Bauarbeiten an den Gleisen

Verkehrschaos zwischen Hausham und Schliersee: Bahn weist Kritik und Verantwortung zurück

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Durch das tägliche Verkehrschaos zwischen Hausham und Schliersee liegen die Nerven von Autofahrern und Anwohnern blank. Die Bahn weist die Kritik nun aber zurück.

Bahn reagiert auf Kritik und weist Verantwortung für Stau zurück

Update Donnerstag, 17. Juni, 17.30 Uhr: Nun hat sich auch die Pressestelle der Bahn zum Ärger rund rum das Verkehrschaos zwischen Hausham und Schliersee geäußert. Eine Sprecherin stellt klar: „Die Fakten zeigen deutlich, dass die Bahnbaustelle nichts mit den straßenseitigen Einschränkungen zu tun hat.“ Im Klartext: Die Bahn ist nicht für das Stauproblem verantwortlich.

Tatsache sei, dass keine Straßensperrung, -einengung oder gar Umleitung im Bereich Schliersee auf Grund von Anforderungen der Bahn und ihrer Baustelle eingerichtet sei. „Die derzeit vorhandenen Einschränkungen sind ausschließlich dem laufenden Straßenbau geschuldet“, betont die Sprecherin. Damit dementiert sie Aussagen des Ingenieurbüros Haindl, dass die Einspurigkeit der Fahrbahn in Westenhofen auf einen nicht abgebauten Kameramast der Bahn an der Schrankenanlage zurückzuführen sei. Die Verkehrsprobleme in Hausham seien indes einzig und allein auf die Straßenbaumaßnahmen im Zusammenhang mit der geplanten Verlegung des Bahnübergangs zurückzuführen, hätten also ebenfalls nicht mit den aktuell laufenden Arbeiten an der Bahnstrecke selbst zu tun.

Auch zu den viel kritisierten Schottertransporten von Hausham nach Fischhausen äußert sich die Sprecherin - und stellt einige Zahlen richtig. Statt der vom Ingenieurbüro genannten 10.000 Tonnen Altschotter seien tatsächlich nur 2500 Tonnen transportiert worden. Dafür seien auch nur 115 Lkw-Fahrten und keine 450 Fuhren nötig gewesen. Die Aktion selbst sei vom 11. bis 13. Juni, also binnen drei Tagen durchgeführt und auch abgeschlossen worden. Sie habe zu „keinen zusätzlichen Beeinträchtigungen im besagten Zeitraum geführt“. Weitere Transporte über die Straße seien nicht geplant.

Zudem habe die zuständige Baufirma sehr wohl Alternativen zur Lagerung des Schotters am Bahnhof Fischhausen geprüft. So etwa die Nutzung der Mülldeponie am Brenten in Hausham. Der Deponieinhaber habe dies aber abgelehnt. Der Transportweg über das Leitzachtal musste laut der Bahnsprecherin verworfen werden, da diese Strecke einen erheblichen Umweg dargestellt und somit zu höheren Umweltbelastungen geführt hätte. „Zudem sind die Straßen dort für solche Verkehre teilweise nicht geeignet.

Auch eine gute Nachricht verkündet die Bahnsprecherin noch: Die Arbeiten am Oberbau der Gleisstrecke sollen am 22. Juni pünktlich zum Abschluss kommen. Spätestens dann wird sich zeigen, ob sich die Verkehrsprobleme verbessern oder nicht.

Schlimmste Stau-Befürchtungen bewahrheiten sich

Update Freitag, 11. Juni, 12 Uhr: Ein Video eines Anwohners zeigt, dass das Stauchaos an der Bahnstrecke Schliersee-Hausham tatsächlich eingetreten ist. Selbst unter der Woche tagsüber stockt der Verkehr, es geht nur im Schneckentempo vorwärts. Zwischen den Autos rollen Traktoren mit Anhängern und schwere Lkw tonnenweise Gleisschotter in Richtung Bahnhof Fischhausen, wo das Material zwischengelagert wird. Wie Anwohner unserer Zeitung berichten, laufen die Transporte auch nachts. An Ruhe ist vorerst also nicht zu denken. Und an flüssigen Verkehr erst recht nicht.

