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Düstere Geheimnisse: Der Thriller „Im Nesseltal“ – im Bild eine Szene mit dem Schlierseer Schauspieler Ben Blaskovic als Nico (l.) – wurde in Bayrischzell gedreht. Bald soll er ins Kino kommen.

"Im Nesseltal": Ein Bayrischzeller und Schlierseer Film-Experiment startet durch

Blaskovic-Thriller könnte Sprung in die Kinos schaffen

Schliersee – Als sie ihren Independent-Thriller „Im Nesseltal“ bei Bayrischzell drehten, ging Schauspieler Ben Blaskovic voll auf Risiko. Es hat sich gelohnt...

Es war ein gewagtes Experiment. Auf einer Autofahrt entwickelten der Schlierseer Schauspieler Benedikt Blaskovic (27), seine Kollegin Jenny-Marie Muck aus München und der Regisseur Philipp J. Pamer aus Südtirol den Plot für einen Thriller: Einer der Gäste einer Geburtstagsfeier auf einer Berghütte verschwindet, stattdessen taucht ein bedrohlicher Fremder auf – klingt zunächst wie tausendmal gehabt, lebt aber von Spannungen unter den Protagonisten und bekommt gegen Ende eine völlig neue Wendung. 

Drei Wochen nach jener Autofahrt, im Dezember 2014, drehte das ambitionierten junge Team schon in einer Hütte in den Bayrischzeller Bergen, im Nesseltal, das dem Filmprojekt auch seinen Titel gab. Drei Tage lang, mit improvisierten Dialogen und ohne detaillierten Drehplan. „Wir wollten einen Schauspieler-Film machen“, erklärt Blaskovic – abtauchen in der Handlung, spontan agieren. „Auch der Kameramann wusste nicht, was im nächsten Moment passiert.“ 

Finanziert haben sie Dreh und Postproduktion mit Crowdfunding via Internet und Sponsoren, die sie sich in der Region suchten. Für den jungen Schlierseer Schauspieler, dessen Gesicht Fernsehzuschauern etwa aus den „Rosenheim Cops“ bekannt ist, war es der erste Gehversuch als Produzent. 

So kam der Film beim Festival an

Inzwischen liegt ein fertiger 82-Minuten-Spielfilm vor. Er feierte bei den Hofer Filmtagen nun Premiere. Das Festival zählt zu den wichtigsten Terminen der Filmszene in Deutschland. Das Experiment ist offenbar geglückt: Alle drei Vorstellungen des Thrillers „Im Nesseltal“ waren ausverkauft. „Die meisten Besucher waren sehr angetan“, sagt Blaskovic. Der Film wurde sogar für den Förderpreis Neues Deutsches Kino nominiert. Ein beachtlicher Erfolg für das Experiment, auch wenn den mit 10.000 Euro dotierten Preis am Ende eine andere Produktion bekam. 

So wirkt der Film

Der Film ist keine Schonkost. Man merkt ihm an, dass er ein Experiment ist, dass er schnell und in einem Durchgang gedreht wurde, ohne die Möglichkeit, Szenen zu wiederholen. Meist hat das zwar gut funktioniert, manchmal aber eben auch weniger, sagt Blaskovic. Echte Filmfans wissen gerade das zu schätzen. „Man spürt den Charme sehr direkt“, sagt der Schlierseer. Das nahmen offenbar auch Vertreter mehrerer Verleihfirmen so wahr, denn das Team brauchte die Interessenten für einen Vertrieb bei den Hofer Filmtagen gar nicht zu suchen: „Die kamen auf uns zu“, sagt Blaskovic erfreut. 

So kommt er ins Kino

Das Team hat nun mehrere Verhandlungspartner, um seinen Thriller ins Kino zu bringen. „Wir müssen die Angebote jetzt alle erst mal ordnen“, erklärt Blaskovic. Er geht davon aus, dass es fünf bis zehn Kopien geben wird, die dann an Kinos vertrieben werden. „Theoretisch könnte der Film im Frühjahr 2017 in die Kinos kommen“, meint Blaskovic. Der Traum des Teams wäre gerade angesichts der Handlung ein Kinostart gegen Ende des Jahres: im November oder Dezember, wenn es düster wird, nicht nur im Nesseltal. „Das wäre ein perfekter Zeitpunkt."

Katrin Hager

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