Cristiano und Marinela Gusandra
+
Allerhand Köstlichkeiten aus dem Meer bieten Cristiano und Marinela Gusandra in ihrem neuen Aqua Ristorante im Haus Wendelstein in Schliersee.

„Angriff ist die beste Verteidigung“

Trotz Corona: Neues Ristorante in Schliersee eröffnet

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Während andere ums Überleben kämpfen, legt Cristiano Gusandra einen Neustart hin. Trotz Corona-Auflagen hat der 45-Jährige in Schliersee sein neues Ristorante eröffnet. 

Schliersee – Wie ein Tsunami ist die Corona-Pandemie über die Gastro-Branche hinweggerollt. Nur gut im Ort verankerte Lokale schaffen es, dem Untergang zu entgehen. Wo andere Wirte angesichts der unruhigen See lieber im sicheren Hafen bleiben, hat Cristiano Gusandra die Segel gesetzt. Nach 17 Jahren im niederbayerischen Bäderdreieck brach er mit seiner Frau auf zu neuen Ufern: ins Haus Wendelstein am Schliersee. Dort hat der Gastronom mit neapolitanischen Wurzeln kürzlich sein neues Aqua Ristorante eröffnet.

„Angriff ist die beste Verteidigung“, sagt Gusandra und lacht. Sturmerfahren ist der 45-Jährige durchaus. Im Huckenhamer Stadl am Campingplatz in Bayerbach bei Bad Griesbach war er ständig wechselnde Wasserstände gewohnt. Von April bis Oktober wurde er von Urlaubs- und Kurgästen überflutet, im Winter herrschte Ebbe. Die Folgen spürte Gusandra nicht nur in der Kasse, sondern auch beim Personal. Immer wieder musste er sich nach Angestellten umschauen.

Um endlich in ruhigeres Fahrwasser zu kommen, ist Gusandra mit seiner Frau Marinela nach Schliersee gekommen. Hier verspricht sich der Wirt durch Urlauber, Tagesausflügler und Einheimische ein gutes Ganzjahresgeschäft. Wobei: Auch das Haus Wendelstein war zuletzt kein Garant für Stabilität. Die letzten Pächter, Jannett und Florian Seyfried, sperrten nach einem Dreivierteljahr wieder zu. Seit Januar stand das Lokal für bis zu 85 Gäste im Innenbereich und bis zu 50 auf der Terrasse leer. Angesichts der Unsicherheit durch die Corona-Krise rechnete wohl kaum jemand mit einer baldigen Wiedereröffnung. Doch dann kam Gusandra.

Lesen Sie auch: Trotz Corona-Lockerungen: Gastronomen in Miesbach und Schliersee weiter in Sorge

Beim Skiurlaub im Januar am Spitzingsee habe er den Ort zwischen Bergen und See kennengelernt, erzählt der Wirt, der in Berlin aufgewachsen und dort auf die Hotelfachschule gegangen ist. Schnell habe er bemerkt, dass der Gastro-Szene noch ein entscheidendes Teil fehlt: ein italienisches Ristorante. „Das ist etwas ganz anderes als eine Pizzeria“, betont Gusandra. Denn statt des beliebten Klassikers aus dem Ofen serviert der 45-Jährige lieber Fisch und feine Pasta.

Seine Speisekarte bestehe zu 70 Prozent aus Spezialitäten aus dem Wasser, sagt Gusandra. Fisch und Meeresfrüchte lässt er sich frisch aus Grado liefern. Doch auch Fleischesser sollen im Aqua Ristorante fündig werden. „Wir machen Vitello Tonato“, versichert der Gastronom schmunzelnd. Verarbeitet werden aber nur Kalb und Rind. Von Steaks lässt Gusandra bewusst die Finger. „Das können andere im Ort besser“, sagt er. Überhaupt habe er sich bewusst eine Lücke im Angebot gesucht, um keine Konkurrenz zu anderen Lokalen aufzubauen.

Lesen Sie auch: Kein Pool, kein Buffet: Wie Urlaub am Spitzingsee trotz Corona schön wird

Sogar bei den Öffnungszeiten passte sich der Wirt den anderen Lokalen an. Weil die meisten am Montag Ruhetag haben, lässt er sein Ristorante lieber am Dienstag und Mittwoch zu. An allen anderen Tagen ist er mittags und abends für seine Gäste da.

Sein Verpächter Dominik Wedell dankt dabei auch der Marktverwaltung im Rathaus. Die habe unbürokratisch angeboten, die Freischankfläche in Corona-Zeiten auszuweiten. „Eine super Unterstützung“, schwärmt Wedell. Auch sonst sind er und sein Pächter guter Dinge, dass sich das Ristorante dauerhaft in Schliersee etabliert. Zumindest sei er hier nicht nur von Urlaubern abhängig, sondern könne auch Einheimische und Tagesausflügler bekochen.

Lesen Sie auch: „Es geht um Existenzen“: Task Force Tourismus berät über Corona-Lockerungen

Gusandras Frau übrigens ist das gute Herz im Service. Und auch sie hat Erfahrung auf hoher See, sagt ihr Mann: „Sie hat auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neuer Spielplatz mit Verzögerung am Lindenplatz
Die Stadt Miesbach setzt ihre Spielplatzsanierung fort. Die Anlage, die nun erneuert wurde, ist der Spielplatz am Lindenplatz/Ecke Badstraße. Dort sind die Bauarbeiten …
Neuer Spielplatz mit Verzögerung am Lindenplatz
Absturz am Sudelfeld: Gleitschirmflieger (60) schwer verletzt
Ungeplante Landung mit schlimmen Folgen: Am Sudelfeld ist ein 60-jähriger Fischbachauer mit seinem Gleitschirm abgestürzt. Er verletzte sich schwer.
Absturz am Sudelfeld: Gleitschirmflieger (60) schwer verletzt
Perfekte Saatmischung: Blühflächen an Miesbachs Straßen so bunt wie nie
Was für ein Anblick aus dem Autofenster: So bunt wie nie blüht es derzeit auf den Verkehrsinseln an Miesbachs Straßen. Der Grund: eine ganz besondere Saatmischung.
Perfekte Saatmischung: Blühflächen an Miesbachs Straßen so bunt wie nie
Technischer Defekt verursacht Brand auf der Huberspitz
Es passierte mitten in der Nacht: Die Heizungsanlage einer Alm auf der Huberspitz bei Hausham geriet in Brand.
Technischer Defekt verursacht Brand auf der Huberspitz

Kommentare