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Autoschlange in Schliersee: Wer einen Ausflug in die Marktgemeinde unternimmt, lässt sich nicht von Verbotsschildern stoppen. Diese Erfahrung hat zumindest Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer gemacht. 

Strafzettel nicht teurer als Gebühr in München

Schlierseer sind genervt: Ausflügler scheren sich nicht um Parkverbote

Schliersee zieht Ausflügler geradezu magnetisch an. Und damit regelmäßig jede Menge Verkehr. Diesen Sommer war es so schlimm wie selten zuvor. Guter Rat ist teuer.

Schliersee – Wenn sie fahren können, tun sie das zu schnell. Fahren sie nicht, parken sie rigoros die Gemeinde zu. Ansonsten verstopfen Ausflügler-Autos die Straßen. Schliersee hat ein Verkehrsproblem. Das ist nicht neu, doch im Super-Sommer 2018 war’s so schlimm wie selten. Und das Verhalten der motorisierten Gäste wird immer dreister. Die Gemeinde sucht nun Stellschrauben, an denen sie drehen kann. Eine gewisse Ratlosigkeit ist aber spürbar.

Franz Schnitzenbaumer (CSU) hat es selbst beobachtet: Die Ausflügler scheren sich immer weniger um Verbote. Schliersees Bürgermeister hatte diesen Sommer einmal eine Parküberwacherin getroffen. Den ersten Autofahrer hatte sie noch vom Falschparken abhalten können und weitergeschickt. Der nächste stellte seinen Wagen vor den Augen der Frau ins Parkverbot. Sie solle ihm ruhig einen Zettel an die Windschutzscheibe heften, ließ er die Überwacherin wissen. Er gehe jetzt in die Berge. Angst vor einem Knöllchen hatte er nicht: Falschparken in Schliersee ist auch nicht teurer als legal parken in München.

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„Die Regeln werden bewusst übertreten“, stellt Schnitzenbaumer fest. Somit ist dem Falschparken an sich mittels Parküberwachung nicht mehr beizukommen. Wie der Rathauschef jetzt in der Bürgerversammlung erzählte, kann es sich die Parküberwacherin zu Stoßzeiten leisten, nur die schwereren und somit teureren Parkvergehen zu ahnden. Die Zettel gehen ihr so oder so aus.

Die betroffenen Anwohner sind genervt. Wolfgang Mundel hatte zur Bürgerversammlung daher eine Parkzone für die Carl-Schwarz-Straße beantragt. Dort stellen Besucher des Strandbads gerne ihre Autos ab, was auch die Frage nach dem Stellplatzschlüssel aufwirft. Legt man die Gastrofläche zugrunde, müssten 39 nachgewiesen werden. Im näheren Umfeld summieren sich die öffentlichen Parkplätze auf 140. Doch der Ansatz führt ohnehin in die falsche Richtung. Denn bei schönem Wetter gilt: So viele Parkplätze, wie benötigt würden, kann Schliersee nie und nimmer auftreiben.

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Würden also Parkzonen, in denen nur Anwohner ihre Autos abstellen dürfen, helfen? Schnitzenbaumer meint: Nicht, wenn die Parkmoral wie geschildert schwindet. Ohnehin würde das nur in Wohngebieten helfen, in denen die Bewohner mehr Autos als Stellplätze auf dem eigenen Grundstück haben. Der Gemeinderat werde sich mit dem Thema befassen, kündigte Schnitzenbaumer in der Bürgerversammlung an. „Wo wir definitiv tätig werden müssen, ist das Rettungswegkonzept“, so der Bürgermeister weiter. Wenn Rettungswagen und Feuerwehr nicht mehr durchkämen, sei endgültig Schluss mit lustig. An der Leitnerstraße auf dem Weg zum Schliersberg komme so etwas vor, sagt Schnitzenbaumer.

Bleibt eigentlich nur der Griff zum offenbar einzigen Mittel, das Autofahrern wirklich weh tut: das Abschleppen. Doch da ist Schnitzenbaumer vorsichtig. Zum einen sei das ein Aufwand, den die Gemeinde nicht leisten könne, und rechtliche Hürden gebe es ebenfalls. „Da muss schon ein erheblicher Eingriff in die öffentliche Sicherheit vorliegen.“

Guter Rat ist weiterhin teuer. Das gilt auch bei den Geschwindigkeitsübertretungen. Die waren zuletzt Thema im Gemeinderat. Anwohner der Aurachstraße hatten sich mehr Kontrollen gewünscht. Die kann die Verwaltung, so der knappe Mehrheitsbeschluss (10:9) „der Lage angepasst“ einkaufen. Bisher waren es zwei Stunden im Monat.

Von Daniel Krehl

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