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Zwei Nachbarn diskutieren mit den Besuchern: Markus Ederer (l.), Staatssekretär im Auswärtigen Amt, und Kabarettist Gerhard Polt im Schlierseer Vitalwelt-Forum.

 „Wir müssen aufstehen für unsere Werte“

Starke Worte bei Europa-Diskussion mit Polt

Welches Europa wollen wir? Diese Frage trieb am Sonntag rund 100 Interessierte in Schliersee ins Forum der Vitalwelt zum Podiumsgespräch mit Gerhard Polt und Markus Ederer vom Auswärtigen Amt.

Schliersee– Diesmal gingen der Kabarettist und Schauspieler Gerhard Polt aus Neuhaus und sein Nachbar Markus Ederer, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, nicht wie sonst bei den „Neuhauser Gesprächen“ vor. Diesmal verzichteten sie auf einen einleitenden Impulsvortrag. Ederer fasste die aktuelle Situation Europas nur knapp zusammen: „Europa ist massiv unter Druck – von außen und von innen. Wir sind eine Friedensmacht, eine Softpower: Können wir uns behaupten?“ Die beiden stiegen gleich in eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum ein, das sich bestens informiert und reflektiert zeigte. Man ging thematisch in die Vollen: der Brexit, die anstehende Wahl in den Niederlanden mit der PVV des Rechtspopulisten Geert Wilders, die anstehenden Wahlen in Frankreich mit Marine Le Pen vom Front National.

Der Rechtspopulismus, auch der aus den USA, bringt die EU unter Druck. Aus dem Publikum kam die Forderung, sich auf christlich-lutherische Grundwerte, die der EU zu Grunde lägen, zu besinnen. Eben die seien es, deretwegen Europa von Erdogan, Putin und auch den USA unter Druck gesetzt würde, erklärte Ederer: „Wir müssen aufstehen für unsere Werte, uns anstrengen und kämpfen“, sagte er mit Blick auf die Todesstrafen-Diskussion. An anderer Stelle wurde eine laizistische Auswertung gefordert, die Toleranz mit sich bringe. Einig war man sich, dass „die Menschenrechte nicht verhandelbar“ sein sollten.

Viele der Anwesenden vermissten ein europäisches Bewusstsein bei der nachkommenden Generation: „Sie sollen wissen, dass sie Europäer sind. Es fehlt an den starken Werten und deren Zusammenspiel“, sagte ein Redner. Applaus erhielt der Besucher, der fragte: „Wer entflammt das Feuer?“, aber auch der Beitrag eines der wenigen jungen Zuschauer. Der monierte, dass auch diese Veranstaltung wieder eine unter jenen Leuten sei, die ohnehin den Durchblick hätten – eine Elite-Veranstaltung sozusagen: „Ihr sprecht hier zu den falschen Leuten“, sagte er und trat damit die Diskussion über Elitenprojekte los. „Die Eliten müssen Angebote machen – ohne geht es nicht“, stellte Ederer mit Blick auf die Veranstaltungen des Auswärtigen Amts klar, das mit Vorträgen und Diskussionen versuche, Europa zu erklären.

„Es war die Kriegsgeneration, die Europa gründete. Dann rutschte es in die Hände der Verwalter, und jetzt sind wir in der Phase der Egoisten“, hieß es an anderer Stelle. Und weiter: „Wir brauchen neue Gründer. Wenn ein Auto in der Wartung zu viel Geld verschlingt, kauft man sich einen neues. Lasst uns ein neues Europa kaufen!“

Ederer stimmte dem insoweit zu, als dass Europa eines der größten Friedensprojekte seit dem 19. Jahrhundert sei. Frei nach dem Motto „Handel statt Krieg“. Deshalb spiele die wirtschaftliche Entwicklung eine immens große Rolle, sagte er mit sorgenvollem Blick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Süden Europas, namentlich Spanien und Griechenland. „Wir brauchen Mut und die Bereitschaft, daran zu arbeiten. Das wird nicht ohne Opfer gehen.“ Hinsichtlich einer europaweiten Sozialversicherung und der gemeinsamen Haftung für Staatsschulden prognostizierte er: „Deutschland wird wohl von seiner Macht und seinem Geld abgeben müssen.“ Aber man könne den europäischen Partnern auch sagen: „Gebt Euch europäischer, dann reden wir über Zahlungen.“

Alexandra Korimorth

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