Unbekannte haben das Jesuskreuz am Kirchbichl bei Schliersee umgeschnitten. Rechts unten im Bild ist noch die leere Halterung zu sehen.
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Schon wieder weg: Unbekannte haben das Jesuskreuz am Kirchbichl bei Schliersee umgeschnitten. Rechts unten im Bild ist noch die leere Halterung zu sehen.

Wiederaufbau läuft bereits

Vandalismus in Schliersee: Jesus-Kreuz am Kirchbichl umgesägt - doch die Solidarität ist groß

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Vor zwei Jahren wurde die jesus-Figur vom Kreuz am Kirchbichl gestohlen. Jetzt kam es noch schlimmer: Unbekannte haben das gesamte Kreuz umgesägt.

Schliersee – Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz am Kirchbichl in Schliersee. Immer in der Adventszeit wird es von Unbekannten verunstaltet. 2018 besprühte jemand die schwarze Jesus-Figur mit gelber Farbe. Als Peter Nawrath, der das Kreuz im Gedenken an die Bergleute kurz zuvor auf eigene Kosten restauriert hatte, den so verunstalteten Christus zu sich nach Hause holte und das Kreuz figurlos blieb, hing 2019 kurz vor Weihnachten plötzlich eine grüne Froschpuppe dran, berichtet der Schlierseer. Heuer brachte Nawrath den Gekreuzigten wieder auf dem Lärchenholz an – mit Schrauben, um ihn vor Diebstahl zu schützen. Doch auch dies konnte die Figur nicht vor Vandalismus schützen. In der Nacht von vergangenen Donnerstag auf Freitag hat ein Unbekannter gleich das komplette Kreuz umgelegt.

Nawrath vermutet, dass der Täter mit einer Akkusäge angerückt war. „Mit einer Handsäge bringt man keinen so sauberen Schnitt hin“, sagt er. Eine Motorsäge wäre hingegen zu laut gewesen. Anders als bei den Anschlägen in den Jahren zuvor, erstattete der Schlierseer diesmal Anzeige bei der Polizei. Ob etwas rauskommt, weiß er nicht.

Umso mehr freut ihn die Welle an Solidarität, die in den vergangenen Tagen über ihn hereingebrochen ist. Zahlreiche Schlierseer hätten ihr Bedauern über den Vandalismus zum Ausdruck gebracht, erzählt Nawrath. Mehr noch: Etliche hätten sogar ihre Hilfe beim Wiederaufbau angeboten. Am schnellsten war Andreas Haslinger. Er hatte zum 25-jährigen Bestehen der Schlierseer Blasmusik eine hölzerne Stimmgabel gebaut und diese in Absprache mit Nawrath auf dem damals leer stehenden Fundament des Kreuzes aufgestellt. „Seitdem sind wir befreundet“, erzählt Haslinger. Da sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit gewesen, Nawrath jetzt zu unterstützen.

Der Plan sieht wie folgt aus: Haslinger schreinert in seiner Werkstatt ein neues Kreuz, Dritter Bürgermeister Pius Kieninger, der hauptberuflich ein Baggerunternehmen führt, bessert das Fundament aus. Um die neue Bemalung der Jesusfigur, die durch den jüngsten Sturz tiefe Kratzer erlitten hat, kümmert sich Haslinger Cousin Bernhard, der einen Malerbetrieb führt. Schwarz wird der Herrgott jedoch nicht mehr angestrichen, berichtet Andreas Haslinger. „Aus Sicherheitsgründen. „Wir wollen nicht, dass er wieder beschädigt wird.“ Dies habe man auch den früheren Bergleuten so erklärt, und diese hätten dafür Verständnis gezeigt.

Für Nawrath haben sich die Arbeit und bisweilen auch der Ärger der vergangenen Jahre nun doch noch gelohnt: „Jetzt hat sich gezeigt, wie sehr die Schlierseer hinter dem Kreuz stehen.“

sg

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