Muss das sein?

Hüttenwirt am Spitzingsee fassungslos wegen Ausflüglern: „Da fühlen sich die Leute unbeobachtet“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Die ruhige Lage der Miesbacher Hütte im Wald am zugefrorenen Spitzingsee nutzen viele Ausflügler als geschütztes Plätzchen, um ihre Notdurft zu verrichten. Sehr zum Ärger des Hüttenwarts.

Spitzingsee – Die wegen des Lockdowns dauerhaft geschlossenen Fensterläden der Miesbacher Hütte erweisen sich dieser Tage eher als Einladung. „Da fühlen sich die Leute unbeobachtet“, sagt Siegfried Rummel. Die unliebsamen Folgen kann der Hüttenwart der Alpenvereinssektion Miesbach, der die Hütte am sonnenverwöhnten Platzerl am Westufer des Spitzingsees gehört.

Corona am Spitzingsee: Hüttenwirt verärgert - zahlreiche Ausflügler verrichten Notdurft im Wald

Unzählige Papiertaschentücher liegen unter den Bäumen. Was sie verbergen, weiß Rummel nur zu gut: menschliche Hinterlassenschaften. Schon jetzt graut dem Hüttenwart vor dem Tauwetter im Frühjahr. „Dann muss ich die ganzen Notdürfte wegräumen.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung macht Rummel klar, dass er kein Problem mit den vielen Spaziergängern oder Schlittschuhläufern am Spitzingsee hat. „Ich verstehe jeden, der sich in der freien Natur bewegen möchte.“ Auch die Tatsache, dass manche bei einer Pause die Terrasse der Hütte trotz abgesperrter Tische und Bänke zum Sonnenbaden nutzen würden, könne er noch tolerieren.

Corona in Miesbach: Ausflügler am Spitzingsee werfen ihren Müll in die Natur

Das, was die Besucher jedoch rund ums Haus zurücklassen, stinkt Rummel gewaltig. Regelmäßig räumt er leere Bierflaschen und Zigarettenpackungen weg. Sogar einen kaputten Bob habe er im Wald gefunden und entsorgt.

Zumindest in Sachen Toilettengang könnte man Abhilfe schaffen, findet der Hüttenwart. Zum Beispiel, wenn die Gemeinde und die Parkplatzbesitzer ein paar Dixi-Klos aufstellen würden. Die Alpenbahnen machen dies bekanntlich bereits. Den höheren Aufwand für die regelmäßige Reinigung rechnen sie in die Parkgebühren von zehn Euro pro Tag ein. Am Kurvenlift kostet das Ticket hingegen nur fünf Euro. Toiletten könne man da nicht anbieten, hat Rummel auf Nachfrage erfahren.

Spitzingsee: Hüttenwart mit Lösungsvorschlag - Dixi-Klos für die Ausflügler

Die Gemeinde unterhält immerhin öffentliche Toiletten im früheren Gemeindehaus in Spitzingsee, nahe der Kirche St. Bernhard. Dabei wird es aber bleiben. Einer Forderung etwa nach Dixi-Toiletten erteilt Schliersees Bürgermeister eine klare Absage. „Auf keinen Fall“ werde er weitere mobile WCs aufstellen lassen, sagt er auf Anfrage.

Die Gemeinde habe schlichtweg nicht die personellen Kapazitäten, diese regelmäßig zu desinfizieren und zu lüften. Dies funktioniere gerade noch im Gemeindehaus. Schnitzenbaumer fürchtet auch, dass die Gemeinde zur Verantwortung gezogen wird, sollte sich jemand in unzureichend gesäuberten öffentlichen Toiletten mit dem Coronavirus infizieren.

Hüttenwart am Spitzingsee appelliert an Ausflügler: Toiletten an Parkplätzen nutzen

Hüttenwart Rummel appelliert indes an die Ausflügler, trotz des weiteren Wegs die vorhandenen Toiletten an den Parkplätzen oder im Ort zu nutzen. „Dank des zugefrorenen Sees“, sagt er, „kann man ja jetzt eine Abkürzung nehmen und ist schneller dort.“

Trotz Corona-Lockdown, und geschlossenen Liften, stürmten in letzter Zeit tausende die Skigebiete in ganz Bayern. Dürfte das Skigebiet Sudelfeld regulär öffnen, es könnte den Infektionsschutz auf seinen Pisten besser durchsetzen als derzeit, sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Protest gegen den Corona-Lockdown gibt es von einem Gastronom aus Gmund: Er will sein Bistro am Montag wieder öffnen.

(sg/dak)

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