Radler neben der Bundesstraße in Neuhaus (Gemeinde Schliersee)
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Nicht immer einfach: Wer an der Bundesstraße im Gemeindebereich Schliersee unterwegs ist, muss oft gut aufpassen. Die Grünen haben nun die Prüfung eines durchgängigen und sicheren Radwegs angestoßen.

Vorstoß der Schlierseer Grünen

Sicher unterwegs entlang der Bundesstraße? Wäre schon schön

Anders als im Tegernseer Tal war es in Sachen fahrradfreundliche Kommunen im Schlierach-/Leitzachtal vergleichsweise ruhig. Zumindest ein Vorstoß aus Schliersee könnte das nun ändern. Ziel ist ein durchgehender Radweg von Miesbach bis Fischbachau.

Schliersee/Miesbach – Von Projekt kann wohl noch keine Rede sein, eher von einem Anstoß: Im Schlierseer Gemeinderat hat die Grünen-Fraktion beantragt, eine Machbarkeitsstudie für die Erstellung eines Radwegs entlang der Bundesstraße in der Ortsdurchfahrt zu erstellen. Doch der Anstoß, den Gerhard Waas vorstellte, reicht deutlich darüber hinaus. Zu seiner eigenen Überraschung erhielt der Antrag einhellige Zustimmung, wohl auch, weil Waas selbst den Begriff „Machbarkeitsstudie“ wieder tilgte. Doch ein Anfang scheint gemacht, nun liegt es in Händen der Gemeinden und Landkreisorganisationen, die nächsten Schritte zu gehen. Der Weg könnte allerdings ein weiter sein.

Fördergelder stünden womöglich nach 2024 bereit

In letzter Konsequenz wünschen sich die Grünen eine durchgängigen, gut und leicht befahrbaren Radweg von Miesbach bis nach Fischbachau. Das würde als „Weg entlang einer Bundesstraße“ gelten, und dafür, so hat Waas recherchiert, gibt es ein eigenes Förderprogramm. Die aktuelle Förderperiode reicht bis 2024, die Gelder sind verplant. Aber danach, da könnte ein Wegeausbau südlich von Miesbach reinrutschen. Und noch etwas hat Waas recherchiert: „Der Radweg muss nicht direkt neben der Bundesstraße verlaufen, das kann bis zu einem Kilometer gehen. Er muss halt in die gleiche Richtung führen.“ Das berge interessante Möglichkeiten, zum Beispiel südlich von Neuhaus. Dort könnte der Dr. Brodführer-Weg ausgebaut und bis Aurach weitergeführt werden, was schon länger ein Wunsch in Schliersee war. Der Weg führt an den Bahngleisen oberhalb der Bundesstraße entlang, ein Ausbau könnte laut Waas auch interessant für die Forstwirtschaft sein, gerade im Winter, wenn das Radleraufkommen ohnehin gering ist.

Schwierige Route durch den Ort Schliersee: Wären Radlstraßen eine Lösung?

Ein großes Problem besteht am See. Wiederholt hat das zuständige Straßenbauamt Rosenheim auf Schlierseer Anfrage darauf hingewiesen, dass der Weg zwischen Seeufer und Bundesstraße gerade im Süden kein kombinierter Fuß- und Radweg sein kann – viel zu wenig Platz. Bleibt nur die andere Straßenseite, und da kommt das Grundproblem vieler Wegebaumaßnahmen zum Tragen: die Eigentümer müssen ihren Grund abgeben. Das ist auch Waas klar, aber – so sinngemäß die Haltung – wer schon den ersten Schritt scheut, kann nie ans Ziel kommen.

Wichtig ist den Grünen, dass die Radler ihren eigenen Weg haben und nicht zwischendurch auf Straßen wechseln müssen. Für die schwierige Route durch den Ortsbereich Schliersee könnte sich Waas echte Radfahrstraßen vorstellen. „Dort haben Fahrräder Vorrang, Autos dürfen höchstens 25 km/h fahren.“ Für die Anlieger sollten dadurch keine Nachteile entstehen, meint er. „Und der Durchgangsverkehr nimmt sicher ab.“

Radverkehr könnte mit E-Bike-Boom weiter zunehmen

Mit dem Beschluss im Gemeinderat sind Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) und seine Verwaltung nun beauftragt, das Thema anzupacken. Mit der Standortmarketinggesellschaft Landkreis Miesbach (SMG), namentlich deren Chef Alexander Schmid, habe er schon inzwischen telefoniert, sagt Schnitzenbaumer auf Anfrage. Die SMG hatte auch Waas ins Spiel gebracht, weil diese beim Bau eines „Express“-Radwegs zwischen Otterfing und Gmund koordinierend tätig ist (wir berichteten). Dort zuständig ist Regionalmanager Florian Brunner, zu dem der Anstoß aus Schliersee allerdings noch nicht vorgedrungen war. Das Anliegen begrüßt er sehr. „Was bleibt beim Thema Verkehrsvermeidung schon außer Radl und ÖPNV?“ Wie Waas verweist auch Brunner auf Pendler und den E-Bike-Boom, der den Umstieg vom Auto erheblich erleichtere. Und schließlich brauche man nicht überall den Radweg neu zu erfinden – zwischen Miesbach und Agatharied sowieso nicht, aber auch weitere Teilabschnitte würden „halbwegs funktionieren“.

Vieles gilt es zu eruieren, gerade in Schliersee Trassen und deren Machbarkeit zu ermitteln und Förderprogramme zu suchen. Das kann viel Zeit kosten. Zumindest ein Anstoß scheint gemacht.

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