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Im Fokus der Bauwut: Der Bereich zwischen Grünsee- und Krettenburgstraße lockt Investoren. Für die beiden oberen gelb eingezeichneten Flächen bestehen Bauwünsche. Auf der an der Waldschmidtstraße wurden sogar schon Bäume gefällt. Nun stellt der Gemeinderat einen Bebauungsplan (rot) auf. Immer wieder sorgt im Zusammenhang mit Bauwünschen die erfolgte Genehmigung für drei Häuser weiter südlich (gelb) für Diskussionen. Für die gerodete Fläche (ganz unten rechts) besteht ebenfalls ein umstrittener Bauwunsch.

Investoren klappern sogar Haustüren ab

Veto gegen Geldgier: Gemeinderat bremst Bauwut in Neuhaus

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Potenzielle Baugrundstücke in Neuhaus lassen Investoren mit den Füßen scharren. Der Gemeinderat reagiert nun erneut mit einem Bebauungsplan samt Veränderungssperre.

Schliersee – Die grünen Flecken auf dem Luftbild von Neuhaus lassen bei den Investoren die Euro-Zeichen aufblitzen. Und treiben sie offenbar sogar zum Klingelputzen an. „Die Grundstückseigentümer werden an der Haustür abgeklappert und gefragt, ob sie nicht verkaufen wollen“, berichtete Florian Zeindl (CSU) nun im Schlierseer Gemeinderat. Der simple Grund: „Geldgier.“

Die Folgen tauchen in regelmäßigen Abständen im Bauamt im Rathaus auf. Anträge für Einfamilien-, Reihen- oder sogar Mehrfamilienhäuser – selbstverständlich mit Garagen. Besonders beliebt scheint der Bereich zwischen Grünsee-, Waldschmidt- und Krettenburgstraße sowie dem Freudenreichweg zu sein. So hatte es der Gemeinderat nun mit einer Bauvoranfrage für zwei Reihenhaus-Dreispänner am Freudenreichweg zu tun. Noch unkonkret sind die Planungen für ein Grundstück an der Waldschmidtstraße. Dafür seien hier bereits Bäume gerodet worden, berichtete Bauamtsleiterin Birgit Kienast.

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Um der viel zitierten Bauwut Herr zu werden, bleibt der Gemeinde nur ein Instrument: die Aufstellung eines Bebauungsplans. Ohne den sind Vorhaben im Innenbereich grundsätzlich zulässig, sofern sie sich in die umgebende Bebauung einfügen. Diese Gefahr sei im besagten Bereich akut, erklärte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). „Das würde eine maximale Verdichtung ermöglichen.“

So gelte in Neuhaus aktuell noch das Motto „viel Fläche, wenig Haus“. Diese ländliche Struktur gelte es zu erhalten. Trotz wachsender Begehrlichkeiten sei eine überbordende Bebauung nicht im Sinne des Ortsbilds. Kienast schlug daher vor, einen Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren aufzustellen und diesen obendrein ab sofort mit einer Veränderungssperre abzusichern.

Michael Dürr (PWG) sah das nur als Symptombekämpfung eines früheren Versäumnisses. Er habe stets für die Entwicklung einer langfristigen Strategie in der Gemeinde geworben. Auch der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München habe eine Aktualisierung des Flächennutzungsplans empfohlen. „Ihr wolltet es aber leider nicht“, kritisierte Dürr seine Ratskollegen.

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Die Auswirkungen hätten sich bereits mit den Kroha-Häusern gezeigt. Diese habe man „auf Biegen und Brechen durchgeboxt“ und habe damit einen Bezugsfall für andere Investoren geschaffen. „Das Ei haben wir uns damals gelegt, und jetzt wird gewillkürt“, schimpfte Dürr. Die Gemeinde habe keine klare Linie, sondern lasse sich einfach treiben. „Das geht mir gegen den Strich.“ Jetzt punktuell mit Bebauungsplänen gegenzusteuern, ergebe nur einen „Flickenteppich“, meinte Dürr.

Zeindl widersprach. Der Flächennutzungsplan regle kein Baurecht und sei obendrein in Schliersee auf Stand. Einen Bebauungsplan könne man hingegen nicht über das gesamte Gemeindegebiet legen. Deshalb sei der Vorschlag der Verwaltung hier der einzig richtige Weg. Die übrigen Ratsmitglieder beschritten diesen mit großer Mehrheit. Jeweils gegen eine Stimme brachten sie den Bebauungsplan und die Veränderungssperre auf den Weg.

Ein Allheilmittel gebe es leider nicht, betonte Zeindl: „Wir werden immer hinterherlaufen, weil wir vorher nicht wissen können, wo ein Investor etwas vorlegt.“

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