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Es ist angerichtet: Die Erschließung für das Baugebiet an der Seestraße in Schliersee ist abgeschlossen. Statt fünf Einfamilienhäusern sollen hier nun Mehrfamilienhäuser mit bezahlbaren Mietwohnungen entstehen. 

Zu wenig Interessenten für Einfamilienhäuser

Baugebiet Seestraße: Gemeinderat schwenkt auf kommunalen Wohnungsbau um

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Überraschende Kehrtwende beim Baugebiet Seestraße in Schliersee: Der Gemeinderat setzt auf einen Neustart: kommunaler Wohnungsbau statt Einfamilienhäuser.

Schliersee – Seine Kämmerin werde nicht begeistert sein, räumte Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) ein. Waren doch die Erlöse aus dem Verkauf der fünf Baugrundstücke an der Seestraße fest in der Finanzplanung einkalkuliert. Diese Einnahme wird die Gemeinde nun doch nicht verbuchen. Der Grund: Sie bebaut das Areal selbst. Allerdings nicht wie ursprünglich vorgesehen mit Einfamilien-, sondern mit Mehrfamilienhäusern im kommunalen Wohnungsbau. „Geben wir uns diesen Ruck“, empfahl Schnitzenbaumer im Gemeinderat. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Die Antwort des Gremiums war klar: begeistertes Klopfen auf den Ratstisch.

Es ist nicht die erste Wendung, die auf besagter Fläche an der Seestraße vollzogen wird. Wie berichtet, wollte dort ursprünglich die Firma Sixtus eine neue Produktionsstätte mit Erlebniswelt bauen. Das Projekt scheitere im Bürgerentscheid. Um dem Votum der Schlierseer gerecht zu werden, entschied sich der Gemeinderat, Baugrundstücke für Einheimische auszuweisen. Etliche Bewerber meldeten sich, anhand eines Punktesystems wurden fünf ausgewählt.

Doch sie mussten warten. Die Erschließung mit Strom, Wasser, Kanal und Zufahrt zog sich hin. Bekanntlich hob die Gemeinde die erste Ausschreibung auf, nachdem wegen den Boom in der Baubranche nur deutlich überteuerte Angebote eingegangen waren. „Das hätten wir letztlich an die Bauwerber weitergeben müssen“, begründet der Rathauschef die Entscheidung. Tatsächlich zahlte sich die Zeitverzögerung aus. Im zweiten Anlauf habe man ein Angebot von etwas mehr als 400 000 Euro und damit innerhalb des wirtschaftlich vertretbaren Rahmens bekommen.

Lesen Sie auch: Baugebiet an der Seestraße: 25 Bewerber für fünf Grundstücke

Mittlerweile ist die Erschließung fertig, doch die Gemeinde hat ein neues Problem: Keiner der fünf ausgewählten Bewerber hat mehr Interesse, an der Seestraße ein Haus zu bauen. „Sie haben sich mittlerweile alle anderweitig versorgt“, erklärte Schnitzenbaumer im Gemeinderat. Auch die anderen Namen auf der Warteliste hätten sich spürbar ausgedünnt. Eigentlich ja eine gute Nachricht. Alternative wäre nun ein Neustart des kompletten Verfahrens. Davon riet der Rathauschef aber ab – und empfahl stattdessen kommunalen Wohnungsbau.

Zwei bis drei Mehrfamilienhäuser seien denkbar, informiert der Bürgermeister. Die Zuschnitte der Wohnungen sollen sich vom Ein-Zimmer-Apartment für Alleinstehende bis zu Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Familien bewegen. „Ein guter Mix“, so Schnitzenbaumer. Durch die hohen Zuschüsse könne man diese günstig vermieten. Damit sei viel mehr Schlierseern geholfen als mit fünf Einfamilienhäusern, die inklusive allem wohl mehr als 800 000 Euro kosten würden.

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Einstimmig beauftragten die Gemeinderäte die Verwaltung, die notwendige Änderung des Bebauungsplans vorzubereiten. Baubeginn könnte schon im Frühjahr 2020 sein, bezugsfertig wären die Wohnungen dann Anfang 2021, teilt Schnitzenbaumer auf Nachfrage mit.

Die Gemeinderäte waren voll des Lobes für die Entscheidung. Als „überragenden Vorschlag“ bezeichnete Florian Zeindl (CSU) den Vorstoß. Man schaffe Wohnraum „für alle Normalsterblichen, die sich kein Haus mehr leisten können“, und erzeuge gleichzeitig noch einen bleibenden Vermögenswert für die Gemeinde. Gerhard Waas (Grüne) begrüßte, dass man – anders als bei einem Verkauf der Grundstücke – nicht zur Submission gezwungen sei. „Damit wären wir selbst zum Treiber der Preisspirale geworden.

Michael Dürr (PWG) erinnerte, dass die jetzige Vorgehensweise bereits von den Initiatoren des Bürgerbegehrens gewünscht wurde. Er begrüße die Entscheidung also. Auch wenn wir es schon früher hätten machen können.“

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