450 Fuhren Gleisschotter mitten durch die Baustelle?

Ursprünglicher Artikel, 10. Juni, 18.31 Uhr: Hausham/Schliersee – Schon die Zahlen klingen beeindruckend – für Anwohner und Autofahrer sogar eher furchteinflößend: 10.000 Tonnen oder umgerechnet fast 450 Lkw-Fuhren Gleisschotter müssen bei der nun angelaufenen Ertüchtigung der Bahnstrecke zwischen Miesbach und Bayrischzell bewegt werden. Das zumindest hat das Ingenieurbüro Haindl auf Nachfrage unserer Zeitung behauptet. Die Bahn jedoch hat diese Zahlen mittlerweile deutlich nach unten korrigiert (siehe Update oben).

Anwohnerin spricht von „Highway to hell“

Das Gestein wird nicht einfach neben dem Bahndamm abgelegt, sondern an einen zentralen Lagerplatz gebracht. Weil sich der am Bahnhof Fischhausen befindet, müssen die Laster aus Richtung Hausham jedes Mal die verkehrsmäßig ohnehin stark belastete Strecke durch Schliersee nehmen – und damit auch die Baustelle am Bahnübergang Westenhofen passieren. „Das ist doch der Wahnsinn“, schreibt uns eine Leserin aus dem „Highway to hell“ in Schliersee.

Das zuständige Ingenieurbüro Infra aus Rosenheim bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Schotter nach Fischhausen gebracht wird. Verantwortlich dafür sei die Deutsche Bahn, betont Ingenieur Konrad Haindl. Er gehe aber davon aus, dass es letztlich keinen anderen brauchbaren Standort in unmittelbarer Nähe gebe. Der Grund: Der Schotter wird nicht einfach nur zwischengelagert und dann wieder eingebaut, sondern müsse vorher auf Schadstoffe untersucht werden. Dies sei nur möglich, wenn die Steine entsprechend verteilt und nicht einfach auf einem zehn Meter hohen Haufen liegen würden. Deshalb brauche es eine ausreichend große Fläche.

Ingenieur empfiehlt Route übers Leitzachtal

Da im Schienennetz Altlasten keine Seltenheit seien, geht Haindl davon aus, dass nur ein Teil des Schotters auch wieder nach Hausham zurückgebracht werden kann. Zumindest hier also könnte sich die Zahl der Lkw-Fuhren reduzieren. Um das Stauchaos und die Belastungen für die Anwohner in Schliersee nicht noch mehr zu verschärfen, habe man der ausführenden Firma Spitzke nahegelegt, die Fahrten über die Route Bemberg-Wörnsmühl-Fischbachau abzuwickeln. Die Empfehlung also, die auch für den überörtlichen Autoverkehr gilt.

Auch interessant: Bahnübergang Hausham: Kurzes Verschnaufen vor dem Stauwahnsinn

Auch sonst versuche man, das Beste aus der Situation zu machen, versichert Haindl. So will man die durch die Bauarbeiten holperige Fahrbahn in Westenhofen mit Kunststoffplatten so begradigen, dass der Verkehr wieder flüssiger laufe. Die Einspurigkeit mit Ampelregelung könne man aber erst aufheben, wenn die Bahn einen später nicht mehr benötigten Kameramasten abgebaut habe.

Haindl übrigens kann die Gefühlslage der Autofahrer und Anwohner sehr gut nachempfinden. Jedes Mal, wenn er bei der Heimfahrt aus dem Büro von Rosenheim nach Wasserburg im Radio von Stau zwischen Neuhaus und Hausham höre, „läuft es mir kalt den Rücken runter“, sagt der Ingenieur. „Man fühlt sich eben verantwortlich für seine Baustellen.“ sg

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