Geschenk vom Bürgermeister: Franz Schnitzenbaumer (r.) überreicht Hans Sinseder ein Erzeugnis heimischer Brennerei-Kunst.
+
Geschenk vom Bürgermeister: Franz Schnitzenbaumer (r.) überreicht Hans Sinseder ein Erzeugnis heimischer Brennerei-Kunst.

Bürokratismus in der Kirche

Schliersees Pfarrer Hans Sinseder: Spezieller Wunsch zum Priesterjubiläum

Schliersee – Ein Vierteljahrhundert ist es her, dass Hans Sinseder zum Priester geweiht wurde. Zum Jubiläum hat der Schlierseer Pfarrer einen besonderen Wunsch.

Vom Ministranten zum Bankkaufmann zum Krankenpfleger zum Pfarrer. 25 Jahre ist es her, dass der Schlierseer Geistliche Hans Sinseder den letzten Part dieses Weges beschritten hat. 1996 weihte ihn Kardinal Wetter im Dom zu Freising zum Priester. Das Jubiläum hat der Pfarrverband Schliersee-Neuhaus nun gefeiert – mit Kirchenverwaltungen, Pfarrgemeinderäten, Ortsvereinen und Bürgermeister. Dem Festgottesdienst mit Diakon Alois Winderl folgte ein – coronabedingt – kleiner Stehempfang.

Pfarrer Sinseder hat seinen Schritt nie bereut

Seinen Schritt, mit 30 Jahren das Spätberufenenseminar anzutreten, so sagt Sinseder, habe er nie bereut. „Für mich bedeutete das eine Steigerung.“ Nach 15 Jahren als Pfarrer in Zolling (Kreis Freising) erfolgte 2015 die Abberufung nach Schliersee. Sein erster Auftritt dort, noch vor seinem eigentlichen Amtsantritt, war das Pfarrfest anlässlich der Sanierung der St. Sixtus Kirche. Ein Meilenstein für die Pfarrei damals. Einen anderen erreichte Schliersee zuletzt mit der Einweihung des „Orts der Erinnerung“, womit die Annaberg-Gedenktafel von der Wand der Weinberg-Kapelle verschwand (wir berichteten). Ein eher weltliche Problemstellung, mit der Sinseder konfrontiert wurde, als er ins Oberland kam. Nicht das, warum sich Menschen für die Seelsorge entscheiden.

Größter beruflicher Wunsch: Ein Verwaltungsleiter für den Pfarrverband

Auch Sinseder würde gerne mehr Zeit in seine Berufung investieren. Und hätte er anlässlich seines Priesterjubiläums einen beruflichen Wunsch frei, es wäre wohl der nach einem Verwaltungsleiter. „Da arbeiten wir seit zwei, drei Jahren dran“, sagt Sinseder. „Als Pfarrer ist man sehr viel mit Bürokratismus konfrontiert.“ Ein Verwaltungsleiter könnte da Abhilfe schaffen, meint der Geistliche. Ein solcher Posten würde noch nicht einmal die Pfarreien vor Ort finanziell belasten, sondern von der Diözese bezahlt, erklärt Sinseder. In anderen Pfarrverbänden gibt es das schon, und nicht zuletzt setzt auch die Erzdiözese München und Freising auf eine Neuorganisation des Personals (wir berichteten). Letztlich liegt die Entscheidung aber bei den Kirchenstiftungen vor Ort, Schliersee wäre Sindeder zufolge bereit, Neuhaus habe er aber noch nicht überzeugen können. „Ich verstehe nicht ganz, warum uns das Ordinariat da nicht mehr Handlungsfreiheit gibt.“

Weiterarbeiten bis 90? „Ich tu mein Bestes.“

Ein paar Jahre hat der Priester noch Zeit, für seine Vorstellung zu werben. 65 Jahre ist Sinseder, in aller Regel werden Pfarrer mit 70 von ihren Aufgaben als Pfarrverbandsleiter entbunden, womit die lästige und zeitaufwendige Bürokratie wegfällt. „Der Kardinal hat mir geschrieben, er erwartet weitere 25 Jahr von mir“, berichtet Sinseder lächelnd. „Aber ob ich mit 90 noch dazu fähig bin?“, fragt der in Dorfen im Kreis Erding aufgewachsene Pfarrer. Aktiv bleiben möchte natürlich schon – zum Beispiel als Seelsorger für Senioren oder auch in Heimen. Dass in einem solchen Alter nicht jeder den Zugang zu Kindern und Jugendlichen findet, ist auch Sinseder klar. Da sind wohl Jüngere gefragt. Was Sinseder unmittelbar zum Thema Nachwuchs bringt. Zuletzt war er bei einer Primiz zu Gast in seiner früheren Pfarrei – einer seiner Ministranten war zum Priester geweiht worden. „Ein sehr schönes Ereignis.“

Doch die Hiobsbotschaft folgte sogleich. Die jungen Männer des Priesterseminars berichteten ihm, dass es nächstes Jahr in der Erzdiözese keine Priesterweihe wird gegeben können. „Seit ich zurückdenken kann, hat es das nicht gegeben.“ Außer 1995, da aber lag es daran, dass der Pastoralkurs um ein Jahr verlängert wurde. Im Jahr darauf wurden zwölf Priester geweiht. Einer davon: Hans Sinseder.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare