Doch noch Hoffnung? Ende September müssen die Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee in andere Heime umziehen. Bis zu einem Drittel von ihnen könnte daran sterben. Ein neuer Betreiber könnte das verhindern – wenn er rechtzeitig kommt.
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Doch noch Hoffnung? Ende September müssen die Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee in andere Heime umziehen. Bis zu einem Drittel von ihnen könnte daran sterben. Ein neuer Betreiber könnte das verhindern – wenn er rechtzeitig kommt.

Gesetz könnte Einstieg verzögern

Seniorenresidenz Schliersee: Zukunft trotz Interessent unsicher

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Es gibt einen Interessenten, der die Seniorenresidenz Schliersee weiterführen will. Ob er rechtzeitig kommen kann, um den Bewohnern den Umzug zu ersparen, ist aber offen.

Schliersee – Wie das Pflege- und Wohnqualitätsgesetz die Übernahme eines stationären Heimes regelt, das könnte die Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee in rund drei Wochen zu einem riskanten Umzug zwingen: „Wer den Betrieb einer stationären Einrichtung aufnehmen will, hat seine Absicht spätestens drei Monate vor der vorgesehenen Inbetriebnahme der zuständigen Behörde anzuzeigen“, heißt es in Artikel vier, auf den das Landratsamt auf Anfrage zur Zukunft der Seniorenresidenz verweist. Drei Monate im Voraus – diese Anforderung kann das Heim unmöglich erfüllen. Für seine Bewohner könnte das zum Problem werden.

Wie berichtet, hat die Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Pflegekassen den Versorgungsvertrag mit dem Heim für Ende September gekündigt. Endet der Vertrag, müssen dessen Bewohner in andere Einrichtung umziehen – es sei denn, ein neuer Träger führt das Heim nahtlos weiter. Die Drei-Monats-Regel könnte das verhindern.

Seniorenresidenz Schliersee: Zukunft trotz Interessent unsicher

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Dennoch: Mindestens einen ernsten Interessenten hat die Seniorenresidenz offenbar. Betreiber SO Nursing Homes hatte zuletzt von weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem Träger berichtet. Am Montag bestätigte die Arge auf Anfrage unserer Zeitung erstmals: „Informationen zu einem möglichen neuen Träger sind der Arge zwischenzeitlich zugegangen.“

Die Formulierung „möglicher Träger“ heißt: Endgültig ist noch lange nichts. Dennoch bleibt die Frage, ob der Interessent das Heim rechtzeitig übernehmen könnte, um den Bewohnern den Umzug zu ersparen.

Wichtig ist dieser Punkt, weil nach Schätzungen von Experten ein Viertel bis ein Drittel der oft hochbetagten und dementen Seniorenresidenz-Bewohner bei einer Verlegung in andere Heime am Verlust ihrer gewohnten Umgebung sterben könnte. Das Landratsamt ließ noch im Mai 2020, als bereits viele Vorwürfe gegen die Seniorenresidenz bekannt waren, die Bewohner lieber im Heim als eine Verlegung mit den bereitstehenden Wagen zu riskieren: Die Gefahren eines Umzugs seien zu groß, teilte die Behörde damals mit.

Verlegung der Seniorenresidenz Bewohner wäre riskant

Das Risiko einer Verlegung übersteige die Gefahr im Heim deutlich, sagt auch Franz-Josef Rigo aus Bad Wiessee. „Teils über 100 Jahre alte Menschen gegen ihren Willen in eine andere Einrichtung zu zwingen, macht keinen Sinn.“ Rigo ist Wortführer einer Gruppe von rund 20 Angehörigen, die für den Verbleib der Senioren in der Residenz kämpft. Er plant eine Demonstration in Schliersee. Seiner Mutter gefalle es im Heim.

Wie es nun mit der Seniorenresidenz weitergeht, entscheidet die Arge, die den Versorgungsvertrag mit dem neuen Träger schließen müsste. Ob die Arge die Drei-Monats-Regel verkürzen wird, wollte eine Sprecherin gestern auf Nachfrage aber nicht beantworten: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aktuell noch nicht weiter dazu äußern können.“

Unabhängig von der Zukunft der Bewohner scheint derweil klar: Dem Landkreis würde der Erhalt der rund 120 Pflegeplätze der Seniorenresidenz wohl auch helfen, wenn der neue Träger erst im kommenden Jahr einsteigt: Unlängst hatte eine Studie dem Landkreis bescheinigt, bis 2050 rund 800 neue Heimplätze schaffen zu müssen (wir berichteten). Ohne die Seniorenresidenz rückt dieser Wert über 900, rares Fachpersonal könnte zudem den Landkreis verlassen. Ein neuer Träger würde dem Landkreis dringend nötige Pflegeplätze und Fachkräfte erhalten.

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