Bald in neuen Händen? Die Übernahmeverhandlungen für die Seniorenresidenz Schliersee laufen laut dem aktuellen Betreiber auf Hochtouren (Archivbild).
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Bald in neuen Händen? Die Übernahmeverhandlungen für die Seniorenresidenz Schliersee laufen laut dem aktuellen Betreiber auf Hochtouren (Archivbild).

Nach Vertragskündigung

Seniorenresidenz Schliersee: Betreiber verhandelt nach eigenen Angaben mit Nachfolger

Der Betreiber der in die Schlagzeilen geratenen Seniorenresidenz Schliersee zieht sich zurück. Die Schließung des Seniorenheims solle aber noch abgewendet werden: durch eine Übergabe.

Schliersee – Der Schritt hat sich abgezeichnet, nun herrscht Gewissheit: Die S.O. Nursing Homes GmbH, aktuelle Betreibergesellschaft der Seniorenresidenz Schliersee, gibt ihren Standort im Oberland auf. „Derzeit laufen mehrere Verhandlungen über eine mögliche Übernahme an einen anderen Betreiber, von denen eine bereits sehr weit fortgeschritten ist“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens vom Mittwochnachmittag. Und weiter: „Diese Lösung würde die lückenlose Kontinuität des Pflegeheims gewährleisten.“

Heißt: Eine Schließung der Einrichtung soll noch abgewendet werden. Diese war im Raum gestanden, weil die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassen (Arge) dem Heim den Versorgungsvertrag zum 30. September gekündigt hatte. Im Ergebnis wäre ein wirtschaftlicher Betrieb ausgeschlossen – er dürfte angesichts der gesunkenen Bewohnerzahlen schon länger nur schwer möglich gewesen sein.

Kündigung durch Arge „bedauern wir sehr“

Die Kündigung des Versorgungsvertrags durch die Arge „bedauern wir sehr“, heißt es seitens der S.O. Nursing GmbH, einem Tochterunternehmen des italienischen Pflegekonzerns Sereni Orizzonti, der das Heim 2019 übernommen hatte. Mit den Behörden würde man zusammenarbeiten, „damit möglichst keine negativen Auswirkungen für die uns anvertrauten betagten Menschen und unsere Mitarbeiter eintreten“.

Die Reaktion des Heimbetreibers auf die Vertragskündigung war am Montag noch unklar gewesen. Im Raum stand eine Klage. Nun also doch der Schlussstrich und die angestrebte Übergabe an einen anderen Betreiber. „Sollte diese Option wider Erwarten nicht zu einem schnellen Ergebnis führen, werden wir allen Bewohnern eine alternative Lösung in einer anderen Einrichtung anbieten“, heißt es weiter.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdacht der Körperverletzung

Die Seniorenresidenz war wegen eines Corona-Ausbruchs und des Vorwurfs schwerer Pflegemängel in die Schlagzeilen geraten, woraufhin das Landratsamt einen Aufnahmestopp verhängte, der auch gerichtlich bestätigt wurde. Auch die Kündigung der Arge erfolgte wegen schwerwiegender Risiken und Defizite bei den Qualitätsprüfungen.

Wie aussichtsreich das Übergabe-Bestreben – und damit der Fortbestand der Einrichtung – tatsächlich ist, ließ sich am Mittwochnachmittag nicht mehr eruieren.

Weiter am Laufen sind derweil die staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Abrechnungsbetrugs und des Verdachts auf Körperverletzungsdelikte bei 88 Bewohnern. Auch 17 Todesfälle werden untersucht.

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dak

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