Wenn’s nach dem Winter wieder grünt, geht’s los: Die Turnhalle auf dem Schulgelände in Neuhaus wird erst nächstes Jahr gebaut. Sie wird parallel zur Waldschmidtstraße (l.) entstehen.
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Wenn’s nach dem Winter wieder grünt, geht’s los: Die Turnhalle auf dem Schulgelände in Neuhaus wird erst nächstes Jahr gebaut. Sie wird parallel zur Waldschmidtstraße (l.) entstehen.

TSV Schliersee

Turnhalle: Noch mal ein halbes Jahr später - Baustoffmangel, Gesetze und Klagen bremsen Vorhaben aus

Der Neubau der Schlierseer Turnhalle wurde erneut verschoben - Spatenstich Frühjahr 2021. Mehrere Faktoren bremsen das Vorhaben aus.

Schliersee – Dieser Beschluss ist pandemiebedingt etwas untergegangen: Schliersee hat den Neubau der Turnhalle auf dem Schulgelände in Neuhaus verschoben. Nicht heuer im Herbst soll der Spatenstich erfolgen, sondern erst im Frühjahr 2022. Ein weiteres Glied in einer schier endlos wirkenden Kette von Verzögerungen.

Es ist zum Verzweifeln. Am Willen, die seit Jahrzehnten erwünschte, vollwertige Turnhalle zu bauen, hat es zuletzt sicher nicht gemangelt. Schließlich war der Gemeinderat mit der Umsiedlung der letzten Grundschulklassen von Schliersee nach Neuhaus die Verpflichtung eingegangen, der Grund- und Mittelschule eine vernünftige Sporthalle hinzustellen – also eine mit einem vollwertigen Spielfeld (20 mal 40 Meter), nicht einen besseren Gymnastikraum, wie er dort besteht. Doch immer wieder kam es zu Verzögerungen. Die größte stellte eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan dar. Jahre gingen ins Land, bis das Verwaltungsgericht entschied. Dabei kam der Gemeinde zupass, dass die Lärmschutz-Grenzwerte angepasst wurden.

Als die Gemeinde durchstarten wollte, grätschte die Gesetzgebung dazwischen. Auch die Planungsleistungen mussten ausgeschrieben werden. Weitere Monate der Verzögerung. Immerhin: Das beauftragte Architektenbüro G&O aus Geretsried konnte auf die Entwürfe von Heinz Blees zurückgreifen, der den Bebauungsplan-Prozess für die Gemeinde begleitete.

Über neun Millionen Euro für den Bau der Turnhalle in Schliersee - Einsparungen enhalten

Doch neben der zeitlichen Verzögerung musste Schliersee noch andere Nackenschläge hinnehmen. Nicht nur einmal schossen die Kosten in die Höhe – auf über neun Millionen Euro, so die jüngste Berechnung. Wohlgemerkt: Die Einsparungen, um die sich die Gemeinde bemüht hat, sind da schon berücksichtigt. Wie berichtet, war zum Beispiel auf ein Fensterband am Dach verzichtet worden. Die jüngsten Preissteigerungen in der Baubranche hätten die Einsparungen wieder aufgefressen, sagt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) auf Anfrage.

Hinzu kommen der Baustoffmangel und die Vollauslastung der Baufirmen. Vielerorts bekommen Städte und Gemeinden nur noch überteuerte Angebote auf ihre Ausschreibungen – oder gleich gar keine mehr. Dies hat die Schlierseer dazu bewogen, auf eine schnelle Realisierung zu verzichten und einen Baubeginn im nächsten Frühjahr anzustreben. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorgehen im Mai zu. Die Sitzung während des Lockdowns hatte Schnitzenbaumer rein nicht öffentlich angesetzt.

„Die Verschiebung fand in Abstimmung mit uns statt und wird von uns auch befürwortet“, sagt Wolfgang Schauer, der als einer der Vertreter des TSV Schliersee an den 14-tägigen Besprechungen teilnimmt. Bekanntlich bildet der Sportverein mit der Gemeinde eine Bauherrengemeinschaft. Beide Seiten finden nur wohlwollende Töne füreinander. Schauer bestätigt: „Unsere Wünsche werden gut aufgenommen.“ So bekommt der Verein einen eigenen Raum nahe der Tribüne und Platz für eigene Geräte.

Verein zahlt 300 000 Euro, Landessportverband steuert 1,3 Millionen bei, Staat 2,26 Millionen Euro

Die Gemeinde wiederum ist froh über die Expertise, die die Sportler mit einbringen, wie Geschäftsleiter Jörn Alkofer zuletzt auch im Gemeinderat sagte. Insbesondere sei hier Klaus Leitner zu nennen, sagt Schauer. Als erfahrener Bauleiter und jemand, der sich schon viele Jahre mit der Turnhalle befasst, könne er – so Schauer sinngemäß – oft mit Antworten dienen, wo andere noch nach der richtigen Fragestellung suchen.

Der TSV redet derweil nicht nur mit, sondern zahlt auch. Rund 300 000 Euro musste der Verein an Eigenanteil auftreiben, um eine Förderung über den Bayerischen Landessportverband zu bekommen. Über diese Schiene fließen fast 1,3 Millionen Euro in das Projekt. Seinen Teil hat der TSV Schauer zufolge über eine Beteiligung des Turnvereins, private Spenden und den Förderverein Sporthalle aufgetrieben. Die Gemeinde hofft laut Finanzplan auf staatliches Geld in Höhe von 2,26 Millionen Euro.

Mit dem späteren Baubeginn verschiebt sich auch die Fertigstellung um ein halbes Jahr in den Sommer 2023. Erst dann hat das Vagabundieren des TSV ein Ende. Derzeit nutzen die Sportler insgesamt sieben verschiedene Hallen in Schliersee, Hausham und Miesbach. Die Sehnsucht nach einer eigenen Heimat: Die wird sich noch mal etwas später erfüllen, aber die Planung läuft unbeirrt fort.

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