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Seniorenresidenz Schliersee: Alle Senioren in neuen Heimen untergebracht

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Von: Christian Masengarb

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Das Ende naht: Morgen stellt SO Nursing Homes seinen Betrieb in der Seniorenresidenz Schliersee ein. Nicht alle Betreuer haben sich um Plätze für die ihnen anvertrauten Senioren gekümmert.  
Das Ende naht: Morgen stellt SO Nursing Homes seinen Betrieb in der Seniorenresidenz Schliersee ein. Nicht alle Betreuer haben sich um Plätze für die ihnen anvertrauten Senioren gekümmert.   © Thomas Plettenberg

Donnerstag wird die Seniorenresidenz Schliersee ihren Betrieb einstellen. Betreuer und Angehörige einiger Bewohner hatten sich zunächst nicht um neue Plätze gekümmert. Nun gibt es Entwarnung.

Update Mittwoch, 29. September, 13.45 Uhr: Alle Senioren untergebracht

Entwarnung in der Seniorenresidenz Schliersee Laut Landratsamt haben sich am Mittwoch auch die letzten Betreuer der dort untergebrachten Senioren bei der Heimaufsicht gemeldet und den ihnen anvertrauten Bewohnern neue Unterkünfte organisiert. Wie berichtet, waren fünf Betreuer zuletzt noch nicht aktiv geworden, obwohl das Heim heute seinen Betrieb endgültig einstellt. Die Bewohner wären daher wohl in das Pflegeheim des Seniorenresidenz-Betreibers SO Nursing Homes nach Augsburg verlegt worden. Die Behörde hatte daher dringend an die Betreuer appelliert, schnell aktiv zu werden. Landratsamt, VdK und Pflegekassen könnten helfen, die Senioren in näher gelegenen Heimen unterzubringen, sonst behalte sie sich rechtliche Schritte gegen die Betreuer vor. Diese wurden nun aktiv. Auch die Termine der letzten Umzüge stehen nun fest.

Original-Artikel vom 28. September: Einige Betreuer lassen Bewohner im Stich

Landkreis – Für fünf Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee wird die Zeit knapp: 33 Menschen lebten laut Landratsamt vergangene Woche noch im Heim. 28 von ihnen zögen bis zu dessen angekündigter Schließung am Donnerstag in andere Unterkünfte um. Die Termine stehen fest, die Transporte bereit. Doch die Betreuer jener fünf Bewohner, sagt eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage unserer Zeitung, hätten „keine Anstalten“ gemacht, sich um ein neues Heim zu kümmern. „Irritierend“ sei das.

Mehr zum Thema: Schliersees Bürgermeister Schnitzenbaumer über Seniorenresidenz: „Ich bin froh, dass die Situation geklärt ist“

Seniorenresidenz Schliersee Zeit für Verlegung der Bewohner drängt, doch einige Betreuer unternehmen nichts

Die Zeit für einen Verlegungsplan drängt, weil die Seniorenresidenz am Donnerstag ihren Betrieb einstellt. Bis dahin müssen alle Bewohner verlegt worden sein. Ein riskantes Unterfangen, denn nach Expertenschätzungen könnte bis zu ein Drittel der oft dementen, hochbetagten Senioren den Verlust der gewohnten Umgebung nicht überleben.

VdK, Pflegekassen und Landratsamt haben durch Unterstützung beim Umzug das Risiko bei allen bisherigen Verlegungen zumindest etwas gesenkt, indem sie die Bewohner in nahe gelegenen Heimen untergebracht haben. Der weitest entfernte wohnt laut Landratsamt nun am südlichen Münchner Stadtrand. Das erleichtert Besuche und Umstellung. Laut Landratsamt mussten die Betreuer dafür nur noch zum Telefon greifen und eine der vorbereiteten Nummern von nahen Heimen mit freien Plätzen wählen.

Den fünf Bewohnern, deren Betreuer das bislang nicht getan haben, droht eine weitere Reise: Suchen die Betreuer ihnen keinen anderen Platz, wird Seniorenresidenz-Betreiber SO Nursing Homes die Menschen laut Landratsamt wohl in sein Augsburger Heim verlegen. Es steht ebenfalls wegen Pflegemängeln in der Kritik. Über die Bezahlung müssten sich Betreuer und Betreiber zivilrechtlich einigen – es droht zusätzlicher Streit.

