Ermittlungen abwarten: Das Landratsamt sieht derzeit keine Beweise für eine Mitschuld der Seniorenresidenz Schliersee am Angriff auf eine Bewohnerin. Für Maßnahmen sei es deswegen zu früh.
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Ermittlungen abwarten: Das Landratsamt sieht derzeit keine Beweise für eine Mitschuld der Seniorenresidenz Schliersee am Angriff auf eine Bewohnerin. Für Maßnahmen sei es deswegen zu früh.

Nach Angriff auf Seniorin

Seniorenresidenz Schliersee: Trotz Übergriff keine Konsequenzen

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Ein Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee hat eine Mitbewohnerin schwer verletzt. Das Landratsamt erfuhr noch am selben Tag von dem Vorfall. Dennoch bescheinigt es der Einrichtung Fortschritte und zieht vorerst keine Konsequenzen.

Schliersee – Als unsere Zeitung das Landratsamt am 28. Juli nach der Lage in der Seniorenresidenz Schliersee fragte, war der Öffentlichkeit nicht bekannt, dass dort drei Tage zuvor ein 87-Jähriger eine 85-Jährige schwer verletzt und womöglich vergewaltigt haben soll (siehe Bayernteil) – die Behörde schon. Sie erfuhr davon laut eigener Auskunft noch am Tag des Vorfalls.

Auf unsere Anfrage antwortete das Landratsamt: Es kontrolliere das Heim weiter mehrmals pro Woche unangekündigt. „Viele Auflagen werden bereits eingehalten, bei einigen besteht jedoch noch deutlicher Verbesserungsbedarf.“ Klar sei: Bei Mängeln, die Leib und Leben gefährden, würden die Bewohner sofort verlegt.

Nun, da der Vorfall bekannt geworden und die Frau verstorben ist, stellt sich die Frage, ob der Zeitpunkt zur Verlegung gekommen sei. Das Landratsamt verneint.

Die Begründung der Behörde: Derzeit gebe es keine Beweise für eine Mitschuld des Betreibers. Die Heimaufsicht nehme den Vorfall ernst und werde das Heim weiter kontrollieren. Vor Abschluss der Ermittlungen seien Reaktionen aber wenig sinnvoll.

Gleichzeitig betont das Landratsamt: Die Seniorenresidenz habe seit Mai einiges verbessert, vor allem beim Personal. Zwar unterschreite die Residenz die Fachkraftquote leicht, Einstellungen und die Anerkennung ausländischer Angestellter als Fachkräfte stünden aber bevor. Die Bewohner seien sicher.

Neuer Leiter

Keine voreiligen Schlüsse wünscht sich auch Robert Jekel (61), der neue Leiter der Seniorenresidenz. Der Berliner war kaum zwei Wochen im Amt, als der 87-Jährige seine Mitbewohnerin schwer verletzte. Nun fürchtet Jekel, die gute Entwicklung, die das Landratsamt der Residenz bescheinigt, werde in der Öffentlichkeit untergehen, weil ein tragischer, aber aus seiner Sicht schwer zu vermeidender Vorgang viel Aufmerksamkeit erhalte.

Eigentlich wollte die Seniorenresidenz mit Jekels Amtsantritt einen großen Schritt zurück zur Normalität gehen. Wie berichtet, war dessen Vorgänger Ulrich van Heugten noch von einem Personaldienstleister für in Not geratene Seniorenheime eingesetzt worden. Nachdem im Zuge eines Corona-Ausbruchs größere Probleme in der Residenz aufgefallen waren – zwischenzeitlich musste die Bundeswehr aushelfen – sollte van Heugten Grundlagen schaffen: Personal aufbauen, Abläufe regeln, Versorger finden. Jekel will den Prozess abschließen, das Heim zu einem „großen, guten Player im Landkreis“ machen. Ein Fall wie der aktuelle könne letztlich jedem Heim passieren, sagt er. Für seine Einrichtung komme er zur Unzeit. Der Träger ermittle daher auch intern, ob Angestellte Fehler gemacht hätten.

Ermittlungen

Auch die Ermittlungsbehörden sehen derzeit keine Hinweise auf eine Mitschuld der Seniorenresidenz an dem Vorfall. Unter Leitung der Staatsanwaltschaft München 2 ermitteln sie aber weiter gegen die alte Leitung des Heims. Laut einem Sprecher stehen Körperverletzung und „alles, was mit den Missständen im Heim zu tun hat“ im Raum. Vielleicht im Herbst, wohl aber noch dieses Jahr, wollen die Beamten der Staatsanwaltschaft Ergebnisse übergeben.

Die Ermittlungen seien langwierig, weil sehr viele Zeugen vernommen werden. Angehörige, ehemalige Angestellte, Menschen aus dem Umfeld. „Wir wollen klären: Wann sind welche Missstände aufgetreten? Wer waren die Verantwortlichen? Wie waren die Abläufe?“ Noch sei es zu früh für Antworten darauf.

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