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Alles in privater Hand: Öffentliche Parkplätze gibt es in Spitzingsee laut Gemeinde nicht. 

„Das ist schon traurig“

Mutter von Rollstuhlfahrer (30) empört: Kein einziger Behinderten-Parkplatz am See

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Kaum zu glauben, aber wahr: Am Spitzingsee gibt es keinen einzigen Behindertenparkplatz. Eine Ausflüglerin ärgert das sehr. Die Gemeinde kann jedoch nichts machen.

Spitzingsee – Einen entspannten Spaziergang am Spitzingsee hatte sich Susanne Reuter (50) mit ihrem Sohn vorgenommen. Von früheren Ausflügen her wusste sie, dass sich der weitgehend flache Uferweg auch gut mit dem Rollstuhl bewältigen lässt. Auf den nämlich ist Reuters 30-jähriger Sohn durch eine geistige und körperliche Behinderung angewiesen. „Wir haben keinen Motor, also fallen Steigungen aus“, erklärt die Rosenheimerin. Im Spitzingsee glaubte sie aber, das richtige Ziel gefunden zu haben, um ihrem Sohn trotz seines Handicaps einen schönen Tag in den Bergen zu ermöglichen.

Doch der Ausflug ging schief, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte: bei der Parkplatzsuche. Wie sie es von anderen Ausflugsorten her gewohnt ist, suchte Reuter auch am Spitzingsee einen öffentlichen Behindertenparkplatz. Zuerst steuerte sie dazu den Ort an. „Da sind ja die meisten Lokale und auch der See ist gut erreichbar“, erklärt die Rosenheimerin.

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Dort hielt sie nach den typischen Schildern Ausschau – vergebens. Auch Richtung Taubensteinbahn wurde Reuter nicht fündig. „Das sind alles nur Privatparkplätze“, berichtet sie. Eigene Stellplätze für Berechtigte mit Behindertenausweis seien nicht ausgewiesen. Und erst recht nicht in einer für Rollstuhlfahrer akzeptablen Lage mit gut befahrbarer Wegeanbindung. „Das ist schon traurig für so ein beliebtes Ziel wie den Spitzingsee“, sagt Reuter.

Im Rathaus ist das Problem bekannt. „Wir haben da oben leider keine öffentlichen Parkplätze“, bestätigt Schliersees Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer auf Nachfrage unserer Zeitung. Schon mehrfach habe die Gemeinde versucht, sich entsprechende Flächen zu sichern. „Aber dafür braucht es auch einen Verkäufer“, sagt Schnitzenbaumer. Das sei bislang nicht der Fall gewesen. So seien seines Wissens alle Stellplätze in privater Hand – zum Beispiel von den Alpenbahnen, Almbauern oder auch Gastronomie- oder Hotelbetreibern. Teilweise würden die Grundstücke auch unterverpachtet.

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Die Konsequenz für die Autofahrer ist immer die gleiche: Sie müssen zahlen. Die Gebühren legen die Parkplatzbetreiber selbst fest. Was sie verlangen, bleibt ihnen überlassen. „Wir können da bei privaten Flächen keinen Einfluss ausüben“, erklärt der Bürgermeister. Im Rathaus anmelden müsse seine Gebührenordnung niemand.

Das haben auch Reuter und ihr Sohn zu spüren bekommen. Sie wichen in ihrer Verzweiflung auf einen Privatparkplatz aus. Ihr Behindertenausweis wurde da nicht anerkannt. Die Lust auf einen Spaziergang auf dem Uferweg war ihnen damit schnell vergangen.

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