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Erschütternd! Dieses und ähnliche Bilder wurden dem Tierschutzverein im Mai 2016 zugespielt. Es zeigt die angeketteten Tiere in dem dunklen Schupfen. 

Rettungsaktion „wie in einem Krimi“

Tierdrama am Schliersee: Kutschpferde fristen grausames Dasein

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Zwei Kutschpferde waren Monate in einem dunklen Schupfen am Schliersee angekettet - dann sollten sie nach Russland zum Schlachter. Tierschützer starteten eine Rettungsaktion...

Schliersee/Fischbachau – Noch heute schüttelt Johanna Ecker-Schotte (56), Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, ungläubig den Kopf, wenn sie auf die Bilder schaut, die ihr vor ziemlich genau einem Jahr zugespielt wurden. Darauf sind zwei Pferde zu sehen, angekettet in einem Schupfen. Ohne Streu und ohne Tageslicht. „Dabei ist Ständerhaltung bei uns eigentlich verboten“, sagt Ecker-Schotte. „Die Tiere waren in einem erschütternden Zustand.“ Gemeinsam mit ihrem Verein nahm die Rottacherin den Kampf um den Wallach und die Stute auf – er sollte am Ende ein Dreivierteljahr dauern.

Die beiden Pferde waren in einem erbärmlichen Zustand.

Die Tierschützer schalteten zunächst das Veterinäramt ein, das – so berichtet Ecker-Schotte – Kontrollen in den Stallungen im Gemeindebereich Schliersee durchführte, verschiedene Auflagen machte und sich schließlich darum bemühte, dass der Besitzer die beiden einstigen Kutschpferde freiwillig aus der Hand gibt. „Dem Besitzer der Pferde wurde klargemacht, dass eine weitere Unterbringung in diesem Stall nicht länger geduldet werden kann“, bestätigt Gerhard Brandl als Sprecher des Landratsamtes.

Auf dem Weg zum Schlachthaus: Transport in Traunstein gestoppt

Im Dezember dann sah es endlich danach aus, als habe der Halter ein Einsehen und verkaufe die Tiere an einen guten Platz. Doch weit gefehlt: In letzter Sekunde ereilte den Tierschutzverein die Nachricht, dass die beiden Kutschpferde für 100 Euro an einen Viehhändler verschachert wurden. „Was dann folgte, war wie ein Krimi“, erzählt Ecker-Schotte.

Die Pferde befanden sich bereits in Traunstein und sollten weiter bis zu einem Schlachthaus in Russland gebracht werden, als die Rottacherin den Käufer telefonisch stoppen konnte. „Es gelang uns schließlich, die Pferde auszulösen“, berichtet Ecker-Schotte. Für einen gewissen Preis war der Händler sogar bereit, die Tiere zurück in die Heimat zu liefern.

Pferde blühen in der neuen Heimat so richtig auf

Zwischenzeitlich machte der Verein ein Übergangs-Domizil in Hundham klar, wo die beiden geretteten Tiere erst einmal unterkommen konnten. „Wir haben da ein super Netzwerk, die Leute haben uns toll geholfen“, erzählt Ecker-Schotte. Am 6. Januar schließlich – dem Dreikönigstag – zogen die Rösser in ihre endgültige neue Heimat um.

Mittlerweile sind der Wallach und die Stute kaum wieder zu erkennen: In ihrer neuen Heimat - auf dem Hof von Christine und Sebastian Lechner (v.l.) - blühen die beiden Pferde so richtig auf. Sehr zur Freude von Johanna Ecker-Schotte (r.). 

Der Tierschutzverein hat sie in einem Hof im Fischbachauer Ortsteil Hub untergestellt. Dort kümmern sich seither Christine Lechner und ihr Mann Sebastian liebevoll um die Rösser, für die sie eigens einen Ziegenstall umgebaut und eine Koppel abgetrennt haben.

„Den Pferden geht’s mittlerweile super – vor allem die Stute ist so richtig aufgeblüht“, erzählt Christine Lechner. Als sie auf dem Hof ankamen, seien die Tiere verängstigt gewesen und hätten die Köpfe hängen lassen, nun seien sie kaum wieder zu erkennen, freut sich die Fischbachauerin. „Erstaunlich, wie schnell sie wieder Vertrauen gefasst haben zu uns Menschen.“ Auch die Hufeisen der Pferde, die bereits in die Hufe eingewachsen waren, seien mittlerweile entfernt worden. Die Tiere dürfen nun einfach ihre Leben genießen.

Rettung war für Verein auch ein symbolischer Akt

Ecker-Schotte weiß, dass die Rettungsaktion aufwendig und auch kostspielig war. Für sie gab es aber keine Alternative. „Diese Rettung war für mich auch eine symbolische Handlung. Sie steht für die vielen Tiere, die von ihren Besitzern ausrangiert werden und dann als Schlachttiere quer durch Europa gekarrt werden.“ Dieser Fall nahm für die Tiere ein glückliches Ende. „Und er zeigt mir, dass es sich lohnt weiterzumachen“, sagt Ecker-Schotte.

Doch wie weit wären notfalls die Behörden gegangen, wenn sich nicht die Tierschützer erfolgreich eingeschaltet hätten? Brandl liefert dazu eine allgemeine Aussage: Bei „erheblicher Vernachlässigung der Tiere in Haltung und Pflege“ bestünde die Möglichkeit, die Tiere dem Besitzer wegzunehmen und wenigstens vorübergehend in sichere Hände zu geben.

gab

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