Gefälschte Euro-Banknoten
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Gefälschte Euro-Banknoten werden immer wieder sichergestellt.

Dilettantisches Vorgehen

Um Prostituierte zu bezahlen: Schlierseer (35) druckt Falschgeld - und wird erwischt

Geld oder Liebe? Ein 35-jähriger Schlierseer wollte das eine mit dem anderen bezahlen- und wurde dabei zum Geldfälscher. Sonderlich geschickt stellte er sich aber nicht an...

Schliersee– Der Fall, der jetzt in Miesbach verhandelt wurde, erscheint kurios, ja bizarr. Vor dem Schöffengericht saß ein 35-jähriger Schlierseer. Laut Anklage soll er im September vergangenen Jahres ein Treffen mit einer Prostituierten vereinbart haben. Weil ihm aber das nötige Geld fehlte, kam er auf die Idee, 300 Euro selbst herzustellen. In den Räumen seines Arbeitgebers lud er sich abends eine Vorlage für 100-Euro-Scheine aus dem Internet und druckte diese aus – auf gewöhnlichem Kopierpapier. Wegen des bevorstehenden Treffens in Eile, fiel das Ergebnis wenig fachmännisch aus. „Zwei Scheine sind identisch und geben jeweils die Rückseite eines alten 100-Euro-Scheins wieder“, sagte Richter Walter Leitner. Das dritte Exemplar war noch dilettantischer fabriziert: Der Fälscher hatte nicht wie bei den anderen Scheinen Vorder- und Rückseite auf ein Blatt kopiert, sondern sie getrennt auf zwei Blätter gedruckt und dann zu einem Exemplar zusammengeklebt. Der Zuschnitt fiel so schlampig aus, dass von der 100 links unten nur eine Null übrig blieb. Dafür stand rechts ein weißer Papierrand. „Es sieht so aus, als ob sie bei diesem letzten Schein einfach die Nerven verloren hätten“, meinte Leitner, was der Angeklagte zugab.

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Das Falschgeld wechselte dann beim vereinbarten Treffen auf dem Parkplatz an der Spitzingstraße den Besitzer – in einem Umschlag. Ebenfalls kurios: Die Dame legte ihn, ohne hineinzusehen, in die Mittelkonsole ihres Wagens und stellte die Täuschung erst tags darauf fest. Der Zuhälter der Frau habe den Freier dann per WhatsApp aufgefordert, seine Schuld mit echtem Geld zu begleichen. Das tat er dann mit einem Lohnvorschuss auf dem Rastplatz Irschenberg. Als einen „Riesenblödsinn“ bezeichnete der Angeklagte selbst sein Tun. „Es tut mir sehr leid.“

Verteidiger Max-Josef Hösl erklärte, dass sein Mandant auf 21 000 Euro Schulden sitze. Der Schlierseer habe lediglich die Prostituierte täuschen wollen, aber nie die Absicht gehabt, Falschgeld herzustellen und in Verkehr zu bringen. Richter Leitner mutmaßte, dass der Angeklagte wohl dachte, die Frau werde ihren Liebeslohn schon nicht einklagen.

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So schlecht die Fälschungen auch waren, es handelt sich dennoch um Falschgeld, führte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer aus. Der Angeklagte habe die Scheine als echtes Geld ausgegeben und erhebliche kriminelle Energie zu einem sehr eigennützigen Zweck gezeigt. Strafmildernd könne sich allenfalls die geringe Menge auswirken. Sie forderte acht Monate Haft auf Bewährung und 3000 Euro Geldstrafe.

Um Milde bat Verteidiger Hösl, da die Blüten nicht in Umlauf gebracht worden seien. Auch wies er auf die beruflichen Konsequenzen für seinen Mandanten im Falle einer Verurteilung hin und plädierte auf Freispruch mit Geldbuße. Das Schöffengericht erkannte schließlich einen „minder schweren Fall“ von Geldfälschung und verurteilte den 35-Jährigen zu 160 Tagessätzen à 40 Euro.

Von Stefan Gernböck

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