+
Ein Platz für Ruhe und Erholung - und offenbar möglichst ohne Kinder: der Schlierseer Kurpark.

Münchner von Szene in Kurpark geschockt

Security scheucht Kinder vom Schliersee weg - weil sie stören

Wieder Stress im Schlierseer Kurpark: Münchner beobachten, wie die Security Kinder wegscheucht, weil diese „das Landschaftsbild stören“. Die Gemeinde wiegelt erstmal ab.

Schliersee – Juri Wostal sitzt in München im Bezirksausschuss 19 und ist dort Jugendbeauftragter. Den Umgang mit Jugendlichen und Kindern, wie er ihn jetzt im Schlierseer Kurpark erlebte, befremdet den Grünen-Politiker so sehr, dass er sich schriftlich im Rathaus beschwerte. Ja einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz will er erkannt haben.

Das war geschehen: Mit einer Gruppe Jugendlicher war Wostal vom Tegernsee an den Schliersee gewandert. Im Kurpark sorgten gerade zwei Frauen für Ordnung, verwiesen einen jungen Mann „recht rüde“ von der Wiese und „scheuchten“ Menschen aus dem Wasser. Bekanntlich ist Lagern, etwa auf Handtüchern, und Baden im Kurpark verboten. Wostal stellte die Frauen zur Rede und bekam eigenen Aussagen zufolge unter anderem die Auskunft: „Die Kinder würden das Landschaftsbild stören.“ Spätestens da fiel der Grüne vom Glauben ab. In seinem Brief an Rathaus, Gemeinde sowie Landrat und Parteifreund („Hallo Wolfgang“) schreibt er wörtlich: „Was ist denn das von der Gemeinde vorgeschriebene Landschaftsbild, in das man sich einfügen muss, keine Kinder, keine bunten Handtücher, morgen eventuell keine dunkelhäutigen Menschen, oder nur Menschen mit gewissen Körpermaßen?“

Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) wurde am Dienstagabend im Gemeinderat mit dem Schreiben konfrontiert, wollte aber noch keine Stellungnahme dazu abgeben, da er es nicht kannte. Tags darauf hat er es gelesen und leicht kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen. „Wir haben eine Kurparkordnung, die gilt für alle.“ Da müsse man nicht die „große Keule“ Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz schwingen. Es gebe eben unterschiedlichen Erholungsbedarf. Der Kurpark sei für jene da, die Ruhe und Erholung wollen. Badeplätze gebe es genug rund um den See.

Bleibt aber die seltsame Auskunft, Kinder würden das Landschaftsbild stören. Das sei so natürlich Unsinn, beteuert Schnitzenbaumer. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass die Oberland Security aus Hausham, die im Kurpark patrouilliert, einen solchen Auftritt hinlege. Das Unternehmen sei landauf, landab geschätzt und unter anderem auch auf dem Oktoberfest aktiv. „Freundlich, aber bestimmt“, beschreibt der Bürgermeister den Stil. „Wir hatten da noch nie eine solche Beschwerde.“

Des Rätsels Lösung könnte sein, dass am besagten Sonntag gar nicht die Oberland Security vor Ort war, sondern ein zweites Unternehmen. Wie berichtet, wollte die Gemeinde den Auftrag im Zuge eines drastisch verschärften Bußgeldkatalogs erweitern, doch die Haushamer hatten keine Kapazitäten mehr frei. Das Ordnungsamt Schliersee war ermächtigt, gegebenenfalls eine andere Firma mit den Zusatzstunden zu beauftragen. Das ist so passiert, war aber noch nicht auf Schnitzenbaumers Tisch gelandet. Mit der Sicherheits-Firma werde nun das Gespräch gesucht, kündigt Schnitzenbaumer an. Vorher möchte er kein abschließendes Urteil fällen.

Was Schliersee auf gar keinen Fall will, ist – soviel ist klar – als kinderfeindlicher Urlaubsort dastehen. Der Kurpark freilich bleibt jenen vorbehalten, die Ruhe und Erholung suchen, egal ob Jung oder Alt.

Daniel Krehl

Lesen Sie auch: An diesem Strand am Schliersee herrscht Badeverbot - interessiert aber keinen.

Und unsere Glosse zum Thema Regeln in der Urlaubsregion Schliersee und Tegernsee: Warum wir eine Touristenwacht brauchen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hier geht drei Monate lang nichts
Jetzt ist sie dran: Die Brücke über den Ostergraben in Schliersee wird erneuert. Das hat eine monatelange Umleitung zur Folge.
Hier geht drei Monate lang nichts
Bundesstraße nach Verkehrsunfall gesperrt
Drei Leichtverletzte hat ein Unfall am späten Mittwochnachmittag in Wendling bei Irschenberg gefordert. Die Bundesstraße musste gesperrt werden.
Bundesstraße nach Verkehrsunfall gesperrt
Was treibt eine Schlierseerin in die Arktis?
Die Schlierseerin Birgit Lutz hat Grönland bereist. Ihr Ziel war aber nicht die pure Einsamkeit - im Gegenteil: Sie wollte Menschen kennenlernen. Ihre Geschichte gibt‘s …
Was treibt eine Schlierseerin in die Arktis?
Gmunder und Unbekannter fahren sich gegenseitig Spiegel ab - und fahren weiter
Eine sonderbare Szene spielte sich bereits am Montagabend im Gemeindegebiet Fischbachau ab: Zwei Fahrer trafen sich unschön auf der Straße. Jetzt sucht ein Gmunder nach …
Gmunder und Unbekannter fahren sich gegenseitig Spiegel ab - und fahren weiter

Kommentare