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Nach dem Feuer-Inferno am Spitzingsee: Neuanfang für Obere Maxlrainer Alm

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Von: Stephen Hank, Christian Masengarb, Johannes Welte

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Ein Feuer hat in der Nacht auf Sonntag große Teile der Oberen Maxlraineralm im Spitzinggebiet zerstört. Der Schaden ist noch nicht absehbar. 38 Personen wurden evakuiert.
Die Obere Maxlraineralm am Morgen nach dem Brand. © Ralf Poeplau

Die Obere Maxlrainer Alm hat wieder für Tagesgäste geöffnet. Ein Feuer hatte einen Teil Alm im Spitzinggebiet zerstört. Die Polizei sucht weiter nach der Ursache.

Update vom 13. März: Spitzingsee - Matthias Schmidlin ist einer, der die Welt von ganz oben kennt. Er war Topmanager bei Airbus, bis ihn ein Fahrradunfall mit folgendem Burnout auf den Boden holte. Mit einer eigenen Almhütte im Spitzingseegebiet legte der Otto­brunner seinen persönlichen Neustart hin, als Hüttenwirt. Doch ein Feuer sorgte für einen Rückschlag…

Schmidlin hatte sich schlafen gelegt, als am Sonntag, 9. Februar, auf der Oberen Maxlrainer Alm früh um halb drei die Feuermelder anschlugen. An der Rückwand war ein Brand ausgebrochen. Alle 38 Gäste konnten das Holzhaus unversehrt verlassen, ebenso die fünf Angestellten. Schmidlin selbst befand sich mit dem Sohn in einem Nebengebäude.

Weiterer Brand-Einsatz am Schliersee: Rauchschwaden über Ort - Nachbarn sehen Qualm - Großeinsatz der Feuerwehr.

Obere Maxlrainer Alm: Hüttenwirt kämpfte im Schlafanzug gegen die Flammen

Noch im Schlafanzug kämpfte der 52-Jährige mit Feuerlöschern gegen die Flammen und setzte sich dann in seine Pistenraupe, die er im Tal an die Feuerwehr übergab. Per Raupenshuttle wurden über 150 Einsatzkräfte vom Spitzingsee zur Alm gebracht. Sie konnten rechtzeitig löschen. „Ohne unsere Pistenraupen wäre die Alm komplett abgebrannt“, ist sich Schmidlin heute sicher. Aber an der Rückwand klaffte ein großes Loch, das Dach ist undicht. Schmidlin: „Wir hatten dennoch eine Woche später wieder für Tagesgäste geöffnet.“ Auch Übernachtungsgäste sind wieder da.

Das Leben als Almwirt war Schmidlin nicht in die Wiege gelegt. Nach dem Abi ging er zum Surfen nach Fuerteventura, bis ihn der Vater zum Studium überredete: Das tat er, machte den Diplom-Ingenieur in Luftfahrttechnik, in Liverpool kam der Master hinzu, in Manchester der Doktor in Philosophie, Psychologie und Wirtschaft, Schmidlin schaffte den Pilotenschein als Sportflieger, ging zu Airbus nach Toulouse, arbeitete für die NASA und wurde Vizepräsident von Airbus Defence & Space in München. Doch das Leben ist hart als Manager. Schmidlin bekennt: „Ich war in massiver Überlastung, die letztlich in einem Burnout endete.“

Hüttenwirt Schmidlin will Obere Maxlrainer Alm umbauen

Seine Karriere ließ Schmidlin sausen. In der Wildschönau rettete er einen 200 Jahre alten Bergbauernhof, den er einlagerte. Er will ein Resort für stressgeplagte Menschen daraus machen. Dazu kaufte er die Obere Maxlrainer Alm. Seinen Bauantrag für den Wiederaufbau des Bauernhofs neben der Alm lehnte der Gemeinderat aber bislang ab. Nach dem Brand sei aber Handlungsbedarf nötig. Was das Feuer auslöste? Die Polizei schließt vorsätzliche Brandstiftung aus, die Ermittlungen laufen.

Johannes Welte

Update vom 19. Feburar: Spitzingsee – Die Polizei schließt Brandstiftung als Ursache des Feuers in der Oberen Maxlrainer Alm aus. Dies teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd unserer Zeitung mit. Wie berichtet, war im hinteren Teil des Dachstuhls der Alm am 9. Februar ein Brand ausgebrochen, der große Teile des Schlafbereichs unnutzbar gemacht hatte.

Bis die Ursache des Feuers endgültig feststeht, könne es noch Monate dauern, sagt der Sprecher weiter. Die Polizei habe mit den Ermittlungen begonnen, und ein Experte des Landeskriminalamts habe den Brandort untersucht. Nun würden die Beamten die entnommenen Proben im Labor untersuchen. Wann der Prozess abgeschlossen sein wird, sei offen.

Derweil hat die Obere Maxlrainer Alm wieder für Tagesgäste geöffnet. Das vermeldet die Homepage der Alm. Der vordere Teil, in dem das Tagesgeschäft stattfindet, war bei dem Feuer kaum beschädigt worden.

