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Vitalresort Schliersee: Viele Bedenken, kaum Planänderungen

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Von: Daniel Krehl

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Das Vorhaben: Das Hotelprojekt an der Stolzenbergstraße in Neuhaus besteht aus Biohotel (oben links), Gästehaus (unten links), Gesundhaus (unten rechts) und vier Chalets an einem künstlichen Teich. Der Schlierseer Gemeinderat hat den Bebauungsplan nun in die zweite Auslegungsrunde geschickt.
Das Vorhaben: Das Hotelprojekt an der Stolzenbergstraße in Neuhaus besteht aus Biohotel (oben links), Gästehaus (unten links), Gesundhaus (unten rechts) und vier Chalets an einem künstlichen Teich. Der Schlierseer Gemeinderat hat den Bebauungsplan nun in die zweite Auslegungsrunde geschickt. © Haas Cook Zemmrich Studio 2050

Schliersee ist auf dem Weg zu einem neuen, großen Hotel wieder weitergekommen. Der Gemeinderat die Einwände zum geplanten Vitalresort behandelt.

Schliersee – Die Leseleistung der Verwaltung war beträchtlich. Über zweieinhalb Stunden dauerte die Beratung im Gemeinderat über das Hotelprojekt Vitalresort an der Stolzenbergstraße – und das mehr oder minder netto. Denn die Gemeinderäte hatten wenig beizutragen an diesem Abend. Das Thema war ja wiederholt behandelt worden in den vergangenen rund drei Jahren.

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Vitalresort Schliersee: Viele Bedenken, kaum Planänderungen

Wie berichtet, möchte Projektentwickler Wolf-Dieter Roetzer ein Biohotel (40 Zimmer/78 Betten), ein Gästehaus (48/92), vier Naturholz-Chalets mit je drei Appartements um einen Teich sowie ein Gesundhaus mit vier Praxen, Kochschule, Seminarräumen und Mitarbeiter-Räumlichkeiten für etwa acht Personen. 12 000 Quadratmeter ist das Gelände groß. Was der Gemeinderat nun auf den Tisch bekam, waren die Einwände, die bei der ersten Auslegungsrunde eingingen. Die datiert ins Frühjahr 2021, und seitdem haben sich die Pläne geändert – speziell auf Bedenken von Kreisbaumeister Christian Boiger hin (wir berichteten). Auf Wunsch der Grünen wurde dessen damalige Stellungnahme nun vollständig im Gemeinderat verlesen.

Harsche Kritik übt der Holzkirchner da – wohlgemerkt an einem international angesehenen Architektenbüro. Das „Machwerk“ lasse „leider jegliche städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualität vermissen“. Benno Bauer, ebenfalls Architekt und obendrein Kreisheimatpfleger, sieht das anders. „Das Projekt ist als einer der wenigen gelungenen Entwürfe zum Thema Bauen für die Touristik im Landkreis zu nennen“, schreibt der. Gerhard Waas (Grüne) griff daraufhin zum Stilvergleich. Bauers Stellungnahme sei „sachlich fundiert“, die von Boiger mit polemischen Adjektiven durchsetzt. Eines Vertreters des Landratsamts unwürdig, fand Waas.

Aber: Die Einwände hatten dahingehend gefruchtet, dass die Planung geändert wurde, etwas weniger Versiegelung, ein kleinerer Teich, keine Gauben zum Beispiel (wir berichteten). Und auf diese geänderte Planung bezogen sich auch die Abwägungsvorschläge. Klar: Biohotel und Gästehaus sind mit bis zu 55 Metern Länge groß, aber das gebe es auch anderswo in Fischausen-Neuhaus – gleiches gelte für die Dichte der Bebauung.

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Nachbarn sorgen sich vor Verkehrszunahme

Eine große Sorge der Nachbarn ist der Verkehr, und tatsächlich wird der nach Fertigstellung des Hotels ganz erheblich zunehmen – jedenfalls im Vergleich zu Status quo. Um rund 270 auf dann 310 Fahren pro Tag kommt das Verkehrsgutachten. Aber: Die Stolzenbergstraße ist hierfür leistungsfähig genug, so der seitens der Gemeinde beauftragte Bebauungsplan-Architekt Christoph Rickert. Im Norden allerdings muss sie etwas verbreitet werden.

Die Sorgen der Nachbarn sind – wie üblich bei solchen Vorhaben – vielfältig. Sie haben sich zum Teil schon überholt und reichen bis hin zu dem Vorwurf, das „Vorhaben stellt sich erkennbar als verkappte Wohnbebauung dar“, wie der Anwalt eines Nachbarn schreibt. Seitens der Gemeinde heißt es hierzu, eine „Hotelnutzung sei „präzise festgesetzt. Eine Wohnbebauung ist nicht zulässig.“

Einwände und Abwägungsvorschläge kamen auf 47 dicht bedruckte DIN A-Seiten. Anlass zu größeren Planänderungen sah die Mehrheit des Gemeinderats nicht. Gegen den Billigungs- und Auslegungsbeschluss stimmten Max Leitner, Christoph Stöger (beide Die Schlierseer), Wolfgang Mundel, Pius Kieninger, Astrid Leitner (je CSU) und Sibylle Strack-Zimmermann (Grüne). Abschließend behandeln wird der Gemeinderat den Bebauungsplan aber erst, wenn das Gelände sicher nicht mehr dem Landschaftsschutz unterliegt, bekräftigt Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU). Gegebenenfalls soll der Kreistag im Oktober eine Herausnahme beschließen.

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