Fels, Sprengung, Rotwand
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Sprengeinsatz mit Aussicht: Klaus Führer vom THW Miesbach bereitet die Ladung am Felsbrocken am Hang vor.
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Alles sicher: der eingezäunte Fels vor der Sprengung.
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Feuerball: Mit einem lauten Knall fliegt der Steinbrocken in die Luft.
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Rauchzeichen: Meterhoch steigt der Qualm nach der Explosion auf.

Erfolgreiche Kooperation mit Bergwacht

Gefahr für Wanderweg und Alm entschärft: THW sprengt Fels an Rotwand

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein mehrere Tonnen schwerer Felsbrocken drohte, auf den Wanderweg zur Rotwand zu stürzen. THW und Bergwacht sprengten das Ungetüm. Hier die beeindruckenden Bilder zum Einsatz.

Spitzingsee – Zwei kurze Male drückt Sebastian Mayer auf seine Gashupe. Die Botschaft ist eine Warnung: „Sprengung steht unmittelbar bevor“. Als das letzte Signal verhallt, ist die morgendliche Stille zurück über dem Rotwandgebiet. Aber nur kurz. Sekunden später leuchtet ein Feuerball wenige Meter unterhalb des Grats nördlich des Gipfels auf, gefolgt von einem markerschütternden Knall und einer meterhohen Rauchfahne. Der bei einer solchen Sprengung befürchtete Felsregen bleibt aus. Die zertrümmerten Gesteinsreste sind im zuvor errichteten Fangzaun hängen geblieben. Mayer reibt sich zufrieden die Hände. „Das war ein voller Erfolg“, sagt der stellvertretende Ortsbeauftragte und Sprengberechtigte des Technischen Hilfswerks (THW) Ortsverband Miesbach nach dem Einsatz am vergangenen Sonntagmorgen in der Nähe der Rotwand.

Wenn Mayer und seine Kollegen normalerweise die Zündschnur ausrollen, handelt es sich für gewöhnlich um Sprengungen von Lawinen. Ab und zu sind sie auch mal nach Murenabgängen oder Windbruch im Wald gefragt. Eine Felssprengung knapp unterhalb des mit 1884 Metern höchsten Berggipfels im Landkreis Miesbach war hingegen eine neue Herausforderung für den Sprengexperten und sein gut geschultes Team.

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Der Auftrag kam vom Landratsamt und der Gemeinde Bayrischzell. Die Behörden wiederum wurden von den Almbauern im Gebiet um die Wildfeldalm verständigt, dass am Grat oberhalb der Alm ein Felssturz drohe. Rund ein Kubikmeter Stein hatten sich durch den Schnee im Winter gefährlich gelockert. Nicht mehr viel hätte gefehlt, und die mehrere Tonnen schwere Masse hätte sich in Richtung Tal in Gang gesetzt. In der Schussbahn: der beliebte Wanderweg und zwei bewirtschaftete Almhütten.

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Nach einer Ortsbegehung am vergangenen Donnerstag war den Beteiligten klar, dass sich die Gefahr nur mit einer Sprengung entschärfen lässt. Also setzte sich Mayer umgehend an den Schreibtisch, um den heiklen Einsatz vorzubereiten. Er studierte Lage- und Höhenkarten und Fotos vom Fels. Aufgrund des steilen Geländes entschied sich der Experte für eine sogenannte aufgelegte Ladung. Das Gestein vorher anzubohren, wäre zu aufwendig und gefährlich für die Helfer gewesen. Um dennoch die gewünschte Zertrümmerung zu erreichen, forderte Mayer beim THW Ortsverband Augsburg 500 Gramm PETN-Sprengstoff und eine Funkzündmaschine an. Wegen des Sicherheitsradius von 300 Meter hätte man ansonsten schwere Kabeltrommeln mit den Zündleitungen auf den Berg zerren müssen, erklärt Mayer.

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Doch auch so war der Einsatz schweißtreibend genug. Um 5 Uhr trafen sich die zehn Helfer mit acht Kräften der Bergwacht Leitzachtal am Spitzingsee, um das Sicherheitskonzept zu besprechen. Mayer teilte die Gruppe in verschiedene Posten ein, die alle relevanten Pfade des Gebiets auf Personen absuchten und dann entsprechende Absperrungen einrichteten. Auch die Wildfeldalm wurde evakuiert. Direkt unterhalb des Felsens errichtete das THW besagten Zaun aus mehrlagigem Maschendraht und Gurten, um die Felsreste nach der Sprengung aufzufangen. Bis zu 80 Zentimeter tief hämmerten die Helfer die Eisennägel in den Boden am Rotwandgrat. Die Bergwachtler sicherten sie per Seil. „Die Zusammenarbeit hat perfekt funktioniert, lobt Mayer.

Gegen 7 Uhr und damit früh genug, bevor die ersten Wanderer das Gebiet stürmten, war alles bereit für den großen Knall. Dennoch ließ Mayer nochmals 30 Minuten nach dem ersten Hupen verstreichen. Falls sich doch noch jemand im Gebiet aufgehalten hätte, hätte dieser ausreichend Zeit gehabt, sich in Sicherheit zu bringen, erklärt Mayer. Der Lohn für den Aufwand: eine absolut reibungslose Sprengung.

Für die Einsatzkräfte war das Schwitzen danach aber noch nicht vorbei. Mit einer Menschenkette hievten sie die größeren Felsbrocken auf den Grat und entschärften so auch die letzten Gefahren am Hang. Als sie nach der verdienten Brotzeit auf der Wildfeldalm am späten Vormittag zurück ins Tal fuhren, sahen die Helfer, dass sich das frühe Aufstehen am Sonntagmorgen gelohnt hatte. Mayer: „Da sind uns Hunderte Wanderer und Mountainbiker entgegengekommen.“

sg

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