Eröffnete den Gesangsreigen: Bettina Schoeller (stehend). Dirgent Pianist Timm Tzschaschel verwöhnte das Publikum beim Eröffnungskonzert des Kulturherbstes mit einem abwechslungsreichen und humorvollen Programm.
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Eröffnete den Gesangsreigen: Bettina Schoeller (stehend). Dirgent Pianist Timm Tzschaschel verwöhnte das Publikum beim Eröffnungskonzert des Kulturherbstes mit einem abwechslungsreichen und humorvollen Programm.

Umjubeltes Klassik-Eröffnungskonzert

Zum Lauschen, Schwelgen und Seufzen

Schliersee – Der rote und beidseitig illuminierte Teppich vor dem Schlierseer Bauerntheater deutete es bereits an: Da muss heute was Besonderes stattfinden. Und tatsächlich, es wurde inhaltlich eingehalten, was optisch versprochen wurde.

„Viva la musica! Viva la cultura! Endlich dürfen wir wieder – nach zwei Jahren Pause“, freute sich Festivalorganisator Johannes Wegmann in seiner Begrüßung zum Klassik-Eröffnungskonzert am Samstagabend.. Timm Tzschaschel, musikalischer Leiter der Veranstaltung, hatte noch mehr Grund zur Freude, durfte er doch gleich sieben Solistinnen ankündigen, die dem umjubelten Abend zusammen mit dem von ihm geleiteten Orchester ihren musikalischen Stempel aufdrückten.

Musikalische Raffinessen und witzige EInlagen

Tzschaschel gelang es, dem begeisterten Publikum ein zweistündiges Programm zu präsentieren, das gespickt war mit musikalischen Raffinessen und witzigen Einlagen, das eine enorme Bandbreite aufwies und in jeder Darbietung musikalisch hochklassig, stets abwechslungsreich und am Ende heftig beklatscht bis umjubelt war. Das Schlierseer Klassik-Musik-Urgestein dirigierte sein zwölfköpfiges Ensemble bei Beethoven, Schostakowitsch und Offenbach und bei den solistischen Darbietungen souverän vom Klavier aus und führte mit lässig-launigen Ansagen durch das Programm.

Nach einem der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms als instrumentalem Einstieg begann gleich der Reigen der Gesangs-Solistinnen. Bettina Schoeller gab „An die Musik“ von Franz Schubert zum Besten. Die „Drei Schlierseer Nachtigallen“ Andrea Wehrmann, Bärbel Pischetsrieder und Ursula Bommer intonierten Mozarts „Männer suchen stets zu naschen“, Gigi Pfundmair die Ode an die Landeshauptstadt von Ludwig Prell, das „Isarmärchen“, und Sopranistin Elisabeth Artmeier „Ihre Lippen küssen so heiß“ aus Franz Lehárs Operette „Giuditta“, umjubelt und vom Orchesterchef knapp bewundert mit den Worten: „Was die hoch kann!“ Was sie später noch mit einer Arie von Giacomo Puccini bewies: „O mio babbino caro“.

Pianistin besticht mit formidablen Tango-Klängen

Schließlich bestach die junge Pianistin Tessa Catchpole, seit fünf Jahren in Schliersee ansässig und zum ersten Mal dabei, mit formidablen Tango-Klängen. Innig, kraftvoll und mit einem Schuss Melancholie sowie mit hoher Meisterschaft spielte sie „El dia que me quieras“ von Carlos Gardel und eine stimmungsvolle Milonga. Zusammen mit Tzschaschel vierhändig am Piano verblüffte sie noch mit dem ersten „Slawischen Tanz“ von Antonin Dworschak.

Freilich war dieses heitere Festkonzert mit leichter, schwungvoller Klassik auf hohem Niveau und beträchtlichem Ohrwurm-Potenzial nicht nur eine Abfolge von einzelnen Stücken. Immer wieder baute der Orchesterleiter Momente zum Schmunzeln mit ein, etwa als er beim „Seufzerwalzer“ von Johann Strauß das Publikum im Bauerntheater an den passenden Stellen zum Mitseufzen aufforderte, was mit großer Freude angenommen wurde.

Verblüffendes Duett mit vielen schönen Tönen, aber nur einem „Miau“

Die Liste von humorvollen Programmpunkten ließe sich beliebig fortsetzen. Drei Beispiele seien noch gestattet: Die Drei Nachtigallen schenkten sich in „Tea for Two“ gegenseitig Tee ein. „Ich wünsch’ mir zum Geburtstag einen Vorderzahn“, den ihr Freund ihr aus Liebe ausgeschlagen hatte, sang Gigi Pfundmair auf Wienerisch und verblüffte dann noch zusammen mit Bettina Schöller mit dem „Katzenduett“ von Gioacchino Rossini, das aus vielen schönen Tönen, aber nur aus einem Wort bestand: Miau!.

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