Die Seniorenresistenz in Schliersee
+
In der Schlierseer Seniorenresidenz ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe sind gravierend.

„Pflegemängel gab es nicht“

Seniorenresidenz Schliersee: Heim weist Vorwürfe zurück – Politiker fordern Schließung

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
    schließen

Die Seniorenresidenz Schliersee bleibt in den Schlagzeilen: Während die Einrichtung Berichte über Missstände zurückweißt, fordern Politiker ihre Schließung. 

Schliersee – Die Seniorenresidenz Schliersee hat Berichte über Missstände im Pflegeheim zurückgewiesen. „Die vom Bayerischen Rundfunk behaupteten Pflegemängel gab es nicht und wurden auch nicht seitens der Behörden festgestellt“, schreibt Einrichtungsleiter Robert Jekel in Reaktion auf im BR berichtete Mängel, über die zuvor auch unsere Zeitung berichtet hatte. „Wir weisen die Vorwürfe energisch zurück.“

Eine ehemaliger Manager berichtet: Seniorenresidenz Schliersee: Wieder schwere Vorwürfe gegen Einrichtung

Seniorenresidenz Schliersee: Heim weist Vorwürfe zurück – Politiker fordern Schließung

Die Seniorenresidenz greift in der Pressemeldung einen der Hauptinformanten unserer Zeitung und des BR an: Gegen Siro Bona, den ehemaligen Prokuristen des Heim-Betreibers, habe sie Anzeige wegen Unterschlagung erlassen. Bona hatte, wie weitere ehemalige Angestellte, unter anderem von Sparzwang, vernachlässigten Bewohnern und unqualifiziertem Personal berichtet. Das Geld, das er laut Einrichtung unterschlagen haben soll, will er für die Pflege der Patienten verwendet haben. Das habe dem Betreiber missfallen.

Die Seniorenresidenz weist die Schuld auch mit der Begründung von sich, die Staatsanwaltschaft ermittle ausschließlich gegen vier Einzelpersonen wegen des Corona-Ausbruchs im Heim Ende April. Probleme seien die „persönliche Verantwortung“ dieser vier Menschen.

Lesen Sie auch: Seniorenresidenz Schliersee: Trotz Übergriff keine Konsequenzen

Die Staatsanwaltschaft hat bestätigt, wegen Körperverletzung bei 88 Bewohnern zu ermitteln. Dabei geht es offenbar nicht nur um Corona – auch von verwahrlosten und unterernährten Bewohnern ist die Rede. Außerdem untersucht die Staatsanwaltschaft 17 Todesfälle. Eine Anklage sei wahrscheinlich.

Derweil gewinnt das Thema Seniorenresidenz politischen Einfluss: Die SPD Miesbach hat im Internet Einrichtungen aufgelistet, gegen die Behörden wegen Pflegemängel vorgegangen sind: Darunter ist die Seniorenresidenz Inzell, deren Betreiber früher auch das Schlierseer Heim unterhielt. Das Landratsamt Traunstein hatte die Inzeller Residenz 2011 geschlossen und eine Klage des Betreibers abgewehrt. „Es ist offenbar möglich, bei gravierenden Mängeln eine Einrichtung zu schließen“, folgert die SPD. „Warum ist dies bei der Schlierseer Seniorenresidenz nicht längst erfolgt?“ Auch Erich Utz, für Die Linke Bundestagskandidat im Wahlkreis, fordert Landrat Olaf von Löwis auf, die Seniorenresidenz zu schließen.

Löwis hat mehrfach Sympathie für eine Schließung durchblicken lassen, aber fehlende Handhabe beklagt. Das Landratsamt müsse eine Gefahr für Leib und Leben der Bewohner nachweisen. Verwahrlosung reiche nicht. Daher habe die Heimaufsicht nur unterstützend arbeiten dürfen und nach jedem der beiden Betreiberwechsel der seit 2016 von vorne anfangen müssen. Löwis fordert, eine Schließung früher anordnen zu dürfen. Schnelle Trägerwechsel seien ein beliebtes Instrument, Verantwortlichkeiten zu verschleiern, bestätigt die Stiftung Patientenschutz.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare