Vitalwelt, Schliersee, Hallenbad
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Kostspielig: Das Defizit der Vitaltherme Schliersee ist trotz heuer guter Besuchszahlen hoch.

Gemeinde löst GmbH auf

Vitalwelt ist massives Zuschussgeschäft

Schliersee - Die Gemeinde Schliersee löst die Vitalwelt GmbH auf. Allein für den Betrieb der Vitaltherme hat sie jährlich knapp 300.000 Euro draufgezahlt.

In der Vitalwelt GmbH steckt der gewerbliche Teil des Gebäudes. Sie kümmert sich um die Vermietung von Sauna- und Wellnesstrakt, Restaurant, Praxis, Fitnessstudio und Tennisbereich. Vor allem aber hat sie im Gemeinderat für einigen Stress und obendrein Kosten gesorgt.

Weil das Landratsamt die Gemeinde nicht von der Pflicht befreite, Beteiligungsberichte zu erstellen und diese von einem Wirtschaftsprüfer testieren zu lassen, musste Schliersee dies nachholen, was einige Tausend Euro kostete. Wie viel genau, das wollte Gemeinderat Rolf Dombrowsky (CSU) wissen. „Das mag vielleich gesetzlich gefordert sein, ist aber sinnlos“, sagte er. Zuvor hatte auch Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) den Nutzen des Testats in Zweifel gezogen. Schließlich würden die Zahlen von GmbH-Geschäftsführer Wolfgang Mundel, der Kämmerei und dem Steuerberater geprüft. Mundel soll nun die genauen Kosten liefern.

Zum 31. Dezember dieses Jahres soll die GmbH dann aufgelöst und die Vitalwelt von da an als Ganzes in einem Regiebetrieb der Gemeinde geführt werden. Über die rechtlichen Details spricht Schliersee gerade mit dem Kommunalen Prüfungsverband. Um volle Transparenz zu haben, beschloss der Gemeinderat auf Antrag von Beatrix Seidenfus (PWG), aber gegen sechs Stimmen aus der CSU die Erstellung einer Überleitungsbilanz. Der Argwohn, dass in Sachen Vitalwelt nicht alles auf den Ratstisch kommt, ist immer noch spürbar.

Derweil hat Schnitzenbaumer in der Bürgerversammlung Zahlen genannt, was das Haus die Gemeinde jährlich kostet. Demzufolge liegt das Betriebsergebnis bei 137 000 Euro Verlust, hinzu kommen Zins und Tilgung von Krediten in Höhe von 519 000 Euro. Bekanntlich hat die Sanierung des ehemaligen Kurzentrums den Schuldenstand der Gemeinde um einige Millionen nach oben getrieben. An Einnahmen bekommt die Gemeinde - neben Eintrittsgeldern - 310 000 Euro aus Mieten und Pachten.

Bekanntermaßen ein Zuschussgeschäft ist der Betrieb des Hallenbads. Mit minus 297 000 Euro beziffert die Verwaltung das Ergebnis der Vitaltherme für das Jahr 2013. Heuer wird das Defizit kaum geringer ausfallen - und das, obwohl erstmals seit 2010 wieder mehr als 80 000 Besucher im Hallenbad erwartet werden, nämlich 82 000. Im August verzeichnete die Vitaltherme einen Rekordmonat mit 12 343 Besuchern - angesichts des Wetters kein Wunder. Die Zahlen zeigen aber auch: Das Minus abmildern können im erster Linie nur die Schlierseer selbst - indem sie verstärkt die Einrichtung nutzen. Denn sind keine Urlauber da, sei auch das Bad ziemlich leer, so Schnitzenbaumer. Das Defizit bezeichnete er als „zu hoch“.

Immerhin: Mit dem Bau des Blockheizkraftwerks durch einen Contracting-Partner spart die Gemeinde Energiekosten. Angaben der Gemeinde zufolge hat das Kraftwerk seit der Inbetriebnahme Ende Juli über 120 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Die Gemeinde sucht weitere Mittel und Wege, das Defizit zu verkleinern.

Von Daniel Krehl

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