Austauschbedarf: Die Drehkreuze am Eingang zum derzeit geschlossenen Schwimmbad müssen ausgetauscht werden. Kosten: 30 0000 Euro.
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Austauschbedarf: Die Drehkreuze am Eingang zum derzeit geschlossenen Schwimmbad müssen ausgetauscht werden. Kosten: 30 0000 Euro.

Gemeinde hofft auf Staat

Tiefrote Zahlen in der Vitaltherme

Schliersee – Die Corona-Pandemie hat erwartungsgemäß den Betrieb der Vitaltherme in Schliersee noch tiefer in die roten Zahlen getrieben, als dies ohnehin jährlich der Fall ist. Statt eines Minus’ von 187 000 Euro stehen nun 288 000 Euro zu Buche. Die Gemeinde hofft nun auf staatliche Ausgleichszahlungen.

Eigentlich stellt Monte Mare, das im Auftrag der Gemeinde das Schwimmbad betreibt, den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr immer im Gemeinderat vor. Sonst kamen gerne drei Mann, diesmal hatte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) wegen der Corona-Beschränkungen darum gebeten, es bei einem Solo-Auftritt zu belassen. Letztlich kam jedoch kein Monte Mare-Vertreter. Einen Grund kennt auch der Bürgermeister nicht. Also trug Kämmerin Heidi Riesenthal die Quintessenz des Wirtschaftsplans vor.

Nur halb so viele Besucher im Schwimmbad wie im Vorjahr

Immerhin 44 200 Besucher sind im vergangenen Jahr noch in die Vitaltherme gekommen. Gar nicht so schlecht, angesichts zweier Lockdowns und Besucher-Obergrenze während der Öffnungsmonate Juli bis Oktober. Maximal 150 Personen durften sich gleichzeitig im Schwimmbad aufhalten, im Normalbetrieb wären es laut Monte Mare 300 gewesen. Der Vorjahreswert von 91 500 Besuchern war so natürlich nicht zu erreichen, und das wird heuer natürlich nicht anders sein.

Zwei Szenarien zur Öffnung: bei beiden sind die Zahlen tiefrot - aber die Gemeinde hofft

Zwei Szenarien hat Monte Mare im Wirtschaftsplan entworfen. Sollte eine Öffnung ab Mai möglich sein, so rechnet der Geschäftsbesorger mit einem Minus von 289 000 Euro, bei einem weiteren Monat erzwungener Schließung 321 000 Euro. Wohlgemerkt: Es handelt sich um Verluste, die einzig der Betrieb des Schwimmbads verursacht – ein Zuschussgeschäft, mit dem die Gemeinde von Beginn an kalkuliert hatte und das im Großen und Ganzen zumindest nicht komplett aus dem Ruder lief. Das höhere Minus hofft die Gemeinde vom Staat abgefedert zu bekommen, wie Schnitzenbaumer im Gemeinderat sagte. Da es sich bei dem Bad um einen Wirtschaftsbetrieb handelt, möchte das Rathaus die sogenannten Novemberhilfen (prozentuale Übernahme von Umsatzrückgängen) beziehungsweise die Überbrückungshilfen für die Monate Januar bis März anzapfen, die sich an den Fixkosten orientieren.

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Vitaltherme in Schliersee: Nach über zehn Jahren Betrieb tauchen immer mehr Mängel auf

Auf einem anderen Blatt stehen derweil die Kosten für das Beheben größerer Mängel. Monte Mare listet als Investitionsplan für heuer 65 000 Euro für Schönheitsreparaturen, die Ersatzbeschaffung von Mobiliar oder auch den Austausch von Elektrolysezellen auf. Noch einmal obendrauf kommen die Kosten für neue Schlösser in den Umkleiden nebst Transpondern (43 000 Euro) sowie neue Drehkreuze am Ein- und Ausgang (30 000 Euro). Die alten Systeme werden nicht mehr hergestellt, folglich ist für kaputte Schlösser/Transponder kein Ersatz mehr aufzutreiben. Dieser Posten war eigentlich schon für 2020 vorgesehen und fiel der Pandemie zum Opfer. Irgendwann muss Schliersee zudem das große Schwimmbecken sanieren, was noch einmal mindestens rund 100 000 Euro kosten dürfte. Laut Monte Mare hält sich der Wasserverlust aktuell aber in vertretbaren Grenzen. Auch für diesen Posten eruiert das Rathaus Fördermaßnahmen.

„Beschwerden der Gäste nehmen zu“

Der Sanierungsbedarf des Bads, das auch schon mehr als zehn Jahre in Betrieb ist, wird wohl steigen, heißt es von Monte Mare. Selbst wenn die Anlage gemessen an seinem Alter in einem guten Zustand sei, heißt es wörtlich: „Insbesondere nehmen die Beschwerden der Gäste zu.“

Den Wirtschaftsplan für das Bad – für das Gesamtgebäude Vitalwelt gilt wiederum eine eigene Rechnung – segnete der Gemeinderat ohne Diskussion einstimmig ab.

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