Löst Bedenken aus: Diese (in Teilen inzwischen leicht geänderte) Planung für das Vitalresort an der Stolzenbergstraße in Neuhaus findet nicht die Zustimmung von Kreisbaumeister Christian Boiger. Im missfällt unter anderem der Umgang mit dem (nach rechts) abfallenden Gelände. Visualisierung: Haas Cook Zemmrich studio 2050
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Löst Bedenken aus: Diese (in Teilen inzwischen leicht geänderte) Planung für das Vitalresort an der Stolzenbergstraße in Neuhaus findet nicht die Zustimmung von Kreisbaumeister Christian Boiger. Im missfällt unter anderem der Umgang mit dem (nach rechts) abfallenden Gelände.

„Chalets wirken zwanghaft“

Vitalresort in Neuhaus: Dem Kreisbaumeister missfällt’s - „Unsensibel“

Viel Freude hat Wolf-Dieter Roetzer sein Hotelbau-Projekt für ein Vitalresort in Neuhaus noch nicht gemacht. Jetzt kommt auch noch Widerstand aus dem Landratsamt.

Neuhaus/Miesbach – Es hatte Jahrzehnte gedauert, bis sich ein Planer gefunden hat, der auf dem sogenannten Arag-Grundstück an der Stolzenbergstraße in Neuhaus ein touristisches Projekt verwirklichen wollte. Wie berichtet, hat der Projektplaner Wolf- Dieter Rotzer das Grundstück gekauft (ohne Rückabwicklungsklausel) und der Gemeinde die Pläne für ein Vitalresort mit Hotel, Gästehaus, Chalets, Teich und sogenanntem Gesundhaus vorgelegt. Schon bis zur ersten Auslegung hatte es erheblich länger gedauert, als sich der langjährige und regelmäßige Schliersee-Besucher das gewünscht hatte. Nun ist die erste Öffentlichkeitsbeteiligung vorbei, und neben den erwartbaren Einwänden der Nachbarn (fünf) kommt Widerstand auch aus dem Landratsamt.

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Vitalresort in Neuhaus: Dem Kreisbaumeister missfällt’s - „Unsensibel“

Kreisbaumeister Christian Boiger sieht das Vorhaben ebenso wie die Untere Naturschutzbehörde kritisch. Der nächste Verfahrensschritt verzögert sich damit. Denn Boiger will seine Sicht der Dinge erst noch dem Gemeinderat vortragen. Das hätte schon passieren sollen, doch wegen der zu diesem Zeitpunkt hohen Inzidenz-Zahlen sagte Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) die Sitzungen ab. Boigers Sachstandsbericht muss also noch warten – und damit die Behandlung des Gemeinderats, die bei Projekten dieser Größenordnung in aller Regel zu einer zweiten Auslegungsrunde führt. Roetzer hat wieder ein paar Monate verloren.

Boiger sagt auf Anfrage: „Grundsätzlich ist ein Hotel zu begrüßen. Aber es soll etwas richtig Gutes werden.“ Und das sei mit den vorgestellten Plänen nicht gewährleistet. „Zwei vierstöckige Gebäude mit rund 50 Metern Länge auf diesem Gelände in einer künstlichen Grube zu versenken, ist aus unserer Sicht ein etwas unsensibler Umgang mit der Topografie.“ Wie berichtet, möchte Roetzer auf dem abfallenden Gelände Hotel und Gästehaus so erreichten, dass im Süden nur ein oder zwei Stockwerke über die Gelände-Oberkante hinausragen, auf der anderen Seite wären es drei – jeweils plus Dachgeschoss. „Die Folgen wären Stützmauern und eine Terrassierung des Geländes. Das ist auf den veröffentlichten Darstellungen teilweise nicht zu erkennen“, rügt Boiger.

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Ein weiterer Kritikpunkt: „Die polygonalen Chalets wirken zwanghaft und haben steigende Firste und/oder fallende Traufen zur Folge. Das passt nicht in die Region.“ Diese Chalets mit insgesamt acht Ferienwohnungen gruppieren sich um einen Weiher. Im Biohotel soll es 42 Zimmer geben, im Gästehaus 45. Hinzu kommen neben dem Gesundhaus mit Praxen und Kochschule sowie ein Mitarbeiterhaus. 59 der insgesamt 88 Stellplätze verschwinden in eine Tiefgarage, die fast den gesamten südlichen Teil einnimmt. Durch diese und den Eingangsbereich sind Hotel und Gästehaus miteinander verbunden. Die verschiedenen Gebäudlichkeiten und deren Nutzungen hatten schon leichtes Stirnrunzeln im Gemeinderat verursacht, und auch Boiger ist nicht überzeugt: „Das zugrunde liegende Konzept ist unserer Ansicht nach nicht stringent“, sagt er.

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Obwohl er seine Bedenken bewusst in aller Deutlichkeit formuliert hat, möchte er keinesfalls als Nein-Sager dastehen. „Wir wollen nichts verhindern, sondern in ein Gespräch einsteigen und mit dem Bauwerber gemeinsam eine Lösung entwickeln, die für den Markt Schliersee einen Mehrwert darstellt – und für den Bauwerber auch.“ Gespräche hatte Roetzer schon einige geführt. Mit dem Kreisbaumeister, der erst seit Mai als solcher fungiert (wir berichteten), derweil noch nicht. Auch wenn sich der jetzt in die Diskussion einschaltet – die Entscheidung liegt beim Gemeinderat. Über die Bedenken aus Miesbach kann er sich hinwegsetzen, wenn er gute Argumente hat.

Kreisbaumeister Boiger sagt abschließend: „Es ist schon möglich, auf dem Gelände einiges unterzubringen, und klar muss der Investor auch Geld verdienen, dies aber mit einem klaren, ruhigen Konzept, das Rücksicht auf die Topografie nimmt – ohne übermäßige Modellierung des Geländes.“

Im Gemeinderat

am heutigen Dienstagabend um 18.30 Uhr im Forum der Vitalwelt ist das Vitalresort-Projekt doch noch kein Thema. Ursprünglich war ein Sachstandsbericht zum Bebauungsplan auf der Tagesordnung gestanden (wir berichteten), dieser wurde nun aber verschoben. Laut dem Schlierseer Bauamt finden derzeit noch Gespräche statt, wodurch das Projekt voraussichtlich erst in der Juli-Sitzung des Gemeinderates behandelt werden kann.

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