Falschparkende Autos und Fußgänger in Fischhausen am Schliersee.
+
Das Chaos in den Griff bekommen: Schliersee will prüfen, ob und zu welchem Preis der Zweckverband KDZ Probleme im Verkehr, gerade beim Parken wie hier im Sommer in Fischhausen, eindämmen könnte.

Rathaus prüft Angebot

Verkehrschaos: Kontrolliert bald der Zweckverband in Schliersee?

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Ob Parksünder oder Raser: In immer mehr Gemeinden ahndet der Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland die Verkehrsverstöße. Bald auch in Schliersee?

Schliersee – Geht es nach Michael Braun, wird einer der letzten weißen Flecken auf der Landkarte des 2007 gegründeten und 133 Mitglieder starken Zweckverbands Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (KDZ) für den Landkreis Miesbach bald verschwinden. „Ich rechne Sie schon mal mit dazu“, sagte der Geschäftsführer bei seiner Präsentation im Schlierseer Gemeinderat. Einen konkreten Termin für einen möglichen Beitritt Schliersees nannte Braun auch: die Verbandsversammlung im Herbst.

Der KDZ-Chef wäre wohl nicht so vorgeprescht, wenn er sich nicht eines gewissen Interesses der Schlierseer hätte sicher sein können. Tatsächlich nämlich war der Wunsch, sich das Angebot des Zweckverbands vorstellen zu lassen, aus den Reihen des Gemeinderats selbst gekommen. Gerhard Waas (Grüne) habe den entsprechenden Antrag gestellt, erinnerte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Auslöser waren unter anderem die zuletzt zahlreichen Diskussionen über das Verkehrs- und vor allem auch das Parkchaos in Schliersee.

Bislang hat die Marktgemeinde die Überwachung an einen privaten Dienstleister vergeben. Für eine Zusammenarbeit mit dem KDZ böten sich laut Braun zwei Möglichkeiten: eine auf zwei Jahre befristete Zweckvereinbarung oder eine Mitgliedschaft. Je nach Variante unterscheiden sich die Preise für die Überwachungsstunden. Im ruhenden Verkehr (Parken) zahlen Mitglieder 30 Euro, Nichtmitglieder 40 Euro pro Stunde, im fließenden Verkehr sind es 100 beziehungsweise 140 Euro. Die kassierten Verwarnungs- und Bußgelder erhalten die Kommunen 1:1 zurück, betonte Braun. Gleiches gilt für Gewinne, die der Zweckverband erwirtschaftet.

Die Verkehrsüberwachung sei nach wie vor der klare Schwerpunkt beim KDZ, erklärte Braun. Für 2021 seien bereits 50 000 Stunden an rund 3000 Messstellen im Oberland gebucht, davon 60 Prozent im fließenden und 40 Prozent im ruhenden Verkehr. „Die Nachfrage explodiert mit dem Chaos“, sagte Braun. Doch auch das Forderungsmanagement (hier kümmert sich das KDZ um die Vollstreckung von kommunalen Leistungsbescheiden) sowie der nach längerem Hin und Her nun doch zulässigen Zentralen Beschaffungsstelle für Ausschreibungen von Auftragsarbeiten (die Kommunen können entscheiden, in welchen Bereichen sie Unterstützung wünschen) erfreuen sich immer größerer Beliebtheit bei den Mitgliedern.

Die steigende Nachfrage müsse aber erst bedient werden, hakte Waas mit Blick auf die klassischen Ausflugstage nach. Und dazu brauche es auch Personal. „Was passiert, wenn Schliersee auch noch dazu kommt?“ Braun nickte. „Wir schreiben ständig neue Stellen aus.“ Ziel des KDZ sei es, 98 Prozent der angeforderten Überwachungsstunden erfüllen zu können. „Und das gelingt uns in den allermeisten Fällen auch.“ An extremen Wochenenden würde aber selbst eine Urlaubssperre für die rund 50 Mitarbeiter nicht ausreichen, um alles abzudecken.

Horst Teckhaus (PWG) interessierte sich für die Wahl der Messstellen. Er habe gehört, viele Gemeinden würden vor allem dort blitzen und Knöllchen verteilen lassen, wo es am meisten zu verdienen gebe. „Es geht aber doch nicht darum, die Gemeindekasse zu füllen, sondern darum, die Verkehrssicherheit zu erhöhen.“ Braun beschwichtigte: Beim Festlegen der Überwachungspunkte würde immer auch die Polizei zur Beurteilung hinzugezogen. Tatsächlich habe man in etlichen Gemeinden durch regelmäßige Kontrollen eine Entschärfung von Brennpunkten erreicht.

Ob Schliersee tatsächlich, wie von Braun erhofft, dem Zweckverband beitritt oder zumindest seine Leistungen bucht, ließ der Bürgermeister noch offen. Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, werde man zunächst im Rathaus alle Vorteile und Nachteile in den jeweiligen Bereichen gegenüberstellen.

Auch interessant

Kommentare