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Heiß begehrt: Plätze in Kita und Hort (Symbolfoto).

Kapazitätsengpässe in Kinderbetreuung

Trotz Ausbau: Krippenplätze in Schliersee schon wieder knapp - Warteliste wächst

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Schon wieder sind die Krippenplätze in Schliersee knapp. Bereits jetzt gibt es eine Warteliste. Ein kurzfristiger Ausbau der Kapazitäten ist laut Gemeinde nicht möglich.

Schliersee - Keinesfalls untätig war die Marktgemeinde Schliersee in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Kapazitäten in Sachen Kinderbetreuung. Und doch zeichnet sich schon jetzt ab, dass im Herbst wohl nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden können. Schon jetzt stünden knapp 15 Kinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz, berichtete Kämmerin Heidi Riesenthal jüngst im Gemeinderat. Zwar könne sich bis September noch einiges ändern, „aber es ist schon ein erster und wichtiger Fingerzeig“, fügte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) an.

Stand jetzt gibt es laut Riesenthal in Schliersee drei Krippengruppen in drei verschiedenen Einrichtungen. 43 Plätze könne man so anbieten. Angesichts des immer weiter steigenden Betreuungsbedarfs würden diese aber wohl wieder nicht reichen. Entspannter schaut die Lage hingegen bei den Kindergärten aus. Mit 212 Plätzen in neun Gruppen von vier Einrichtungen gehe hier niemand leer aus, erklärte die Kämmerin.

Anmeldeplus liegt nicht an mehr Geburten, sondern an mehr Betreuungsbedarf

Sie betonte einmal mehr, dass das Plus an Anmeldungen nicht auf eine steigende Geburtenrate zurückzuführen sei. Diese habe sich laut Melderegister zuletzt kaum verändert. Vielmehr gebe es einfach immer mehr Familien, die ihren Nachwuchs schon im Alter von nur wenigen Wochen bis Monaten in die Krippe geben würden. Beispielsweise, weil beide Eltern aus finanziellen Gründen schnell wieder arbeiten müssten. Ein bayernweiter Trend, betonte Riesenthal. So habe sich hier der Betreuungsbedarf für Kinder im Krippenalter binnen kurzer Zeit von 28,5 auf 45 Prozent erhöht.

Lesen Sie auch: Kinderbetreuung: Schliersee von Anmeldungen überrollt

2007 sei in Schliersee eine Kindergartengruppe frei gewesen, erinnerte sich der Bürgermeister. Die Idee, den Raum mit einer Kleinkindbetreuung zu füllen, sei damals noch belächelt worden. „Man hat uns gesagt, dass so etwas auf dem Land nicht nachgefragt wird“, erzählte Schnitzenbaumer. „Jetzt steigt der Bedarf von Jahr zu Jahr.“

Gemeinderäte fordern Strategie

So weit zur Diagnose. „Aber was wollen wir dagegen tun? Haben wir eine Strategie?“, fragte Babette Wehrmann (Grüne). Da man nicht von heute auf morgen eine Einrichtung neubauen oder erweitern könne (ganz zu schweigen von der ebenfalls schwierigen Suche nach geeignetem Personal), versuche man, zusammen mit anderen Gemeinden und der Jugendbehörde am Landratsamt andere Formen der Betreuung zu finden, erklärte Schnitzenbaumer. Als Beispiel nannte der Rathauschef Tagesmütter, die auch das Landratsamt aktiv suche.

Sibylle Strack-Zimmermann (Grüne) empfahl, das Problem auch von der anderen Seite anzugehen, nämlich mit der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Nicht zuletzt wegen der hohen Mieten seien etliche Frauen gezwungen, früh wieder arbeiten zu gehen, sagte Strack-Zimmermann und machte klar: „Wir müssen hier tätig werden.“  

sg

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