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Spott kommt am: Das Publikum im Bauerntheater bedachte die Fastenpredigt mit viel Applaus. 

„Unterwasserschuhplattln – wie wär’s?“

Starkbieranstich in Schliersee: Die besten Sprüche von Xaver Terofal

Der Bürgermeister war wieder nicht da, ein paar Seitenhiebe gab es für Franz Schnitzenbaumer beim Starkbieranstich in Schliersee aber trotzdem. Und nicht nur für den.

Schliersee – Ach, wenn es doch immerzu schneien würde. All das üble Gerede wäre überdeckt. „Ob Neid oder Missgunst, Faulheit und Fleiß, alles verdeckt unter reinem Weiß.“ In Gedichtform beendete Xaver Terofal, alias Wolfgang Ober, seine diesjährige Fastenpredigt im Schlierseer Bauerntheater. „Es waar ois so schee, laag in Schliersee doch immer der Schnee.“

Zuvor hatte sich mancher Protagonist des Ortsgeschehens wieder das eine oder andere anzuhören. Lieblingsopfer Terofals ist und bleibt Mathias Schrön, „da Cäptn Iglu vo Schliersee“. In dessen Gäste-Info hatte es sich vergangenes Jahr eine Katze gemütlich gemacht. Kein Wunder, meinte der Redner. Wo sonst könnte es einen Stubentiger hinziehen als zu einem Platzerl, „wo’s ruhig is, wo ma si entspanna ko, wo ma ned gstört wird“. Die Gäste-Info oder auch das Rathaus, das sei auch das eigentliche Ziel des Heißluftballons gewesen, der im Herbst im Schliersee notwassern musste. Das Anliegen: heiße Luft tanken.

Rathauschef Franz Schnitzenbaumer war übrigens zum zweiten Mal in Folge nicht im voll besetzten Bauerntheater: Wurscht, meinte Terofal, „mia machan des genauso wia im Rathaus. Mia dean einfach so, ois ob er do waar.“ Vize-Bürgermeisterin Johanna Wunderle hatte anfangs das Anzapfen übernommen und mit drei Schlägen Wolfgang Rzehaks Vorstellung in Tegernsee (vier Hiebe) in den Schatten gestellt, was der Landrat in seinem Grußwort selbst lobte. In der streng auf Schliersee gemünzten Rede kam er übrigens nicht vor.

Dafür mehrfach Eva Skofitsch, deren seit Jahren aktuelle Baumaßnahme an der B 307 laut Terofal den Eindruck vermittle, als sei gestern ein Lkw in das Haus gekracht. Das wahre Vorhaben der Alpen-Immo GmbH sei dort ohnehin ein automatischer Immo-Drive. Freilich müsse man dort – angesichts der Schlierseer Bauland (oder der Alpen-Immo-)preise – minimum mit einem Groß-SUV à la Porsche Cayenne vorfahren, „sonst wird man erst gar nicht bedient“.

Wo Skofitsch genannt wird, konnte 2017 Michael Dürr nicht weit sein, dem der Gewerbeverband ja die Absage des Straßenfests ankreidete. Der „Individual-Querulant“ habe sich „koa Stückl geändert, im Gegenteil“, was Terofal zum Anlass nahm, sich Gedanken über die Firma des Gemeinderats Gedanken zu machen. Die „Denkmanufaktur“ sei nicht mit einer Denkfabrik zu verwechseln. „Da Unterschied is laut Lexikon die im Gegensatz zur Fabrik wesentlich geringere Produktionsausstattung – oiso in dem Fall des Hirn, oder?“

Lieber sinnierte Terofal aber darüber nach, was nach Wadl-Tatto, Gipflschnackseln und Sitzfleisch-Challenge kommen könnte. Unterwasserschuahplattln oder Schilfrohrschnüffeln vielleicht. Oder noch besser: Die Real-Life-Doku „Reif für die Insel“, bei der zehn Wirte auf der Insel Wörth ausgesetzt werden und jede Woche einer rausfliegt.

Dazu in Sichtweite: das Strandbad. Vor lauter Lounge-Areas und Chillout-Benches finde man dort kaum noch einen Platz, um sein Handtuch zu platzieren. Und erst wenn der Erste vom Sprungturm kopfüber im Champagnerkühler gelandet sei, „werd’s ihr merka, dass des Strandbod koan Strand mehr hod“.

Ja, um Schliersee sei es nicht so gut bestellt, findet Terofal. „Koa Ortsmitte und koa Turnhalle, koa Plan und koa Strategie. Es waar ois so schee, laag in Schliersee doch immer der Schnee.“

Auch bei dessen sechstem Auftritt, dem ersten unter der neuen Gasthaus-Terofal-Wirtin Birgit Eham, gab’s reichlich Lacher, Applaus und Johlen. Wieder rundete ein amüsanter Einakter des Schlierseer Bauerntheaters, bei dem es um die Typologie menschlicher Hintern ging, den Abend gelungen ab.

Von Daniel Krehl


Die besten Sprüche von Xaver Terofal

„Am Spitzing werd’s Internet no mit da Post austrogn.“ Über die Breitband-Probleme in Teilen Spitzingsees

„Westenhofen – des is so wos wie die Westbank vo Schliersee.“

„Da Bahnübergang Westenhofen: Wer do amoi steht, werd zum Buddha.“

„D’Schlagbaum-Hanni vo da Westbank, auch bekannt als Bürgermeisterin 2.0, immer zur Stelle, wenn da Franz ned do ist, ned ko oder ned mog... also ziemlich oft.“ über Vize-Bürgermeisterin Johanna Wunderle

„Des Schlierseer Strandbad hod inzwischen Bayerns zweithöchste Dichte an dämliche Wuiderer-Diache, owegrutschte Wadlstrümpf und Hinterschleckfrisuren – glei nachm Ostiner Waldfest.“

„...und des Ganze werd moderiert vom Markus Wasmeier. Weil, der is aa schon auf dem VOX-Niveau okemma.“ „Auch dieser Weg kann der richtige sein: Wenn ma nur lang gnua nach Vorschläge suacht, de ma ned hom wui, kimmt ma irgendwann auf des, was ma wui... oder des wos ma am wenigsten ned mog.“ über die schleppende Ortsmitte-Planung

„Mein lieber Johann Baptist...“ Zu Architekt Johannes Wegmann, anspielend auf Johann Baptist Zimmermann

„Er moderiert, und i woaß ned, wos anstrengender war: eahm zuahearn oder aufm Radl hocka.“ über Daniel Wagner bei der Sitzfleisch-Challenge

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