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Das Gründungsteam von Schliersee liest: (v.l.)  Christoph Seidenfus (Vorsitzender) , Gabriele Dressel (Büchereileiterin), Patrick Edler von Hoessle (Bücheroase, Zweiter Vorsitzender), Beatrix Seidenfus (Kassierin), Sabine Adolph (Michaelsbund der Erzdiözese), Renate Holzmeier (Grafikerin und Mathias Schrön (Gäste-Info-Leiter). 

Neuer Verein 

Das Lesen fördern - aber mit Konzept und dauerhaft

Von einer notwendigen Leseförderung liest man nicht nur im Zusammenhang mit den regelmäßigen Pisa-Studien immer wieder. In Schliersee hat sich nun ein Verein gegründet, der das Thema nachhaltig beackern will. Er hat sich viel vorgenommen.

Schliersee – Lesen gehört zweifelsohne zu den zentralen Kulturtechniken schlechthin. Um das zu erkennen, braucht es noch nicht einmal die Lektüre der zum Teil Besorgnis erregenden Ergebnisse der Pisa-Studien. Um das Lesen zu fördern – und zwar nachhaltig und nicht nur punktuell – hat sich nun der Verein Schliersee liest gegründet. Das Konzept hat dessen Vorsitzender Christoph Seidenfus nun kurz im Gemeinderat vorgestellt. Es klingt vielversprechend.

Die Vorarbeiten haben erkennbar einiges an Arbeit gekostet. Aber es hat sich gelohnt. Das ist vorgesehen: Vom 19. April an soll Schliersee ganz im Zeichen des Lesens stehen – mit Veranstaltungen, Projekten und weiterem mehr. Das Grundgerüst steht, auch wenn nicht alle vorgesehenen Protagonisten ihre Zusage schon gegeben haben. Den Start soll eine große Auftaktveranstaltung bilden, als Schirmherr der Aktion hat Dirk Ippen, Verleger des Münchner Merkur und seiner Heimatzeitungen, bereits zugesagt. Es folgt fast täglich ein Angebot, das mit dem Thema Lesen zu tun hat. Fix ist laut Seidenfus bereits das sogenannte Waldlesen für Kinder mit Gerhard Waas. Im Waldkindergarten erzählen zur Dämmerungszeit der Gemeinderat und Förster sowie ein weiterer Referent Geschichten rund um den Wald. Für weitere Autorenlesungen haben Seidenfus und seine Mitstreiter bereits ein paar Namen im Sinn. Zusammengefasst sind solche Angebote unter „Zum Zuhören“.

Daneben gibt es drei weitere Formate. Unter „Kinder und Jugendliche“ findet sich unter anderem das Projekt „Jung liest Alt vor“. Den Kontakt zur Mittelschule hat der Verein Schliersee liest schon hergestellt. „Das könnte Bestandteil des Unterrichts und sogar notenrelevant werden – sozusagen ein Dauerbrenner“, sagte Seidenfus im Gemeinderat. Unter dem Punkt „Zum Mitmachen“ findet sich eine Haiku-Schreibwerkstatt für Schüler und Erwachsene. Haikus sind japanische Kurzgedichte. Die Ergebnisse sollen als laminierte Schriftbändern an Bäume in Schliersee gehängt für jedermann lesbar sein.

Schließlich schwebt den Machern von Schliersee liest noch der Bereich „Experimente“ vor. Hierzu gehören zum Beispiel ein Poetry Slam, ein Abend unter dem Titel „Dialekt und Schrift“ im Saal des Heimatmuseums sowie ein Abend im Wasmeier-Museum, bei dem bekannte Sportler aus Schliersee, dem Landkreis und darüber hinaus über ihren Bezug zum Lesen sprechen. An dem Format habe der Bayerische Rundfunk bereits Interesse gezeigt, so Seidenfus.

Flankiert werden Projekte und Veranstaltungen von Ausstellungen – etwa über die „Schlierseer literarischen Epochen“ – und Büchermärkten. Das alles soll aber weit über die zwei Wochen nach den Osterferien hinauswirken. Schon mit dem Jahreswechsel startet die Aktion „Maibaumlesen“. Ziel: Alle in Schliersee von Kindern und Jugendlichen bis Anfang Mai gelesenen Bücher sollen aufeinandergestapelt die Höhe des Schlierseer Maibaums erreichen: 26 Meter. Projektpartner ist hier die Gemeindebücherei, deren Leiterin Gabi Dressel ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört. Der hat die Anerkennung seiner Gemeinnützigkeit bereits beantragt, eine Homepage befindet sich im Aufbau.

Bei anderen Themen in Schliersee geht es weniger konstruktiv zu: PWG Schliersee: Amtierender Gemeinderat tritt nicht mehr an - aus Enttäuschung

Außerhalb der Aktionswochen, die alle zwei Jahre stattfinden sollen, sind übers Jahr weitere Angebote rund ums Lesen geplant. An den Details wird nun gewerkelt. Über das Warum der Initiative sagt Seidenfus: „Weil wir sehen, welche Brücken Lesen und Vorlesen zwischen Menschen und Generationen bilden kann. Und weil es schlicht große Freude bereitet, sich mit den Gedanken und Fantasiewelten jeglicher Form des Lesens auseinanderzusetzen.“

Lesen Sie auch: Mitten im Zentrum von Schliersee: Esche und Buche müssen gefällt werden 

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