Fest steht derweil: Nimmt SO Nursing Homes einige Bewohner nicht mit nach Augsburg, lägen im Landratsamt Notfallpläne für alle Senioren bereit, um deren Verlegung selbst zu übernehmen, sagt eine Sprecherin. Diese Pläne dürfe die Behörde aber nur in Ausnahmesituationen einsetzen. Erste Option bleibt der Umzug nach Augsburg mitsamt der damit verbundenen Risiken.

Deswegen, sagt die Landratsamt-Sprecherin, sollten sich die Betreuer rechtzeitig um eine geordnete Verlegung kümmern. „Wir appellieren daher an die Angehörigen und Betreuer der letzten fünf Bewohner: Bitte kümmern Sie sich sofort um eine alternative Unterbringung!“ Tun sie das nicht, behalte sich die Behörde „rechtliche Schritte“ vor.

Die Situation wirft erneut ein schlechtes Licht auf die Rolle einiger Betreuer im Skandal um die Seniorenresidenz Schliersee. Das Landratsamt hatte bereits mehrfach Betreuern eine Mitschuld an der Lage dort gegeben, weil diese unangekündigten Kontrollen der ihnen anvertrauten Senioren häufig nur mit enormer Verspätung zustimmten. Das habe dem Heim Zeit gegeben, Bewohner herzurichten und Versäumnisse nachzuholen. Effektive Kontrollen seien so unmöglich gewesen. Die Sprecherin der Behörde betonte nun wieder: Das Thema Betreuer sei „nicht neu“.

Seniorenresidenz-Gebäude: Zukunft unsicher – Schliersee erwartet wohl ein Bauzaun

Die Zukunft des Gebäudes der Seniorenresidenz Schliersee ist weiter offen. Seniorenresidenz-Betreiber SO Nursing Homes hatte das Haus gepachtet. Interessenten, die den Pachtvertrag übernehmen und in Schliersee weiter ein Pflegeheim betreiben wollten, gab es zuletzt zwar. Eine Handvoll Unternehmen hätten Landrat Olaf von Löwis (CSU) gebeten, Kontakt zum bisherigen Betreiber SO Nursing Homes herzustellen oder abgerissenen Kontakt erneut zu vermitteln, sagt eine Landratsamt-Sprecherin. Das könne die Behörde aber nicht leisten, weil – symptomatisch für die Lage – ihr eigener Draht zum SO Nursing Homes-Management abgerissen sei.

Die Aussage des Landratsamts deckt sich mit Stellungnahmen anderer Beteiligter, nach denen eine nahtlose Übernahme der Seniorenresidenz an der schlechten Kommunikation mit dem Betreiber gescheitert sei. SO Nursing Homes habe außerdem Personal, Einrichtung und Bewohner in das SO-Heim nach Augsburg abgezogen, was die Seniorenresidenz unattraktiv machte. Die Firma selbst hatte das stets abgestritten.

Inzwischen ist eine nahtlose Übernahme hinfällig und SO Nursing Homes damit außen vor. Das verkompliziert die Lage weiter. Ein neues Heim aufzubauen, Bewohner und Personal zu suchen, dauere ein Jahr, schätzen Experten – Aufwand und Kosten, die Interessenten verschrecken. Hinzu kommt: Das Landratsamt äußert „große Bedenken“, ob in dem Gebäude eine Pflegeeinrichtung betrieben werden kann. Die Behörde werde daher nicht aktiv nach einem neuen Betreiber suchen. Kenner bescheinigen dem Haus Sanierungsbedarf von über einer Million Euro – eine weitere Hürde.

Offen ist auch, ob der Eigentümer im Gebäude weiter ein Heim betreiben will. Kontakt mit ihm hatte das Landratsamt noch nicht. Klar scheint nur: Ob der Eigentümer sanieren, umnutzen oder verkaufen will, Schliersee erwartet ein Bauzaun in Bestlage. So wie das Haus dasteht, kann es nicht bleiben.

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