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Die beiden Grundstücke von oben: Michael Dürr will einen Supermarkt im Kurpark (vorne r.), Franz Schnitzenbaumer an der Dürnbachstraße (schräg links gegenüber).

Nach Vorstoß von Gemeinderat Michael Dürr

Supermarkt in Neuhaus: Jetzt präsentiert auch der Bürgermeister ein Konzept

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Jahrelang mussten die Neuhauser auf Neuigkeiten zu einem Nahversorger in ihrem Ort warten. Jetzt gibt es gleich zwei Konzepte - und bald einen Ideenwettbewerb.

Schliersee – Eine Überraschung kommt selten allein. Das dachten sich wohl auch die Neuhauser Bürger, die am Dienstagabend in großer Zahl in den Sitzungssaal im Schlierseer Rathaus drängten. Manche von ihnen mussten mit Stehplätzen auf dem Gang vorliebnehmen, um der Diskussion über die Ansiedlung eines Nahversorgers in ihrem Ort zu lauschen. Zu hören bekamen sie nicht nur Neuigkeiten über das Konzept von PWG-Gemeinderat und Bürgermeisterkandidat Michael Dürr, sondern auch einen weiteren Vorschlag: von Rathauschef Franz Schnitzenbaumer (CSU).

Ein Sachstandsbericht zum Thema Supermarkt stand zwar auf der Tagesordnung. Die meisten Besucher der Sitzung erwarteten davon aber eher eine Einschätzung zu Dürrs Vorstoß, mit dem dieser jüngst seine Ratsmitglieder – inklusive Bürgermeister – überrascht hatte. Doch weit gefehlt: Schnitzenbaumer zauberte seinerseits ein Ass aus dem Ärmel: ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück an der Dürnbachstraße, das für die Bebauung mit einem Nahversorger mit rund 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche in Frage kommen würde. Schon in der nächsten Bauausschusssitzung soll dafür eine Voranfrage vorliegen, kündigte Schnitzenbaumer an. Investor Josef Reichenberger, der zuletzt die „neue Ortsmitte“ in Hausham realisiert hat, sei interessiert.

Seit zwei Jahren sei er bereits mit der Erbengemeinschaft im Gespräch, berichtete der Rathauschef. Nachdem zwischenzeitlich sogar von einer Versteigerung die Rede war, hätten die Eigentümer sich auf eine Grundstücksteilung geeinigt. Somit stünden besagte 5000 Quadratmeter nun zum Verkauf. Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan könnte man damit die Nahversorgung sicherstellen – und gleichzeitig den schräg gegenüber liegenden Kurpark erhalten.

In eben diesem Areal hat bekanntlich Dürr seine Supermarkt-Idee verankert. Im Gemeinderat stellte sich nun der von ihm angekündigte Investor vor: Andreas Eißfeldt, Inhaber der gleichnamigen Wohn- und Gewerbebau GmbH aus Gunzenhausen. Der widersprach Behauptungen, wonach sich auf einem Grundstück von nur 2800 Quadratmetern wie im Neuhauser Kurpark ein Vollsortimenter wirtschaftlich nicht betreiben lasse. Zwei größere Filialisten hätten ihr Interesse für Neuhaus signalisiert. „Kleineren Einheiten gehört die Zukunft“, sagte Eißfeldt. So lasse sich auch auf einer Verkaufsfläche von nur 700 Quadratmetern die Grundversorgung abdecken –ohne kleinen Läden im Umkreis das Wasser abzugraben.

„Unser Angebot ist komplementär“, betonte Dürr. Mit sechs bis zwölf bezahlbaren Wohnungen im Obergeschoss könne man den „Neuhauser Dreiklang“ aus Nahversorgung, bezahlbarem Wohnraum und ortsverträglicher Gestaltung mit wenig Flächenversiegelung schaffen – und das richtig schnell. „Weihnachten 2020 können die Leute einkaufen“, kündigte Dürr an. Eißfeldt versicherte, dass er als Investor nur an einem Kauf des Grundstücks interessiert sei. Für ihn eine Garantie eines langfristig erfolgreichen Betriebs.

Gerhard Waas (Grüne) blieb skeptisch. „Sie müssen ja auch von etwas leben“, sagte er und gab in Bezug auf die geplanten Wohnungen zu bedenken, dass die Gemeinde so ein Vorhaben dank staatlicher Zuschüsse selbst wesentlich günstiger realisieren könnte. Jürgen Höltschl (CSU) hatte mehr mit dem Standort im Kurpark ein Problem. Viele Neuhauser hätten eine emotionale Bindung zu ihrer „grünen Oase“. Umso besser gefiel ihm der Vorschlag des Bürgermeisters. Die Lage sei etwas zurückversetzt, aber dennoch zentral.

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All das müsse man in Ruhe abwägen, fand Robert Mödl (Die Schlierseer). „Ich bin dankbar über jeden, der sich hier Gedanken macht.“ Er bat sowohl Dürr wie auch Schnitzenbaumer, das Thema nicht in den Wahlkampf hineinzuziehen, sondern objektiv zu diskutieren. Seine Ratskollegen ermahnte Mödl, Eißfeldt so fair zu behandeln, wie es ein an Schliersee interessierter Investor verdient.

Beide Bürgermeisterkandidaten gelobten, den „Ideen-Wettbewerb“ sachlich auszutragen. Schnitzenbaumer konnte sich aber eine Bemerkung zu Dürrs Alleingang nicht verkneifen: „Ein Investor sollte nicht nur mit einem Gemeinderat reden, sondern auch mit dem Bürgermeister.“ Eißfeldt verstand den Wink und drückte dem Rathauschef brav seine Visitenkarte in die Hand.

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