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Heiß her ging’s beim Straßenfest 2019 nicht nur auf der Bühne. Zwei Männer mussten sich jetzt wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Vorfall auf dem Schlierseer Straßenfest 2019

Streit an der Bar: 20-Jähriger verurteilt

Bei der Pfandrückgabe an einer Bar auf dem Schlierseer Straßenfest sind 2019 ein Schlierseer (20) und ein Haushamer (30) heftig aneinander geraten. Nun standen beide vor Gericht.

Schliersee– Zu dem handfesten Streit kam es beim Straßenfest im Juni 2019 gegen 0.15 Uhr, wie die Polizei damals meldete. Der Schlierseer half an der Bar auf dem elterlichen Grundstück mit. Bei der Pfandrückgabe soll der 20-Jährige laut Anklage den Haushamer (30) als „scheiß Ausländer“ beschimpft haben. Dann habe er sein Gegenüber ins Gesicht geschlagen. Die Gegenreaktion: Der Haushamer soll daraufhin mit seiner Bierflasche zurückgeschlagen haben.

Zunächst schilderte der Schlierseer seine Version. Er war fürs Auffüllen der Getränke zuständig. „Ich habe viel getrunken während des Tages, etwa fünf Mass und ein paar Schnäpse“, gestand er. Spätabends sei der Haushamer mit Freunden an der Bar aufgetaucht, um Pfandflaschen zurückzugeben und Getränke zu kaufen. „Ich habe ihnen gesagt, dass es nichts mehr gibt. Außerdem hatten sie die falschen Pfandkärtchen dabei.“ Daraufhin seien die vier aggressiv geworden. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie das Grundstück verlassen sollen.“

Zwei Zähne waren abgebrochen

Von einer rassistischen Äußerung wollte der Schlierseer nichts wissen. Er habe sich lediglich zu dem Ausruf „Verpiss dich, du Hurensohn“ hinreißen lassen, was er sehr bereue. Da habe der 30-Jährige unvermittelt mit der Bierflasche zugeschlagen, woraufhin er das Bewusstsein verloren habe. „Als ich zu mir gekommen bin, lag ich auf dem Boden. Zwei meiner Zähne waren abgebrochen, einer ausgeschlagen.“ Familie und Freunde hätten dann die Polizei verständigt. Dem Befund der Zahnklinik zufolge kann der Schlierseer die Zähne nicht durch einen normalen Schlag verloren haben. Es muss ein harter Gegenstand im Spiel gewesen sein.

Anders klang die Darstellung des Haushamers. Mit seinem Cousin, seiner Freundin und weiteren Freunden habe er beim Schlierseer Straßenfest seinen Geburtstag anfeiern wollen. Als er an der Bar gewartet habe, um seine Flasche zurückzugeben, habe ihn der Schlierseer angeblafft: „Scheiß Kanake, kannst du nicht reden?“ Dann habe er ihn als „Hurensohn“ beschimpft. Plötzlich sei der 20-Jährige über die Bar auf ihn gesprungen, habe ihn an den Haaren gepackt, zweimal an die Schläfe geschlagen und zu Boden gerissen. Er selbst habe sich mit der Faust zu wehren versucht. Die Bierflasche habe er nicht in der Hand gehabt. Daraufhin seien Leute zusammengekommen, um die beiden zu trennen. „Fünf oder sechs Leute haben ihn gepackt, um ihn ins Haus zu bringen“, sagte der Haushamer über seinen Kontrahenten. „Einer musste ihm den Mund zuhalten, weil er nur noch schrie und drohte.“ Schließlich habe der 20-Jährige noch die Bar umgeworfen.

Rassistische Beschimpfungen

Sowohl drei Bekannte als auch Cousin und Freundin des Haushamers berichteten vor Gericht übereinstimmend von rassistischen Beschimpfungen durch den Schlierseer. Den Schlag mit der Flasche konnte kein Zeuge bestätigen, wohl aber, dass der Schlierseer den Streit begonnen habe. Womöglich habe er sich die Zähne ausgeschlagen, als er die Bar umriss, mutmaßte der Cousin (33).

Die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch für den Haushamer, da ihm ein Schlag mit der Flasche nicht nachzuweisen sei. Für den Schlierseer forderte sie 1500 Euro Geldbuße. Deutliche Worte fand der Verteidiger des Haushamers, Marc Duchon. Sein Mandant sei grundlos in die Sache hineingezogen worden, die Geldbuße für den Schlierseer ein Super-Sonderangebot: „Eigentlich sollte er in Arrest. Da lässt er sich den ganzen Tag volllaufen und beleidigt dann die Gäste.“ Duchon forderte, dem Haushamer einen Teil der Geldbuße als Schmerzensgeld zuzusprechen.

Richter: „Alkohol war wohl der Hauptverursacher“

„Der Alkohol war hier wohl der Hauptverursacher“, befand Richter Schmid. Er sprach den Haushamer frei. Ein Schmerzensgeld an ihn lehnte er ab, da der Haushamer auch aktiv in die Prügelei involviert war. Auch der Schlierseer kam milder davon: Er muss 1000 Euro Geldbuße bezahlen.

Stefan Gernböck

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