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Genossen plagen akute Existenznöte

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Von: Daniel Krehl

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Urgestein verabschiedet Urgestein: Kurt Weber (r.) mit dem scheidenden SPD-Ortsvorsitzenden Ernst Höltschl.
Urgestein verabschiedet Urgestein: Kurt Weber (r.) mit dem scheidenden SPD-Ortsvorsitzenden Ernst Höltschl. © privat

Zwei rote Urgesteine ziehen sich aus dem SPD-Ortsverein Schliersee zurück. Nachfolger sind derweil nicht in Sicht. Jetzt droht der Schlierseer SPD die Auflösung.

Schliersee – Dass die Schlierseer SPD nicht das allergrößte politische Zugpferd ist, hat sich bei den vergangenen Kommunalwahlen abgezeichnet. 2008 trat die Partei noch mit einer voll besetzten Liste für den Gemeinderat an, bedeutet: 20 Personen. Sechs Jahre später wurde es schon dünner. Nur noch 15 Frauen und Männer strebten für die SPD ein Mandat an. Das Durchschnittsalter damals: stolze 61 Jahre.

Vor zwei Jahren musste der Ortsvorsitzende Ernst Höltschl einige Mühe aufwenden, um immerhin zehn Kandidaten aufbieten zu können. Mit jeder Wahl ging ein weiteres Mandat verloren, Höltschl ist inzwischen der einzige Genosse im Gemeinderat. Vom Vorsitz des Ortsverbands hat er sich nun zurückgezogen. Die Zukunft der Schlierseer SPD ist somit akut gefährdet, denn ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

„Ich habe schon im vergangenen August gesagt, dass ich nicht mehr kann“, sagt Höltschl. „Wegen der Gesundheit.“ Auch seine Stellvertreterin Barbara Prantner stand und steht für den Vorsitz nicht zur Verfügung. Im Ergebnis ist der Ortsverband führungslos, und letztlich hat Kreisvorsitzender Bruno Petroons das Sagen. Zusammen mit den Schlierseern wollen er und die für den Kreis Miesbach zuständige SPD-Geschäftsstelle Wolfratshausen eruieren, wie es weitergeht. Womöglich ist die 125. Hauptversammlung, zu der dann Petroons einladen würde, die letzte einer eigenständigen Schlierseer SPD. Neben der Auflösung wäre auch der Anschluss an einen anderen Ortsverband möglich.

Beim Abschied bei der Versammlung blickte ein anderes Urgestein auf Höltschls 35-jähriges Engagement für die SPD zurück: Kurt Weber. Er hatte ebenfalls vergangenen Sommer alle Ämter niedergelegt und erinnerte an Zeiten, als der Schlierseer Bürgermeister noch ein Roter war (Kaspar Hirtreiter, 1972 bis 1984) und an das Bürgerbüro, das erst vor drei Jahren schloss. Er vergaß auch nicht Höltschls soziales Engagement für den Flohmarkt, der nun vorerst der Vergangenheit angehört.

Sich völlig zurückziehen, das möchte Höltschl nicht. Im Gemeinderat wolle er bleiben, „so lange es noch geht – nur auf der Eckbank zu sitzen, ist nichts für mich“.

Aus für den Flohmarkt

Die lange Tradition des Flohmarkts der SPD endet nun mit dem Rückzug von Ernst Höltschl vom Vorsitz, auch wenn kein ursächlicher Zusammenhang besteht. Vielmehr steht der Reiterparkplatz als Veranstaltungsfläche nicht mehr zur Verfügung. Den Erlös aus den Tischgebühren und dem Verkauf gespendeter Ware hatten die Genossen stets für soziale Zwecke gespendet. „Irgendwann werde ich wohl einen Garagenflohmarkt machen müssen, es ist noch einiges da“, sagt Höltschl.

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