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Gefällt’s? Die Vernissage der Ausstellung „Bauen im ländlichen Raum“ in der Vitalwelt lockte das Fachpublikum zahlreich an – Ex-Bürgermeister Toni Scherer (vorne links) etwa, der ein Modell bewertet, das die Achse Bahnhofstraße-See betont. Die anderen Entwürfe orientieren sich eher an der Achse altes Schulhaus-Bahnhof.

Jung-Architekten legen Arbeiten vor

Schöner Wohnen in Schliersee: Wie klappt‘s? 

Eine Fülle von Anregungen zum Gestaltung der Ortsmitte in Schliersee ist nun in der Vitalwelt ausgestellt. Die Bevölkerung ist eingeladen mitzureden.

Schliersee – So billig kommt Schliersee wohl nicht noch einmal an qualitätsvolle Vorschläge zur Entwicklung der Ortsmitte. Sieben Entwürfe von angehenden Architekten sind derzeit in der Vitalwelt ausgestellt. Es sind Versuche, einen (scheinbaren) Widerspruch aufzulösen. Als geplante Entwicklung nachzustellen, was sonst 100 Jahre oder mehr braucht, um aus sich heraus zu wachsen: das Dorf. Dass die Arbeiten auch unter dem verbreiteten Diktat der Nachverdichtung standen, hat die Sache sicher nicht einfacher gemacht. Wird dicht gebaut, fehlt es oft an Privatsphäre, und das passt nicht unbedingt zur Intimität und Individualität, die Landbewohner suchen, „gleichzeitig aber auch Gemeinschaft und Identität, beispielsweise in Form von guter Nachbarschaft“, wie es die Studentin Isabel Rosenbaum ausdrückt. Die zentrale Frage formulierte Mauritz Lüps vom Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruktion an der TU München so: „Wie bauen wir eigentlich Heimat?“

Willkommen: Die Gäste wurden begrüßt von (v.r.) Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer sowie Mauritz Lüps und Professor Florian Nagler von der TU München.

Die eine, solitäre Antwort liefern die Jung-Architekten natürlich nicht. Ein paar gemeinsame Ansätze scheinen die Entwürfe aber zu durchdringen. Erstens: Dörflicher Raum ist autofrei. Das werden die Schlierseer aus ihren Erfahrungen mit der Bundesstraße sicher unterstreichen. Vielmehr zeichnet sich dörflicher Charakter durch „kleinteilige Durchwegung, Brunnen und kleine Plätze“ aus. Das hatte sich Kevin Kraus für seinen Entwurf auf die Fahnen geschrieben. Heißt auch: Mit Häusern in Reih’ und Glied ist ein lebenswerter Dorfkern nicht zu haben. Fast schon kreuz und quer, gern auch versetzt stehen die Häuser in den Entwürfen auf dem überplanten Gelände. Das erstreckt sich zwischen Bahnhof- und Perfall-/Gartenstraße von der alten Schule/Heimatmuseum bis zum Bahnhof. Apropos alte Schule: Obgleich es dahingehend keine Vorgaben gab, haben alle Jung-Planer das Gebäude in ihren Entwürfen nicht angerührt. Meist sehen sie es zusammen mit Kindergarten/Heimatmuseum und der traditionellen Wirtschaft Haus Wendelstein als Umfeld für einen heimeligen Dorfplatz, treffen hier doch schon jetzt öffentliche Nutzungen aufeinander. In manchem Entwurf sind dieser Konstellation Dinge wie Markthalle, Brauerei oder Café beigesellt.

Nun sind die Bürger eingeladen, bei der Entwicklung einer Ortsmitte mitzureden. Geplant ist eine öffentliche Diskussionsrunde am 8. März. Im Vorfeld sollen die Bürger Anregungen einbringen können. Die Modelle und Projekttafeln in der Vitalwelt können werktags von 8.30 bis 18 Uhr und am Wochenende von 9 bis 13 Uhr besichtigt werden.

Was bei der Vernissage noch fehlte, waren die Entwürfe der drei heimischen Architekten Gerhard Krogoll, Heinz Blees und Johannes Wegmann. Dies werde nachgeholt, versprach Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer auf Anfrage bei der Vernissage. Die Eröffnung der Ausstellung, besucht vom „Who’s Who der Bauschaffenden im Landkreis“, so Schnitzenbaumer, sei den Studenten-Entwürfen vorbehalten gewesen. Schließlich sei die Ausstellung auch von der TU konzipiert.

Ausstellung auch in Wörnsmühl geplant

Neben den Entwürfen für Schliersee sind in der Vitalwelt auch sieben Modelle zu einer möglichen Bebauung in Wörnsmühl zu sehen. Der wesentliche Unterschied neben den örtlichen baulichen Gegebenheiten (Fassaden, Dachformen, etc.): In dem Fischbachauer Ortsteil galt es, eine unbebaute Wiese zwischen Staatsstraße 2077und Leitzach/Kirche planerisch zu gestalten. Damit würde die Zersplitterung des Orts an dieser Stelle beseitigt, das Dorf zusammengeführt. In Schliersee lag das Augenmerk viel stärker auf dem Thema Ortsmitte.

Vorschläge für Wörnsmühl: Sie sollen auch in Fischbachau zu sehen sein.

Beide Aufgaben sind reizvoll, wie Professor Florian Nagler vom Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren bei der Vernissage bekräftigte. Bauen im ländlichen Raum sei ein hochinteressantes Thema, „das aber an den Hochschulen in Deutschland nicht sonderlich intensiv behandelt wird“. Für ihn und sein wissenschaftliches Team gehe es vor allem darum, zu lernen. Der Wörnsmühl betreffende Teil der Ausstellung soll – so der Wunsch unter anderem von Kreisbaumeister Werner Pawlovsky – auch in Fischbachau gezeigt werden.

Daniel Krehl

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