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Verheerendes Feuer auf beliebter Tourengeher-Hütte - Alm teilweise zerstört

Originalmeldung vom 11. Februar: Spitzingsee - Der Alarm ging nach Informationen der Polizei gegen 2.30 Uhr bei der Rettungsleitstelle ein: Die Obere Maxlraineralm stehe in Flammen, hieß es über den Notruf. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es ein Einsatz mit ganz besonderen Herausforderungen werden würde. Denn die Alm auf 1520 Metern Höhe unterhalb des Taubensteins ist auf herkömmlichem Wege nicht erreichbar.

Der diensthabende Einsatzleiter alarmierte deshalb nicht nur die Feuerwehren Schliersee, Neuhaus, Spitzingsee, Fischbachau, Hausham, Miesbach und Rottach-Egern. Er forderte zur Unterstützung auch gleich die geländegängigen Quads (ATVs) der Bergwachten Leitzachtal/Bayrischzell und Hausham an. Sie sollten für den Personen- und Materialtransport auf den Berg sorgen. Zudem wurde der Bergwachtnotarzt Schliersee hinzugezogen. Wochenendeinsatzkräfte der Bergwacht München unterstützten die Rettungsaktion.

Pistenraupen bringen Feuerwehrler auf den Berg

Nach einer kurzen Lagebesprechung an der Kirche in Spitzingsee starteten Bergwacht und Feuerwehr Richtung Schwarzenkopf. Mithilfe der ATVs gelang es, schnell Rettungspersonal an die Brandstelle zu bringen. Doch auch Hüttenbetreiber Matthias Schmidlin leistete seinen Beitrag: Zusammen mit einem Mitarbeiter brachte er seine beiden Pistenraupen hinunter ins Tal und stellte sie für den Personen- und Materialtransport zur Verfügung.

Ein Feuer hat in der Nacht auf Sonntag große Teile der Oberen Maxlraineralm im Spitzinggebiet zerstört. Der Schaden ist noch nicht absehbar. 38 Personen wurden evakuiert.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr bei den Löscharbeiten. © Ralf Poeplau

Oben auf dem Berg gingen derweil die ersten Feuerwehrler unter schwerem Atemschutz und mithilfe von Hochdrucklöschgeräten gegen die Flammen vor. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr hatten zuvor schon Hüttenmitarbeiter mit der Brandbekämpfung begonnen. Schmidlin: „Sie haben Unglaubliches geleistet.“

Das Feuer war ersten Erkenntnissen zufolge im hinteren Bereich des Dachstuhls ausgebrochen. Die Rauchmelder rissen die 38 Übernachtungsgäste und sieben Mitarbeiter, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Hütte befanden, aus dem Schlaf. Sie alle konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Bei den Übernachtungsgästen handelte es sich um eine Gruppe aus dem Raum München und Umgebung, die auf der Alm einen 40. Geburtstag feierte. Drei Personen mussten notärztlich untersucht werden, sie erlitten eine leichte Rauchgasvergiftung. Mithilfe der Bergwachtfahrzeuge und der beiden Pistenraupen des Hüttenbetreibers wurden die evakuierten Personen ins Tal gebracht und dort im Arabella-Alpenhotel vom Rettungsdienst betreut. Auch ein Team des Kriseninterventionsdienstes Berg fand sich ein. Insgesamt waren in der Nacht über 130 Männer und Frauen von Rettungsorganisationen im Einsatz.

Brandursache wohl im Bereich des Kamins

Die Löscharbeiten dauerten bis etwa 7 Uhr. Der Brand beschränkte sich auf den hinteren Teil des Dachstuhls, sodass der größere Teil der Hütte nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Polizei geht derzeit von einem Schaden von rund 50 000 Euro aus. Beamte des Kriminaldauerdienstes Rosenheim begannen umgehend mit den Untersuchungen zur Brandursache. Die weiteren Ermittlungen wird das sachbearbeitende Fachkommissariat der Kriminalpolizei Miesbach übernehmen. Laut Eigentümer Schmidlin dürfte die Ursache des Schwelbrands im Bereich des Kamins liegen.

Betrieb soll so schnell wie möglich wieder starten

In erster Linie ist der Hüttenwirt froh, dass bei dem Brand niemand ernsthaft verletzt wurde. Der Schock freilich sitzt tief. Schmidlin hatte die Alm im Januar vergangenen Jahres übernommen und nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erst vor wenigen Wochen mit der Bewirtschaftung begonnen. Auf seine Initiative hin gingen auch die Lifte dort oben wieder in Betrieb. 55 Schlafplätze bietet die Obere Maxlraineralm, die meisten davon unterm Dach. Die Alm sei sehr gefragt, für die kommenden Wochen liegen etliche Reservierungen vor. Ziel sei es deshalb, den Betrieb so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. „Wir geben nicht auf, wir sind optimistisch“, sagte Schmidlin am Sonntagabend in einer ersten Reaktion. 

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Matthias Schmidlin im Februar 2019 vor seiner Alm. © privat

Zunächst geht es aber um Schadensbegrenzung. Angesichts des angekündigten Sturms und der Schneefälle muss das Dach rasch abgedichtet und abgestützt werden. Wann die Ermittlungen seitens der Polizei und der Brandversicherung abgeschlossen sind und mit der Reparatur begonnen werden kann, ist noch offen. Immerhin: Der vordere Teil der Maxlraineralm ist nicht beschädigt. Zumindest die Bewirtung der Tourengeher könnte also schon bald wieder anlaufen.

sh

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