnet, und die Liegenetze. Er habe gedacht, dass es hierfür keine Genehmigung braucht, sagt de Alwis. Vom Nein des Bauausschusses ist er schon enttäuscht. Er habe gehofft, dass die Gemeinde die Bauten duldet, den Tourismus im Ort unterstützt. „Da ist doch nichts Schlimmes entstanden. Das sieht ordentlich aus und kommt gut an.“

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