Wieder mieten? Mit dem Eigentümer verhandelt der TSV Schliersee jetzt über das alte Sportheim.
+
Wieder mieten? Mit dem Eigentümer verhandelt der TSV Schliersee jetzt über das alte Sportheim.

Verhandlung über neuen Mietvertrag

TSV Schliersee und Eigentümer des alten Sportheims vor Gericht

  • Nina Gut
    vonNina Gut
    schließen

Schliersee – Der TSV Schliersee hat ein schönes neues Vereinsheim. Doch noch immer gibt es Ärger um das alte, das direkt daneben liegt. Der Eigentümer, der das Grundstück einst an den Verein vermietet hatte, fordert von diesem rund 40 000 Euro für eine Sanierung des alten Fußballerheims, möglicherweise auch für einen Abriss. Außerdem möchte er mehr als nur ein Notwegerecht zu seinem Inselgrundstück.

Denn um dorthin zu kommen, muss er über Grundstücke des TSV. Gestern trafen sich die Parteien vor dem Landgericht München II. Noch ohne Ergebnis, die Parteien sollen weiterverhandeln.

Anwältin: „Die Chemie ist schon seit Jahren schlecht“

Der Vorsitzende Richter Andreas Zeug war der Ansicht, dass die Sache nicht urteilsreif ist. Er bemühte sich, die Streithähne zu einer gütlichen Einigung zu bewegen. „Es stellt sich die Frage, ob mit ein bisschen Kreativität Lösungen vorstellbar sind, mit denen alle zufrieden sind.“ Er lotete erst einmal die Chemie aus. Doch da schaut es offenbar nicht gut aus. „Die Chemie ist schon seit Jahren denkbar schlecht“, sagte Birgit Baudisch, die Anwältin des TSV.

Der Vorsitzende versuchte trotzdem sein Glück – und fragte den Kläger, den Eigentümer von Unterschwaig ganz in der Nähe, ob er sich einen Verkauf vorstellen könnte; dann wäre ein für allemal Ruhe. „Nein“, antwortete der Grundeigentümer. Der Trend gehe zu Investitionen in Grund und Boden. „Warum soll ich in die andere Richtung gehen?“ Er ließ sich aber dann doch auf den Gedanken ein, so er sich bei einem Verkauf wieder „etwas Adäquates“ kaufen könne, sagte er.

Verein wollte kaufen, aber Eigentümer wollte nicht

Hubert Strobl, Abteilungsleiter der Sparte Fußball, betonte, dass er sofort zugreifen würde. „Wir wollten schon mal kaufen“, sagte er, „aber der Kläger sagte das Gleiche wie jetzt: Der Bauer verkauft nicht.“ Strobl machte aber einen anderen Vorschlag: Der TSV Schliersee würde das Grundstück wieder mieten. Dann würde man aber alle Leitungen (Wasser, Strom) abbauen und das Gebäude als schlichtes Lager nutzen. Der Kläger war nicht abgeneigt.

Altes Sportheim: Aufgerufener Preis zu hoch

Beide Möglichkeiten scheinen also inzwischen denkbar. Der Knackpunkt ist nun der Preis. Der Landwirt sprach von 15 000 Quadratmetern. Bei den heutigen Grundstückspreisen würde da schon „eine Summe zusammenkommen“. Der Vorsitzende warf einen Kaufpreis von 100 000 Euro in den Raum. Das hielt der Grundstückseigentümer prinzipiell für denkbar. Er müsse aber auch noch mit seinem Hofnachfolger darüber reden. Strobl aber winkte bei diesem Betrag ab. Schon der Abriss des alten Vereinsheims koste 30 000 Euro. Also könne man nur rund 50 000 Euro zahlen. Rechtsanwältin Baudisch ergänzte, dass der Verein eine neue Turnhalle in Neuhaus baue und eigentlich kein Geld habe.

Unter Umständen mietet Verein das Sportheim zurück

Dann wurde übers Vermieten diskutiert. „Das ist charmanter, als irgendwelche Urteile zu sprechen“, sagte der Vorsitzende Richter. Der Anwalt des Landwirts, Professor Walter Beck, berichtete von Mietverhandlungen mit einer Physiotherapeutin. Dafür müsste man das Heim herrichten. Doch dem widersprach Baudisch. Das Vorhaben liege im Außenbereich und sei nicht privilegiert. Der Gemeinderat habe es abgelehnt (siehe Kasten).

Anwältin Baudisch zeigte sich aber aufgeschlossen dafür, noch einmal auf Rechtsbeistands-Ebene zu verhandeln. Eine Miethöhe wie für eine Physiotherapeuten-Praxis könne der Verein aber nicht zahlen. Strobl selbst schwebt ein Preis vor, der unterhalb des alten liegt.

Anwälte sollen nach Einigung suchen

Nun wollen beide Parteien versuchen, doch noch außergerichtlich zusammenzukommen. „Sie wirken jetzt beide nicht unflexibel“, sagte der Vorsitzende Richter. Beide Seiten schmunzelten bei diesem Satz vor sich hin. Doch keiner widersprach. Der Vorsitzende gab ihnen mit auf den Weg, sich „vom Streitgegenstand zu lösen und in die Zukunft zu blicken“. Und wünschte „viel Erfolg“. Sie haben nun Zeit bis zum 12. April. Sollten sie sich bis dahin nicht geeinigt haben, entscheidet das Gericht, wie es weitergeht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare