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Martina Loch hat in den 1980er Jahren das Snowboarden in den Landkreis gebracht.

„Snowboarden fand ich sofort total geil“

Jubiläum der Ski- und Snowboardschule: Martina Loch im Interview 

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Martina Loch von der gleichnamigen Ski- und Snowboardschule an der Stümpflingbahn feiert 30-jähriges Jubiläum. Wir haben mit der Neuhauserin gesprochen, was ihre Leidenschaft für das Brett ausmacht.

Spitzingsee – Ein Brett, glitzernder Tiefschnee und ein unbefahrener Hang sind ihr persönliches Glück. Seit Jahrzehnten steht die Neuhauserin Martina Loch auf dem Snowboard und infiziert andere Wintersportler mit dem Virus – unter anderem ihre Tochter Cheyenne, die seit zwei Jahren im Weltcup startet. Am Samstag feiert die 55-jährige Adrenalin-Freundin das 30-jährige Jubiläum ihrer Skischule am Stümpfling. Vorab hat sie sich mit uns über Leidenschaft, amerikanische Autoverkäufer und Nerds mit Stöcken unterhalten.

Frau Loch, Sie brennen fürs Snowboarden. Wie sind Sie denn aufs Brett gekommen?

Loch: Eigentlich über das Surfen. Wir wurden damals vom Verband nach Kühtai eingeladen, eine Vorentwicklung des Snowboards zu testen. Ich habe es probiert und fand’s sofort total geil. Einige Zeit später wollte ich die Boards am Spitzing einführen. Das wurde damals aber als völliger Schmarrn abgetan und belächelt. Also bin ich ans Sudelfeld gegangen. Dort habe ich zwei Jahre lang eine Hütte hingestellt und Sportscheck hat mir jede Woche 50 Snowboarder vorbeigeschickt. Eigentlich wollte ich aber immer an den Spitzing. Zu dieser Zeit gab es ja einen gewaltigen Boom. Später habe ich dort in einem Bauwagen angefangen, daraus wurde eine Hütte. Der amerikanische Snowboardhersteller Burton kam schließlich auf mich zu und hat mir 100 Boards gegeben. Das war 1988. Inzwischen haben wir über 600 Paar Ski und 350 Snowboards.

Vom der damaligen Begeisterung ist aber nicht mehr viel übrig geblieben.

Loch: Ja, leider. Seit es Carving-Ski gibt, ist der Snowboard-Trend rückläufig. Selbst Lehrer, die sich früher als cool, und die Skifahrer als Stockhalter und Nerds bezeichnet haben, sind bei den Carvern hängengeblieben. Ich liebe das Brett aber nach wie vor. Allerdings kann ich von meinem Idealismus nicht leben, weshalb ich früh auch auf Ski- und Kinderkurse sowie den Verleih gesetzt habe. Jugendliche fangen mittlerweile übrigens kaum noch mit dem Boarden an. Ich denke, das Verhältnis Ski – Snowboard liegt jetzt so bei 70 zu 30 Prozent.

Woran liegt’s, dass Wintersportler nicht mehr aufs Snowboard abfahren?

Loch: Dafür gibt es nur eine Erklärung: Skifahren ist heute so wahnsinnig lässig, einfach und unkompliziert. Früher war es – mit diesen irrsinnig langen Skiern – eine richtige Wissenschaft. Wenn Du heute auf einem Rocker-Ski stehst, musst Du nur an die Kurve denken – und schon fährst Du sie. Außerdem hat sich natürlich auch das Image wesentlich gewandelt und die Mode ist auch viel besser und cooler (lacht). Für mich ist der Suchtfaktor beim Snowboarden aber noch immer hundertprozentig da. Dieses Surf-Gefühl im Tiefschnee auf einem unbefahrenen Hang ist super, geil, völlig unschlagbar. Auch wenn man mit den heutigen Skiern natürlich sehr viel machen kann. Sprünge, three sixties. Halfpipe. Eigentlich ist alles möglich.

Was macht denn einen guten Ski- oder Snowboardlehrer aus?

Loch: Der muss in erster Linie gut drauf stehen, vielseitig sein und die Kunden begeistern können. Ich vergleiche gute Lehrer immer mit amerikanischen Autoverkäufern. Außerdem sollte man selbstverständlich auch ein fachlich guter Typ und individuell sein. Nur so kann man den Schülern gerecht werden, die ja fast ausschließlich Privatunterricht nehmen. Kurse mit acht Leuten gibt es heute so gut wie nicht mehr.

Was machen Sie nach Saisonende?

Loch: (lacht) Zum Beispiel Snowboarden. Im Winter komme ich ja privat kaum dazu. Im Endeffekt ist das hier oben wie ein Gefängnis für mich. Ansonsten arbeite ich in der Hausverwaltung und gehe unter anderem Gleitschirmfliegen oder fahre mit Rennkarts. Alles, was Spaß macht halt. Ich bin schon ein Adrenalin-Junkie.

Die Jubiläumsfeier steigt am Samstag, 22. April, direkt neben der Stümpflingbahn. Der Startschuss fällt um 16 Uhr. Es wird eine Bühne mit jeder Menge Live-Musik sowie einen DJ geben. Eingeladen ist jeder, der Lust hat. Sollte das Event gut angenommen werden, möchte Martina Loch künftig jedes Jahr ein großes Fest veranstalten.

ah

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