Billig: Die Seniorenresidenz soll eines der günstigen Heime Bayerns sein, vielleicht das günstige.
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Billig: Die Seniorenresidenz soll eines der günstigen Heime Bayerns sein, vielleicht das günstige.

Manchen billige Unterbringung wichtiger – „Die kriegt eh nichts mehr mit“

VdK zur Seniorenresidenz: Einige Angehörige Teil des Problems

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Die Seniorenresidenz Schliersee kommt nicht zur Ruhe: Jetzt gibt der VdK den Angehörigen der Bewohner eine Mitschuld an den Zuständen in dem Pflegeheim.

„Schliersee – Angesprochen auf die Seniorenresidenz Schliersee, reagiert Marianne Estner, Kreisvorsitzende des VdK, mit einer Mischung aus Erregung und Ratlosigkeit. Wie berichtet, hat der VdK vergangene Woche Angehörige aufgerufen, seine Hilfsangebote zu nutzen, um die Bewohner aus dem Heim zu holen – ein einmaliger Vorgang. Gemeldet haben sich daraufhin einige Angehörige, berichtet Estner: „Das Pflegetelefon wird gut angenommen.“ Einige Bewohner habe der VdK bereits in neue Heime vermittelt. Trotzdem verdeutlicht der VdK-Aufruf das Problem des übrigen Teils der oft hilflosen Seniorenresidenz-Bewohner:

„Es geht auch ums Geld“, sagt Estner. Die Seniorenresidenz sei eines der billigsten Heime Bayerns. Nicht alle Angehörigen wollen diese Sonderstellung aufgeben; Pflegeskandale hin oder her. Ein Sohn habe zu ihr über seine in der Seniorenresidenz gepflegte Mutter gesagt: „Die kriegt ja eh nichts mehr mit.“ Für Estner ein Unding: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aus solchen Erfahrungen stammt ihre Ratlosigkeit.

„Es soll Angehörige geben, denen das Wohl der Bewohner egal ist“, sagt die VdK-Kreisvorsitzende. Um die Verlegung in ein anderes, sehr wahrscheinlich teureres Heim zu vermeiden, hätten einige gerne weggeschaut, wenn Mängeln berichtet wurden.

Entmutigen lassen will sich Estner von Vorfällen wie diesem nicht. Sie erneuert den Aufruf an Angehörige, die Unterstützung des VdK bei der Verlegung der Bewohner zu nutzen. Alle verbleibenden Angehörigen, ob VdK-Mitglied oder nicht, sollen sich an sie, andere VdK-Mitarbeiter oder das Pflegetelefon in München wenden. Wer nicht wolle, dass seine Verwandten im Rahmen der Schließung bayernweit verlegt werden, müsse sich kümmern.

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Dafür, dass es in der Seniorenresidenz größere Probleme gibt, mehren sich seit über einem Jahr die Anzeichen. Nun will die Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassen dem Heim den Versorgungsvertrag Ende August kündigen (wir berichteten). Zu viele Mängel seien dort festgestellt worden, zu gering sei die Hoffnung auf Besserung.

Marianne Estner, VdK-Kreisvorsitzender

Bevor die Kündigung greift, hatte das Heim noch Gelegenheit zur Anhörung. Mitte Juni hatte dieses seine Sicht der Dinge dargestellt, seitdem beraten Bezirk und Arge, ob die Kündigung bestehen bleibt. Einige Wochen hatten sie für diesen Prozess ursprünglich veranschlagt. Eine Entscheidung dürfte zeitnah bevorstehen. Sollte diese gegen die Seniorenresidenz ausfallen, müssten alle verbleibenden Bewohner in neue Heime verlegt werden. Das Thema Verlegung ist also höchst aktuell.

Das ist es, betont Estner, allerdings schon länger: „Da der Skandal ja nicht erst in den letzten Monaten bekannt wurde, verstehe ich persönlich nicht, warum sich nicht schon mehr Angehörige um einen Platz gekümmert haben.“ Im Raum stehen unter anderem Schichten mit nur einem Pfleger im gesamten Heim, verdorbene Lebensmittel und verdreckte Bewohner. Estner hofft, dass nun auch die übrigen Angehörigen aktiv werden – gerne mit Hilfe des VdK.

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