Endgültig Schluss: Die Seniorenresidenz Schliersee muss bald den Betrieb einstellen.
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Endgültig Schluss: Die Seniorenresidenz Schliersee muss bald den Betrieb einstellen.

Landratsamt untersagt Betrieb

Seniorenresidenz Schliersee: Ende November ist endgültig Schluss

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Das Landratsamt hat der Seniorenresidenz Schliersee den Betrieb untersagt. Damit ist offiziell: Das skandalträchtige Heim muss spätestens Ende November seinen Betrieb endgültig einstellen.

Schliersee – Landrat Olaf von Löwis gibt zu, ab Ende November ruhiger schlafen zu können. Seit seinem Amtsantritt sei kein Tag vergangen, an dem er nicht an die Bewohner der Seniorenresidenz Schliersee gedacht habe, sagt der Landrat gestern. Er, das Landratsamt und die FQA (ehemals Heimaufsicht) hätten alles getan, die Lage im skandalträchtigen Heim zu verbessern. Geholfen habe nichts. Nun habe die Behörde die einzige Entscheidung getroffen, die ihr bliebe: Bis zum 30. November muss die Seniorenresidenz ihren Betrieb abwickeln, meldet eine Sprecherin am Montag. Löwis: „Das war die wohl schwierigste und belastendste Entscheidung meiner gesamten Amtszeit.“

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Seniorenresidenz Schliersee: Ende November ist endgültig Schluss

Die Entscheidung bedeutet das endgültige Aus für die Seniorenresidenz. Wie berichtet, hat der vom Landratsamt verhängte Aufnahmestopp den Betrieb schon lange unwirtschaftlich gemacht. Die Kündigung des Versorgungsvertrags durch die Pflegekassen für Ende September hat dem Heim die wirtschaftliche Grundlage entzogen: Ab diesem Zeitpunkt dürfen dort nur Selbstzahler gepflegt werden. Die Betriebsuntersagung durch das Landratsamt bedeutet nun auch das juristische Ende. Ab Dezember gibt es keine Seniorenresidenz mehr. Punkt.

Damit hat das Landratsamt seinen Schlussstrich unter das Thema Seniorenresidenz gezogen. Die Behörde hatte bereits kurz nach Löwis Amtsantritt im Mai 2020 die erste Anzeige gegen das Heim gestellt und somit den Stein ins Rollen gebracht, wie der Landrat mehrfach betonte. Seitdem hat sie dort 32 Beratungen und Kontrollen durchgeführt sowie mit Auflagen und Geldstrafen versucht, die Mängel abzustellen. „Mehrere weitere Anzeigen“ wegen Körperverletzung und Urkundendelikten seien in dieser Zeit hinzugekommen, sagt die Sprecherin. Die Behörde habe aber erst jetzt die nötigen Beweise zusammen, um die hohen Hürden einer Schließung überspringen zu können.

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Vertraute: Betreiber hat Angestellten bereits gekündigt

Seniorenresidenz-Betreiber Sereni Orizzonti zieht offenbar bereits die Konsequenzen dieser Entscheidung: Die Angestellten haben ihre Kündigungen bereits erhalten oder werden sie in den nächsten Tagen bekommen, berichten mit der Situation Vertraute übereinstimmend. Das scheint auch zu bedeuten: Die Italiener wollen wohl nicht gegen die Betriebsuntersagung klagen.

Die fehlenden Verbesserungen, die Löwis als Grund für die Kündigungen nennt, könnten daran liegen, dass sich Seniorenresidenz-Betreiber Sereni Orizzonti offenbar seit Monaten eher bemüht, das Heim loszuwerden, als die Lage dort zu verbessern. Bereits am 12. Juni hätten ihn die Italiener um Hilfe bei der Suche nach einem neuen Betreiber gebeten, sagt Peter Albrich. Er ist ein Mann mit gutem Netzwerk, der Investoren und Betreiber mit Heimen auf der Suche nach neuer Führung zusammenbringt. Vor vier Jahren hatte er die Seniorenresidenz und weitere Heime in Deutschland an die Italiener vermittelt.

Deswegen wandten diese sich nun erneut an ihn. Als Albrich ein übliches Honorar verlangte, meldeten sie sich nie wieder. Trotzdem suchte er die richtigen Experten, um den Betrieb zu retten. Die Informationen der Italiener kamen jedoch zögernd oder gar nicht. Auch deswegen hat die Seniorenresidenz laut Albrich keinen neuen Betreiber.

Einen Interessenten gebe es. Albrich hatte ihn auch ohne Aussicht auf Bezahlung aufgetrieben, weil er sich den Menschen im Heim moralisch verpflichtet fühlt, wie er sagt. Auch Gespräche mit dem Landratsamt haben die Experten geführt. Wegen der mangelnden Kooperation der Italiener fehle aber eine Einigung. Die Folge: Selbst wenn der Interessent die Seniorenresidenz eines Tages übernimmt, käme er für die verbleibenden 46 Bewohner des 142-Plätze-Heims zu spät.

Für diese hat die Betriebsuntersagung derweil kaum Auswirkungen: Sie müssen wegen der Kündigung durch die Pflegekassen ohnehin bis Monatsende verlegt werden.

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