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Weiße Hügel auf grünen Wiesen: Die Beschneiung der Skihänge, hier am Oedberg, schon im November ist umstritten.

Fällt das Schneekanonen-Verbot im November bald?

Wegen verbotenem Beschneien: Bürger will Skigebiete anzeigen

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Landkreis - Mehrere Skigebiete im Landkreis beschneiten verbotenerweise bereits vor dem 15. November. Ein Landkreisbürger will nun Anzeige erstatten. Derweil könnte das Verbot selbst bald fallen.

Ab Freitag laufen die Lifte am Sudelfeld, ab Samstag überm Spitzingsee. Hirschberglifte und Oedberg werden bald folgen - im Gegensatz zu allen anderen Skigebieten im Landkreis. Der Grund: Diese vier Skigebiete haben sich bewaffnet - mit Schneekanonen. Recht teure Geräte - eine Kanone kostet bis zu 50.000 Euro, die Leitungen nicht mitgerechnet -, die auch recht viel Strom und Wasser verbrauchen. Ihr einziger Zweck: Schnee produzieren - so früh und viel wie möglich. Umweltschützern ist die Beschneiung deshalb schon lange ein Dorn im Auge. Nicht nur wegen des Energie- und Wasserverbrauchs, auch sich Flora und Fauna in den Skigebieten nachhaltig verändere. 

Andererseits: Nur mit ihrer hochtechnisierten Armada, schaffen es diese vier Gebiete im Landkreis vor Weihnachten in Betrieb zu gehen. Während alle anderen - Wallberg, Wendelstein und alle kleinen Schlepper - auf himmlische Gnade angewiesen sind und wohl noch lange auf das weiße Gold warten müssen. Letztere haben, wenn man so will, den Krieg gegen das launische Wetter längst aufgegeben, während die anderen mit allen Mitteln weiterkämpfen. 

Nur ein Mittel ist eigentlich nicht erlaubt: Nämlich das Beschneien schon Anfang November. Die Genehmigungsbescheide, die die Skigebiete vom Landratsamt Miesbach für ihre Schneekanonen bekommen haben, erlauben den Betrieb erst ab 15. November. Das steht da recht deutlich drin. Von einem erlaubten Probebetrieb - denn das war die Erklärung der Skigebiete für die verfrühte Beschneiung - steht da allerdings nichts. Trotzdem wurde schon vorher fleißig beschneit - in mehreren Skigebieten im Landkreis. Unsere Zeitung beleuchtete den Fall. Der Bayerische Rundfunk griff unsere Recherche ebenfalls auf. Und inzwischen ist einiges ins Rollen gekommen.

Als wir zum ersten Mal über das Thema berichten, teilte Birger Nemitz, Sprecher des Landratsamts, mit: Bevor die Behörde aktiv werde, müsse erstmal jemand den Verstoß anzeigen. Parallel dazu hat das Landratsamt einen Brief an die Liftbetreiber geschickt. Mit der freundlichen Bitte, man möge sich doch in Zukunft an die Regeln halten. Doch das könnte noch nicht das Ende der Geschichte sein. Ein Landkreis-Bürger hat die Aussage des Landratsamts offenbar sehr ernst genommen: Er will  laut Nemitz Anzeige gegen die Skigebiete erstatten. Ausgang offen. 

Ob das Beschneiungsverbot überhaupt noch lange Bestand hat, steht dagegen auf einem ganz anderen Blatt. Denn die Liftbetreiber gehen in die Offensive. In Kürze will man nach Informationen unserer Zeitung gemeinsam im Landratsamt eine Anfrage starten, um das Verbot gänzlich zu kippen, oder die Frist wenigstens auf 1. November vorzuverlegen. 

Und dort ist man scheinbar gar nicht so abgeneigt. „Bis jetzt haben wir noch keine offizielle Anfrage vorliegen“, sagt Birger Nemitz auf Nachfrage. Wenn es diese gibt, werde man den Fall prüfen. Dabei werde man auch mit den Umweltschutzverbänden im Landkreis sprechen und die Auswirkungen auf Arten- und Wasserschutz beleuchten. Danach könne man über alles reden.

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Karte: Alle Skilifte im Landkreis

kmm

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